Vortrag bei der Seniorenuniversität

Schätze aus dem deutschen Tapetenmuseum in Wildungen gezeigt

+
Beispiel einer Panoramatapete, einer der Schätze des Tapetenmuseums: „Die Schlacht bei Austerlitz“ einer unbekannten Manufaktur aus dem Jahre 1830, verklebt aus 32 Rollen. Gefunden auf dem Dachboden eines schweizer Sammlers.

„Auf Zimmerreise mit Panoramatapeten des Deutschen Tapetenmuseums“ Kassel war eine Vorlesung der Wildunger Senioren-Uni überschrieben.

Die Leiterin der Einrichtung und Kunsthistorikerin Dr. Astrid Wegner berichtete von der Geschichte des Museums, das 1923 auf Initiative eines Tapetenhändlers als private Einrichtung im Roten Palais am Friedrichsplatz gegründet wurde.

1934 dehnte sich die Ausstellung mit 9000 Exponaten aufs Weiße Palais aus. Beide Gebäude wurden bei einem Bombenangriff zerstört und mit ihnen ein Drittel der Exponate. Nach 1948 befand sich das Museum mit einem Teil er verbliebenen 6000 Objekte im Schloss Wilhelmshöhe. Ab 1976 wurden die Tapeten im Hessischen Landesmuseum gezeigt. Das Tapetenmuseum eines Trägervereins wird inzwischen von der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) betreut.

Mittlerweile zählen etwa 23000 unterschiedliche Wandverkleidungen zum Bestand. Wegen Umbauarbeiten des Landesmuseums ist das Museum seit 2008 geschlossen, Teile der Sammlung werden in wechselnden Sonderausstellungen gezeigt. Ein Neubau für 25 Millionen Euro für das Deutsche Tapetenmuseum soll 2025 auf dem Brüder Grimmplatz eröffnet werden.

„Dann kann endlich diese einmalige wertvolle Sammlung aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden“, und die Besucher könnten die Wohnung der Brüder Grimm im gleichen Haus besuchen, fügte die Referentin hinzu.

Astrid Wegener zeigte eine Reihe von Panoramatapeten auf der Großleinwand und erläuterte deren Geschichte und das aufwendiges Herstellungsverfahren. Um 1800 entstanden die ersten Panoramatapeten-Manufakturen in Frankreich, wo auch die meisten der bunten Papierkunstwerke entstanden. Sie erzählen viele Geschichten von Städtereisen, aus fernen Ländern und von Liebe. Oft beziehen sie sich dabei auf literarische Vorlagen.

Gemusterte Tapeten langsam wieder "in"

Für manche der großen Panoramatapeten wurden bis zu 3000 Holzmodeln und Dutzende von Farben verwendet. So brauchte es vom Entwurf einer Tapete bis zur Marktreife mindestens zwei Jahre. Gedruckt wurden meistens 150 Exemplare von jedem Entwurf. War die Nachfrage groß, folgte Neuauflagen. Besonders viel eigene künstlerische Kreativität setzten die Tapetenmanufakturen meist nicht ein, soncern orientierte sich an Vorlagen.

Die ersten heute üblichen Tapetenrollen wurden um 1700 in England gedruckt. Nach Jahrzehnten, in denen fast ausschließlich weiße Raufasertapeten in deutschen Wohnzimmern verklebt wurden, sind allmählich gemusterte Tapeten wieder „in“, erwähnte die Kunsthistorikern beiläufig.

Sie lud unter herzlichem Beifall am Schluss zum Besuch des Tapetentages am Samstag, 23. November, von 10 bis 18 Uhr ins Hessische Landesmuseum Kassel, Brüder Grimmplatz ein. Dort gibt es Vorträge und Vorführungen sowie eine Tapetendruckwerkstatt für Kinder.  szl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare