Gedenkstein zur Netzer 800-Jahr-Feier 2016 schon enthüllt

Saufeder, Klosterkirche, Eiche und Stern

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Enthüllten den Stein (von links): Siegfried Kein, Karl-Heinz Heck, Gerhard Germann, Uwe Bremmer, Karl-Heinz Schmidt, Horst Grebing, Dr. Gero Hütte von Essen und Friedrich Höhle.

Waldeck-Netze - „Mensch, die fangen aber früh an, mag mancher denken“, räumte der Netzer Ortsvorsteher Uwe Bremmer zum Startschuss des großen Jubiläums ein, denn die 800-Jahr-Feier stehe erst vom 26. bis 29. Mai 2016 an.

„Aber wir wollen dieses Jahr nutzen“, fügte er hinzu, als im Beisein einer großen Schar von Dorfbewohnern der Jubiläums-Gedenkstein enthüllt wurde. „Wir wollen das Jahr nutzen, um mit vielen attraktiven Aktionen etwas für den Ort zu tun und Geld für ein neues Backhaus an der Alten Schule zu sammeln“, unterstrich Bremmer. Das Geld für den Gedenkstein an der Weggabelung steuerten die Jagdgenossen und die Waldinteressenten von Netze bei. In Gestalt von Reliefs finden sich auf dem Monument charakteristische Mosaiksteine der Netzer Geschichte, erläuterte Horst Grebing vom Ortsbeirat. Links neben dem Schriftzug zur Erinnerung an die erste urkundliche Erwähnung des Ortes von 1216 steht die Abbildung einer „Saufeder“, einer speerähnlichen Jagdwaffe, mit der die Netzer vor Erfindung der Feuerwaffen Schwarzwild erlegten. Sie betont die lange Tradition des Waidmannswerkes in Netze. Zwei Eichenblätter symbolisieren den engen Bezug des Ortes zum umgebenden Wald. Die Klosterkirche mit ihrem romanischen Turm ist ebenso abgebildet wie die rund 600 Jahre alte Netzer Eiche. Der achtstrahlige Waldecker Stern komplettiert das Relief auf dem Gedenkstein.

Ein besonderes akustisches Erlebnis hatte Grebing darüber hinaus für das Publikum parat. Eigens zur Enthüllung des Gedenksteines erklang die 1000 Jahre alte Glocke im Kirchturm solo, ohne ihre jüngeren Begleiterinnen. „Sie ist die älteste Dienst tuende Glocke auf dem Gebiet der Landeskirche Kurhessen-Waldeck“, erklärte Grebing. Erster Stadtrat Gerhard Germann überbrachte die Grüße der Stadt Waldeck, auch im Namen des Stadtverordnetenvorstehers Karl-Heinz Schmidt. Germann erinnerte daran, dass der Ort Netze weitaus älter ist als die offiziellen 800 Jahre. Allein der romanische Turm der Kirche, die auf den Ruinen ihrer Vorgängerinnen errichtet wurde, liefert dafür den Beweis. Erste Siedlungsspuren stammen gar aus der Steinzeit. Maßstab für die Jubiläumsfeiern ist aber landauf landab die erste Erwähnung in Urkunden, die zumeist eines bedeutet: Damals wurden die Bewohner schriftlich zu Abgaben an weltliche oder kirchliche Fürsten und Institutionen verpflichtet.

Dr. Gero Hütte von Essen, Leiter des Forstamtes Vöhl, überbrachte ebenfalls Grüße und verglich das Wesen eines Dorfes mit dem des Waldes. Bäume wie Menschen unterschiedlicher Generationen bilden das Ganze und eine Zukunft besäßen Wald wie Dorf nur bei funktionierender Verjüngung: „Das wünsche ich Ihnen für die nächsten 800 Jahre.“

Uwe Bremmer verwies auf weitere Aktionen 2015 zum anstehenden Dorfjubiläum: das Gemeindefest an der Kosterkirche mit dem ersten Open-Air-Konzert des Gitarrenchores „Just for joy“ am 12. Juli oder den altertümlichen Ortsbegang mit Karl Kann im September.

Zunächst feierten die Netzer am Donnerstag ihren neuen Stein, begleitet von den Sachsenhäuser Jagdhordbläsern unter Leitung von Rolf Bernhard und vom MGV Netze mit seiner Dirigentin Ulrike Bartsch. Die Fotografen der Edersee-Lichtblicke dokumentieren dieses Fest und die künftigen Ereignisse. Einen Wermutstropfen im Wein mussten die Netzer bei all dem verkraften. Unbekannte stahlen in der Nacht zum Donnerstag die Fahne mit dem Waldecker Stern, die zum Start der Jubiläums-Aktivitäten am Stein gehisst worden war. Ersatzweise wurde am Feiertag Schwarz-Rot-Gold in die Höhe gezogen.

Von Matthias Schuldt

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