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Scharfe Kritik in Bürgerversammlung an Hotelplänen fürs Wildunger Kurhaus-Areal

Lang ist´s her: Seniorentanzrunde im großen Saal. Ein Bild aus besseren Tagen des Kurhauses, als es noch geöffnet war. Foto: Archiv

Bad Wildungen. Als „Skandal und unmöglich an dieser städtebaulich und kulturhistorisch bedeutsamen Stätte“ geißelte Bernd Gehring die Hotelpläne, die bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in der Wandelhalle nochmals vorgestellt wurden.

Er verlangte vor rund 100 Interessierten von den Projektentwicklern, gemeinsam mit ihm Änderungen vorzunehmen. „An der Fassade ja, in der Struktur nicht“, entgegnete Entwickler Michael Quast.

Auf Nachfrage aus dem Publikum räumte Marcus Schlaich vom Hotelbetreiber Brendal ein, dass praktisch kein Hotel übers Jahr zu 100 Prozent ausgelastet sei: „70 Prozent sind ein Spitzenwert, den unsere Häuser schaffen.“ Mit der eigenen Vermarktungsgesellschaft hole man neue Tagungsgäste und Touristen in die Stadt. Die Auslastung der bestehenden Hotels sei nicht von Belang. „Sind sie schlecht ausgelastet, bedeutet das nicht, dass die Nachfrage fehlt“, betonte Quast. Die Auslastung hänge davon ab, ob das Angebot den modernen Anforderungen entspreche. Brendal setze auf eine Mischung aus Hotel und Gastronomie. Das Restaurant mit separatem Eingang und Freiterrasse wird am Platz des heutigen Kurhaus-Rondells gebaut. Zusätzlich zum Hotel entstehen Stadtvillen mit Eigentums-, Mietwohnungen und möblierten Miet-Appartements.

Pfarrer i.R. Gotthelf Eisenbert kritisierte: „Wir sind nicht hier, um etwas abzunicken, sondern um über Alternativen zu beraten.“ Anderenfalls sei die Versammlung eine „Alibi-Veranstaltung vor der Landtagswahl.“ Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal wies den Vorwurf scharf zurück. Die Stadtverordneten hätten 17 Jahre lang versucht eine Lösung zu finden. Schon das Land habe mit dem Kurhaus zu „besten Zeiten“ Verluste geschrieben. 900 000 Euro jährlich waren es zuletzt, weshalb der Wert des Gebäudes bei der Übernahme durch die Stadt mit 0 angesetzt worden sei.

„Wir haben heimische Hoteliers gefragt, ob sie es betreiben wollen. Alle fanden die Säle schön, aber das finanzielle Risiko wollte niemand tragen“, unterstrich Schmal. Die jetzige Entwicklergruppe sei die erste und bislang einzige, die ohne Geld der Stadt die Planungen auf eigene Rechnung voran treibe.

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