Das Fenster zum Gestern

Saisonauftakt im Lebendigen Museum in Odershausen mit Schafschur und Pellkartoffeln

Landwirtschaftliche Schmiedearbeiten und kleine Kunstwerke wurden von Lutz Milferstedt (Korbach) und Martin Norkowski aus Basdorf an der Esse und am Amboss  gefertigt. Foto: Senzel

Bad Wildungen-Odershausen. Am Pfingstsonntag starteten nach der Winterpause im Lebendigen Museum Odershausen die monatlichen Aktionstage.

Traditionell stand die Schafschur im Mittelpunkt. Hobby-Schafzüchter Horst Reis war mit seiner Herde aus „Coburger Füchsen“ und „Schwarzköpfen“ gekommen. Sie erhielten von Schäfer Arnim Heller aus Geismar (Frankenberg) ihre Jahresschur und standen im Anschluss wie nackt da. Ob die Tiere wohl noch frieren? Immerhin ist nach dieser Frühjahrsschur die „Schafskälte“ benannt, die Mitte Juni auftritt.

Unter den Besuchern waren viele Urlaubs- und Rehagäste, auch ein Opa mit seiner Enkelin, die noch nie gesehen hatten wie ein Schaf seine Wolle verliert – und was im Anschluss mit ihr anzufangen ist. Im Lebendigen Museum beobachteten sie Spinnen und das Aufwickeln des Wollfadens auf die „Haspel“, von der herunter Knäuel gewickelt werden. Daraus lassen sich schließlich warme Wollsocken, Schals und vieles mehr für den nächsten Winter stricken.

Ebenso interessant war es zu verfolgen, wie aus Flachs nach der Bearbeitung auf dem Hechelstuhl, der Flachsbreche und dem Schwingstock auf dem Webstuhl Leinen entsteht. Außerdem wirkte der Schmied an Esse und Amboss, demonstrierten Stellmacher und Schuhmacher ihre Kunst.

In einem großem Dämpfer kochte das Museumsteam über dem Holzfeuer Pellkartoffeln, serviert mit Odershäuser grüner Soße, deren Kräuter aus dem Bauerngarten stammten.

Das große Kuchenbuffet bereitete die Qual der Wahl unter verschiedenen Blechkuchen, feinen Obst- und Sahnetorten. Die Museumsbesucher, die aus der Badestadt und der ganzen Region nach Odershausen kamen, waren voll des Lobes über die ehrenamtliche Arbeit der Helferinnen und Helfer: ein Fenster zur Vergangenheit mit farbigen, faszinierenden Szenen voller Leben.

Von Werner Senzel

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