Trigema-Chef Grupp plaudert beim Sommerfest der Edertaler Gewerbetreibenden

Schlagfertig und kompromisslos

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Beeindruckend: Die Fakir- und Feuershow von Rainer Krippner zog die Zuschauer in ihren Bann.

Edertal-Hemfurth/Edersee - Zum ersten Mal fand das Sommerfest der Interessengemeinschaft Edertaler Gewerbetreibender (IEG) am Fuß der Edertalsperre statt. Vorsitzender Torsten Zimmer würdigte das „besondere Ambiente“ an einem historischen Industriestandort.

Zimmer begrüßte 180 geladene Gäste sowie als Ehrengast Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp, der mit seinem Hubschrauber eingeflogen war.

Gern stellt sich der Unternehmer den Fragen von Moderator Thomas Korte, wirkt schnell aber wie ein Alleinunterhalter. Mit zehn Jahren wurde Wolfgang Grupp von seinen Eltern in das Internat St. Blasien im Südschwarzwald gesteckt. „Ich hatte Heimweh bis zum Abitur“, gibt Grupp ehrlich zu. Es sei eine schlimme Zeit für ihn gewesen, „aber auch eine positive“. Selbstständigkeit sei er immer gewohnt gewesen.

Nach seinem Wirtschaftsstudium habe er den elterlichen Betrieb, der von seinem Großvater 1919 als „Tricotwaren Mayer“ gegründet wurde, im Jahr 1969 mit 10 Millionen Mark Schulden übernommen. In nur sechs Jahren habe er die Bankschulden zurückgezahlt und das Unternehmen damit saniert, blickt Grupp zurück.

Schlagfertig antwortet der „sparsame Schwabe“, auf die Kritik von anderen Unternehmen angesprochen, er sei mit seiner Firmenführung nicht up to date: „Lieber altmodisch und gesund als neumodisch und krank.“ Dafür und für so manch anderen Kommentar bekommt er von den Zuhörern spontan Applaus.

Für seine klaren Worte und die Forderung nach Haftung der Entscheidungsführer in der Wirtschaft erntet er die Anerkennung der Edertaler Gewerbetreibenden. In seinen Augen hat er ein „kleines Lädchen“, mit dem er seine Frau und die Kinder ernährt. Auf die Frage, wie das neue, 45. Testgeschäft in Lieschensruh angelaufen sei, erklärt Grupp: „Wir müssen auf jeden Fall Tüten nachliefern.“ Auch die Zeit von November bis März, in der sich nur wenige Touristen ins Edertal verirren werden, wird er überstehen, da ist er sich sicher. Denn „wenn wir gebaut haben, schließen wir definitiv nicht“.

Thomas Korte erzählt von seinem ersten Besuch im Trigema-Geschäft, bei „gefühlten 30 Grad“. Nur ein Ventilator an der Decke sorgte für etwas Abkühlung. „Gehen Sie so wenig auf die Bedürfnisse Ihrer Beschäftigten ein?“, will der Moderator wissen. Dem Unternehmer, der nichts von Klimaanlagen hält, fällt dazu ein Erlebnis mit seiner Frau ein, kurz nach dem er sie kennengelernt hatte. Sie stieg zu ihm ins Auto und fragte: „Herr Grupp, haben Sie denn keine Klimaanlage?“ Da antwortete er: „Disziplinierte Männer schwitzen nicht.“

In die Politik zu gehen, ist für den rhetorisch brillanten Schwaben nicht denkbar. „Demokratie gäbe es mit mir nicht. Ich sage nur, was ich denke, umsetzen müssen es die anderen.“

Dass er mit 70 immer noch so voller Kraft sei, erklärt Grupp mit den Worten: „Ich war lange Junggeselle. Da bin ich geschont.“ Und dann kommt er zum Abschluss auf seine beiden Kinder, die er auch beide mit zehn Jahren auf ein Internat schickte, zu sprechen. „Meine Kinder sind programmiert.“ Nach seiner Meinung muss der Sohn das Wirken des Vaters fortsetzen und die Tochter in die Fußstapfen der Mutter treten. „Habe ich das nicht erreicht, habe ich als Vater versagt“, ist sich Wolfgang Grupp sehr sicher.

Mit den Edertalern ins Gespräch kam der Schwabe nicht. Er nahm das Geschenk von Torsten Zimmer, ein Bild seines neuen Testgeschäfts, freudig entgegen, ließ es von seiner Begleitung tragen und entschwebte schon wieder mit seinem Helikopter aus dem Edertal.

Die Gäste genossen, ganz unter sich, einen kleinen Imbiss und konnten dann bei der Fakir- und Feuershow von Rainer Krippner nur staunen, als es zu fetziger Musik „Feuer frei“ hieß.

(von Sabine Degenhardt)

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