BKW fährt seit März mit Angebot rund 100 000 Euro Verlust ein · Zu viele Mitbewerber tummeln sich

Der Satz mit X gilt für die Holland-Linie

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270 000 Euro hat der barrierefrei ausgestattete Luxusbus gekostet.

Bad Wildungen - Am 4. März startete die stadteigene BKW ihren Linienverkehr zwischen Bad Wildungen und Amsterdam. Rund acht Monate später steht das Projekt vor dem Aus.

Der BKW-Aufsichtsrat befasste sich am Montagabend mit dem heiklen Thema, das diverse Redner im Stadtparlament gelegentlich streiften; zumeist mit ironischem Unterton. In sozialen Netzwerken im Internet kritisierten Kommentatoren das Angebot, gerade auch vor dem Hintergrund, dass Stadt und BKW den Vipers-Mannschafts- und Fanbus nicht länger zur Verfügung stellen. Das neue barrierefreie Luxusgefährt wurde zu einem Preis von 270 000 Euro angeschafft.

Zwei Fahrgäste im Schnitt

Die Bilanz der Amsterdam-Route fällt sehr ernüchternd aus, räumt Bürgermeister Volker Zimmermann ein: „Bei 158 Fahrten hatten wir um die 320 Passagiere.“ Ein Schnitt von etwas mehr als 2 Fahrgästen pro Tour. 16 hätten es pro Fahrt sein müssen, um die Kosten zu decken, hatte BKW-Geschäftsführer André Boos bei der Vorstellung des Projekts im Februar erläutert.

„Rund 100 000 Euro Verlust verzeichnen wir mit der Linie inzwischen“, erklärt er aktuell. „Wir werden die Anbindung an ein größeres Unternehmen versuchen,“ ergänzt der Bürgermeister, „und falls das nicht klappt, stellen wir die Linie ein.“

Beim Start Anfang März waren alle Beteiligten sehr optimistisch gewesen. Das Stadtmarketing beispielsweise hielt die Idee für gut, weil die Kliniken regelmäßig Bedarf ihrer Reha-Patienten an einer Busverbindung Richtung Westen signalisiert hätten, nicht zuletzt, weil das Bahnnetz in diese Himmelsrichtung Schwächen zeigt. Weil Bad Wildungen, Edersee und Waldecker Land sich wachsender Beliebtheit bei holländischen Touristen erfreuen, sahen alle Beteiligten weiteres Potenzial für die neue Linie.

Haben sie alle geirrt? Hat die BKW am Markt und den Kunden vorbei geplant?

Nicht die mangelnde Nachfrage ist laut Geschäftsführer André Boos das Problem, sondern ein plötzlich überbordendes Angebot an Busverbindungen zwischen Kassel hier und Ruhrgebiet wie Rheinland dort. „Wahnsinnig viele Anbieter haben sich darauf gestürzt“, sagt Boos. Das sei nicht abzusehen gewesen, als die BKW ihre Linie ausarbeitete.

Viele neue Akteure seien massiv auf den Plan getreten, als das Busmonopol der Bahn für die Fernstrecken in Deutschland fiel. Manche, wie Aldi, träten inzwischen wieder kürzer, betont Boos.

Kassel-Köln für 1 Euro

Andere große wie die Kombination Post/ADAC oder Flexi-Bus gingen mit Niedrigstpreisen auf Kundenfang. „Wenn Studenten anrufen, um zu fragen, ob noch ein Platz frei ist, bekommen sie den für 1 Euro“, schildert Boos. Das sei eine effektive Marketing-Aktion, wenn das Unternehmen über entsprechende Finanzkräfte verfüge, was für die Großen der Branche gelte. 60 Euro bei der BKW - einfache Fahrt - nehmen sich gegen solche Schnäppchen teuer aus. Da hilft es wenig, dass die Tour im Vergleich zur Schiene günstig bei der BKW zu buchen ist.

Das Unternehmen hat Kontakt zum Regierungspräsidenten aufgenommen, der zuständig ist für die Konzession. Sie läuft erst im April aus. Die BKW braucht eine Erlaubnis, wenn sie die Linie früher einstellen will.

Parallel laufen die Bemühungen zur Zusammenarbeit, beispielsweise mit einem Unternehmen wie Flexibus. Vielleicht fährt der Wildunger Fernlinienbus demnächst daher als Zubringer.

Das Fahrzeug selbst verbleibt unabhängig davon in der BKW-Flotte. „Es ist ein ‚Doppelverdiener‘, der auch als Reisebus fährt. Darauf haben wir bei der Anschaffung geachtet“, betont Boos.

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