Bad Wildungen

Schicksal selbst in die Hand nehmen

- Bad Wildungen (r). Die Selbsthilfegruppe „Aphasie“ für Menschen mit Sprachstörungen nach Hirnschädigung stellte sich bei einem Tag der offenen Tür der Bevölkerung vor.

Vor zwei Jahren wurde in Bad Wildungen auf Initiative der Logopädin Oriel Feder und ihrer Kollegin Antje Wagner eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Sprachstörungen nach Hirnschädigung gegründet. Sie wird in der Fachsprache „Aphasie“ genannt und kann nach einem akuten Schlaganfall auftreten. In der Neurologischen Klinik Westend informierte die Selbsthilfegruppe bei einem Tag der offenen Tür über ihre Erkrankung und zeigte per- sönliche Bewältigungsstrategien auf. Dazu hatten die Betroffenen Informationsstände vorbereitet, in denen sie eigene handwerkliche Arbeiten vorstellten und über Therapieerfolge informierten. Als einer der Betroffenen stellte sich Anton Senzig aus Meineringhausen vor. Der 64-Jährige erlitt vor 14 Jahren überraschend einen schweren Schlaganfall. Dadurch musste der Rundfunk- und Fernsehtechniker seinen Beruf aufgeben. Er war seither auf den Rollstuhl angewiesen, konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen und sich nur durch einzelne Worte verständigen. Inzwischen hat der Schwerstbehinderte, der in Begleitung seiner Ehefrau zu dem Treffen gekommen war, die Aquarellmalerei für sich entdeckt. Die Grundschritte erlernte er während eines Reha-Aufenthaltes in der Klinik Westend. Dazu musste er zunächst die ungeübte linke Hand trainieren, mit der er heute die feinen Pinselstriche ausführt. Heute ist Anton Senzig überzeugt, in der Malerei eine Herausforderung gefunden zu haben, die ihm bei der Bewältigung seines Schicksals hilft und in der er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Auch andere Teilnehmer erstaunten mit ihrem Können. So waren am Stand von Karl Heideloff aufwendige Modellbauten historischer Schiffe zu bestaunen, die ebenfalls nach Lähmung der rechten Körperhälfte nur mit der linken Hand entstanden. Abgerundet wurde der Nachmittag durch ein Kaffee- und Kuchenbüfett, bei dem Betroffene und Besucher ins Gespräch kamen. Unter den Gästen war auch der Vorsitzende des Aphasie-Landesverbandes Hessen, Helmut Müller. Er hob die Bedeutung der Selbsthilfe hervor. Allein für das Störungsbild der Aphasie sind auf Bundesebene 250 Selbsthilfegruppen aktiv.Kontakt: Logopädin Oriel Feder, Klinik Westend, Tel. 05621/794-308. Treffen: jeden ersten Freitag im Monat um 15 im Festsaal der Klinik Westend. Betroffene und Angehörige, die sich noch keiner Selbsthilfe angeschlossen haben, sind herzlich willkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare