Frischquak

Rücke vor über „Los“

Bad Wildungen - Trist, grau, langweilig ist der November. Gewöhnlich. Aber nicht in der Wildunger Stadtpolitik, nicht 2012: Explosiv, mit Farbschattierungen zwischen schreckensbleich und zornesrot wird der elfte Monat sich die nächsten drei Wochen zeigen.

Die nackten Zahlen zum Heloponte werden am 19. November auf den Tisch der Stadtverordneten gelegt – zwischen Volkstrauertag und Totensonntag. Wenn das mal kein Omen darstellt für die Diskussion um die Freizeitanlage. Meine Prognose: Die Politik gerät ganz schön ins Schwimmen, um das Schwimmen in der Badestadt weiter garantieren zu können.

Mehr als zwei Millionen Euro Defizit pro Jahr – das kann sich die Stadt nicht mehr leisten und selbst acht Millionen Euro an Investitionen würden an diesem Minus nichts ändern. Im Gegenteil. Wie geht’s weiter? Ohne Hilfe der Nachbarn aus Edertal jedenfalls, die zwar gerne das Helo nutzen, aber einmütig nach Ansicht der drei Bürgermeisterkandidaten und der Publikumsstimmen beim WLZ-Wahlforum keine neue Lösung mitbezahlen wollen. Ob das noch länger funktioniert? Schließlich schenkt Bad Wildungen rein rechnerisch jedem Gast des Heloponte pro Besuch satte 10 Euro – ein Spitzenwert der Großzügigkeit in ganz Deutschland.

„Bad Wildungen ist doch reich genug mit den Steuern von all den Kliniken“, kommentierte eine Stimme vorige Woche in der Affolderner Festhalle. Ein schöner Gedanke – stimmt bloß nicht, weil Reha-Kliniken 0,000 Prozent Gewerbesteuer zahlen. Doch Rettung naht in Gestalt des Springteufelchens der Wildunger Wirtschaftspolitik, des Wirtschaftsweisen Ulrich Moldenhauer.

Mit seinem verbalen Dreizack prügelt und sticht er auf Bürgermeister, Verwaltung und Stadtmarketing ein, die den Gesundheitstourismus verschliefen. Sein schlagendes Argument ist eine Statistik, die Bad Wildungen, Bad Füssing und Bad Kissingen vergleicht. Bad Wildungen müsse den Anteil der Privatgäste in ähnliche Höhen schrauben wie die zwei anderen, doziert der Experte. Denn Private bringen mehr Geld.

Nur 20 Prozent der Übernachtungen in Wildungen sind privat, 53 Prozent in Kissingen, 85 Prozent in Füssingen. Bloß – die Zahl der Übernachtungen ist in allen drei Bädern etwa gleich, zwischen 1,4 und 1,5 Millionen. Was lernen wir daraus? Entweder der Bürgermeister baut zirka ein Dutzend Hotels (vorher aber einige Male über „Los“ vorrücken, um die Stadtkasse zu füllen) oder – er enteignet die Klinikeigentümer und wandelt deren Reha-Häuser in Hotels um, damit er auf die von Moldenhauer eindringlich „empfohlene“ Privatgästequote kommt.

Und dann klappt’s auch mit den von den Edertaler Nachbarn unterstellten Gewerbesteuereinnahmen. Da wird’s im sonst tristen November doch beinah schon Weihnachten, freut sich

Euer Ederlurch

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