Weil das Land Druck auf das Finanzgebaren der Kommunen ausübt, steigen die Waldecker Kiga-Preise

Saftige Gebührenerhöhung unumgänglich

Da kann man schon mal verschnupft sein: Die Gebühren, die Eltern für ihre Töchter und Söhne in Waldecker Kindergärten entrichten müssen, steigen drastisch.Foto: Schuldt/Archiv

Waldeck - Waldecker Eltern mit Sprösslingen, die in den Kindergarten gehen, müssen sich auf erheblich höhere Beiträge als bislang einstellen.

Das Parlament verabschiedete am Montagabend im Netzer DGH mit großer Mehrheit die neue Gebührensatzung, die auch die Öffnungszeiten regelt.

Die wichtigsten Bestimmungen:

Die Nachmittagsversorgung von Kindern unter drei Jahren entfällt auf Antrag der Grünen. „Nachmittags ist eine Erzieherin allein mit mindestens sechs Kindern. Das ist pädagogisch nicht zu vertreten“, begründete Jürgen Schanner (Grüne) diesen Schritt. Selbst Kinder ab drei Jahren seien heute nicht zwangsläufig von der Windel entwöhnt, weshalb die Erzieherinnen deutlich höheren pflegerischen Aufwand betreiben müssen. Kinder unter drei Jahren verschärfen das Problem in der Nachmittagsversorgung. Schanner bat allerdings den Magistrat um eine großzügige, unbürokratische Übergangsregelung für Eltern, die aktuell jüngeren Nachwuchs in die Nachmittagsbetreuung geben.

Wer zwei oder mehr Kinder zugleich im Kindergarten hat, zahlt künftig auch für das zweite und dritte Kind Beiträge, allerdings reduzierte im Vergleich zum/zur Erstgeborenen.

Für Eltern, die in ihrem Heimatdorf keinen Kindergarten haben, gibt es auf Betreiben der FDP künftig einen Fahrtkostenzuschuss von 25 Euro pro Monat pro Kind.

Die Grundversorgung erstreckt sich auf die Zeit zwischen 7 und 12.30 Uhr. Die Mittagsversorgung reicht von 12.30 bis 15 Uhr. Die Nachmittagsversorgung läuft von 15 bis 17 Uhr.

Die Grundversorgung für ein Kind unter drei Jahren kostet künftig 156 Euro (fürs zweite Kind 125 Euro), für Kinder ab drei Jahren 104 Euro monatlich (fürs zweite Kind 83, für jedes weitere 62 Euro).

Die Mittagsversorgung für unter Dreijährige schlägt mit 76 Euro zu Buche, für Kinder ab drei Jahren mit 51 Euro.

Die Nachmittagsversorgung liegt bei 55 Euro pro Kind und Monat.

Auch bei Mittags- und Nachmittagsversorgung gelten Ermäßigungen für ein zweites und weitere zugleich in der Einrichtung betreute Kinder der Familie.

Die Stadtverordneten billigten die Satzung gegen die Stimmen der SPD. Die Sozialdemokraten plädierten für eine deutlich geringere Erhöhung der Gebühren, wollten weiterhin den Eltern die Beiträge für zweite und weitere zugleich in den Kindergarten gehende Kinder erlassen und nur zwei Versorgungszeiten einrichten: eine Grundversorgung von 7 bis 15 Uhr und eine Nachmittagsversorgung von 15 bis 17 Uhr. Die Sozialdemokraten fürchten, dass viele Eltern sich die hohen Beiträge nicht leisten können und ihre Kinder später oder nicht in den Kiga schicken.

Mit Blick auf das Defizit von 1 Million Euro jährlich bei den Kindergärten lehnten die übrigen Fraktionen eine geringere Anhebung ab. Gegen nur zwei unterschiedliche Versorgungszeiten sprächen die geringere Flexibilität, die schlechteren Auswahlmöglichkeiten aus Sicht der Eltern.

Aber auch die übrigen Fraktionen kamen nicht mit allen Vorstellungen durch. So lehnte die Mehrheit die Idee der Grünen ab, die Gebühren über die nächsten zwei Jahre in Stufen anzuheben, damit sich die Familien besser darauf einstellen können. Die FWG hätte gerne die Gebühren für die unter Dreijährigen auf einem niedrigeren Niveau als beschlossen angesiedelt.

Das Ende der Fahnenstange für die Gebühren ist mit dem Beschluss nicht erreicht, machte Bürgermeister Jörg Feldmann deutlich. Selbst nach der aktuellen Erhöhung ist der Kindergartenhaushalt nur zu 21 Prozent gedeckt. Auf Landesebene gebe es Überlegungen, 30 Prozent Deckung vorzuschreiben...

Von Matthias Schuldt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare