Tim McMillan und Rachel Snow aus Australien begeistern in der Wandelhalle

Bad Wildungen: Lieder zum Träumen beim Finale des Gitarrenfestivals der Erlebnisregion Edersee

Fingerartistik: Tim McMillan beim Gitarrenfestival in Bad Wildungen.
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Fingerartistik: Tim McMillan beim Gitarrenfestival in Bad Wildungen.

Das Gitarrenfestival in der Erlebnisregion Edersee klang mit einem Finale in der Bad Wildunger Wandelhalle aus.

Bad Wildungen – Moderne Songs und Instrumentals auf Gitarre und Geige – so hatte das Staatsbad einen Abend des Gitarrenfestivals der Erlebnisregion Edersee angekündigt. Was die rund 100 geneigten Gäste in der Wandelhalle erwartete, war aber ein gern gehörter „Mischmasch“ aus Heavy Metal und Bach.

Fingerathletik vom Feinsten beim Gitarrenfestival in Bad Wildungen

Die Zuhörer erfahren: Der „Heavy-Metal-Bach-Mischmasch gehört nur zu einer Geschichte des Künstlers Tim McMillan. Gemeinsam mit Rachel Snow an der Geige begeistert der Gitarrist das Publikum mit einfühlsamen Stücken. Er nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise nach Island oder Schottland, und bringt seine Gäste mit Anekdoten zum Lachen. Lieder wie „Dawn“ oder „Akureyri Wind Jam“ laden zum Träumen ein, andere zum Tanzen.

McMillan, ein Virtuose an der Akustikgitarre, zeigt Fingerathletik vom Feinsten – sowohl beim Tapping, dem Spiel mit beiden Händen am Gitarrenhals, als auch beim Schlagen auf den Klangkörper. Fast alle Lieder sind Eigenkompositionen, die McMillan gemeinsam mit Rachel Snow an der Geige interpretiert.

Duo aus Australien begeistert mit Spielfreude

Die Spielfreude kommt an, das Publikum quittiert sie immer wieder mit Applaus. Dabei ist es McMillan, der sich gleich zu Beginn auch bei den Organisatoren des Festivals bedankt: „Thank you for having us here tonight.“ Dabei geht er auch auf diese besondere Zeit während Corona ein, die zahlreiche kulturelle Veranstaltungen unmöglich macht. Das australische Duo lässt während seiner 75-minütigen Darbietung den Alltag vergessen.

„Ganz schönes Stück“, hört man geflüstert, bevor der Applaus nach einem sehr gefühlvollen Lied aufbrandet. Dazwischen erzählt McMillan seine Geschichten auf Deutsch und Englisch, oft nutzt er dabei sein Lieblingswort „Dingsbums“ und lobt „the lovely audience“, das zauberhafte Publikum, das an seinen Lippen hängt. Nach dem letzten Lied „Stairway to Heaven“, auch eine Eigenkreation, folgen drei Zugaben, darunter der beeindruckende „Lovers’ Waltz“. Am Ende spenden die Zuschauer stehend Beifall für ein grandioses Konzert. „Da fehlen einem die Worte“, sagt Gereon Schoplick vom Staatsbad sichtlich überwältigt, als er Künstler wie Publikum in die Nacht entlässt.

„Sie spielen nicht nur ihre Musik, sie sind ihre Musik“, zeigt sich auch Zuhörerin Greet van Gulck begeistert, die an diesem Abend das dritte Gitarrenkonzert verfolgt ha. „Wunderschön dargeboten und urwüchsig“, kommentiert Ille Dienst. Die dunklen Töne der Geige passen perfekt zur Gitarre, urteilt die Besucherin. Solch ein Konzert bereite Freude und Genuss. Es sei eine „großartige und mutige Geschichte“, dieses Festival stattfinden zu lassen. „Kultur kommt momentan einfach zu kurz.“ Von Sabine Degenhardt

Tausendsassa der Gitarrenszene beim Festival-Wochenende in Bad Wildungen

Auch Peter Finger, ein Tausendsassa in der Gitarrenszene, stand beim Festival auf der Bühne. Er betreibt das europaweit führende Plattenlabel für Gitarrenmusik, einen Musikverlag und einen Gitarrenladen, ist Gründer der Zeitschrift „Akustik-Gitarre“, kuratiert Festivals und baut Meistergitarren. In Wildungen stand er als Gitarrist und Komponist im Mittelpunkt.

