Für Branche gilt weiter der Corona-Lockdown

Bad Wildunger Schausteller sucht Ausweg aus existenzbedrohender Krise

Der Wildunger Dennis Ruppert (links) vor seinem Fahrgeschäft „Frisbee“ mit Vater Konni, ,dem Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Kassel/Göttingen.
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Zur Untätigkeit verdammt: Der Wildunger Dennis Ruppert (links) vor seinem Fahrgeschäft „Frisbee“ mit Vater Konni, ,dem Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Kassel/Göttingen. Die beiden schildern die dramatische Situation der Volksfest-Branche.

Am 18. Juli wäre eigentlich Tierschau, als Höhepunkt des Wildunger Viehmarktes, und im „Frisbee“ des Wildunger Schaustellers Dennis Ruppert sollten die Gäste johlen vor Vergnügen. Doch zusammengeklappt verharrt das Fahrgeschäft seit Monaten auf dem Hof des Familienunternehmens im Industriegebiet.

Für die gesamte Branche, deren Leben und Überleben an Volksfesten hängt, gilt weiter der Corona-Lockdown. „Während die Fußgängerzonen voll sind und sogar Freizeitparks öffnen dürfen, traut man uns Schaustellern keine Hygienekonzepte zu. Dieses Berufsverbot macht uns wütend“, sagt Ruppert. Denn die staatlichen Hilfen reichten nicht, um die Existenz zu sichern. Nach dem Aufsehen erregenden Protestzug der Traditionsbranche kürzlich durch Berlin wollen die nordhessischen Schausteller beweisen, dass Volksfeste unter Corona-Bedingungen möglich sind.

Ab 21. August planen sie daher auf dem Festgelände am großen Kreisel in Kassel für sechs bis zehn Wochen einen „temporären Freizeitpark“. „Die Gespräche mit der Stadt Kassel laufen. Wir haben ein Hygienekonzept erstellt“, erklärt Konni Ruppert, Senior der Wildunger Schaustellerfamilie und seit Jahren Vorsitzender des Schaustellerverbandes Kassel/Göttingen. Bei Schloss Neuhaus drehten sich aktuell die Fahrgeschäfte der Kollegen aus dem Paderborner Raum auf so einer Veranstaltung. In Wiesbaden wird ein derartiger „Pop up-Vergnügungspark“ vom 17. Juli bis 16. August aufgebaut.

Mit den frühen Absagen von Münchener Wiesn und Cannstatter Wasen hätten Bayern und Baden-Württemberg deutschlandweit auch kleineren Volksfesten im Sommer 2020 den Weg verstellt, ist Konni Ruppert überzeugt: „Eine Lockerung für kleinere Feste war politisch nicht mehr durchsetzbar.“ Doch seien Massenveranstaltungen mit Alkoholparty-Schwerpunkt in Festzelten, also in geschlossenen Räumen, nicht mit einem Ereignis wie dem Wildunger Viehmarkt vergleichbar, unterstreicht Sohn Dennis: „Biergärten hätten die Zelte ersetzen können. Mir ist kein Corona-Ausbruch bekannt von Festen unter freiem Himmel und bei Hygieneregeln.“

Mit noch weniger Verständnis blickt er, angesichts der strengen deutschen Erlasse, etwa zum französischen Straßburg, wo ein Volksfest lief, als habe es Corona nie gegeben: Menschengedrängel ohne Maskenpflicht oder andere Regeln.

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