Leise Töne erklangen am Anfang, in reizvoll fremdartig anmutenden Tonkaskaden in der Kirchentonart Lydisch nimmt Finger die Zuhörer mit auf eine faszinierende Klangreise. Bald steigert sich das Ganze, über einer durchlaufenden Basslinie bauen sich Akkorde und Melodiemotive auf. Es scheint, als säßen drei Gitarristen auf der Bühne. Ob abgedämpfte madegassische Rhythmen, amerikanische Fingerstyle-Virtuosität, swingende Walking Bass-Linien oder aber die impressionistische Klangsprachen von Claude Debussy: was Peter Finger hört, saugt er in sich auf und macht etwas ganz Eigenes daraus.

Worksphop, Konzerte und Gitarrenausstellung

Die angekündigten 75 Minuten hat Finger, der sich in großer Spiellaune zeigte und mit launigen Anekdoten unterhält, hoffnungslos überzogen – sehr zur Freude des Publikums, das mit lang anhaltendem Applaus noch Zugaben erklatscht.

Der Abschluss des Festival-Wochenendes gehörte Peter Autschbach, einem der wichtigsten deutschen Jazzgitarristen. Mit sensiblem Gitarrenspiel und Schwelgen in Wohlklängen spielt er sich in die Herzen ein. Auch seine Eigenkompositionen und Klangzaubereien sowie stil- und geschmackvoll arrangierten Interpretationen bekannter Melodien aus Pop, Blues, Jazz oder Bossa Nova überzeugen.

Zwischendurch überrascht er als Sänger mit samtweicher Stimme. Bei der Zugabe verabschiedet er sich in einer nicht ganz ernst gemeinten deutschsprachigen Version des Bossa-Klassikers „Girl from Ipanema“ sowie mit einem Medley aus Stevie Wonders „Sunshine of my Life“ und „Corcovado“ des Bossa-Komponisten Antonio Carlos Jobim. Zum Rahmenprogramm des Finales gehören neben den Konzerten noch ein Workshop mit Peter Autschbach sowie eine Ausstellung von Gitarren aus der Werkstatt von Felix Reuter aus Köln.

Insgesamt zehn Konzerte in Bad Wildungen, Bad Zwesten, Fritzlar und Wabern

Das Gitarrenfestival der Erlebnisregion Edersee mit zehn Konzerten in Bad Wildungen, Bad Zwesten, Fritzlar und Wabern ist zu Ende.

Die Veranstalter, die trotz erschwerter Auflagen und Einschränkungen das Festival gemeinsam schulterten, zogen ein durchweg positives Fazit. „Es ist gut, dass wir das gewagt haben, und dass etwa die Gemeinde Bad Zwesten die ehrenamtlichen Initiativen durch Zurverfügungstellen des Kurhauses unterstützt hat.“, sagte Dr. Stefan Pollmächer von der Alten Pfarrei Niederurff.

„Wir haben gemerkt, dass beim Publikum ein großer Hunger nach dem Live-Erlebnis zu spüren ist“, merkte Veranstaltungsleiter Gereon Schoplick vom Wildunger Stadtmarketing. „Das Erleben solcher Konzerte ist wichtig für die Seele der Menschen.“, bekräftigte auch Marketing-Chefin Ute Kühlewind. red

Lieder zum Träumen: Rachel Snow spielte gefühlvoll Geige.

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