Sozialplan als Interessenausgleich vereinbart

Schließung der Bad Wildunger SB-Union zum Aprilende kostet 24 Jobs

Der SB-Union-Großmarkt in Altwildungen.
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Schließt Ende April: der SB-Union-Großmarkt in Altwildungen.

Der Wildunger SB-Union-Großmarkt schließt zum Aprilende 2021. Damit gehen 24 Arbeitsplätze in Voll- oder Teilzeit verloren.

  • Der Wildunger SB-Union-Großmarkt schließt zum Aprilende 2021, womit 24 Arbeitsplätze verloren gehen
  • Grund sind laut Geschäftsführung des Edeka-Hessenrings notwendige Investitionen von 3 Millionen Euro für einen Weiterbetrieb der Wildunger SB-Union über 20 Jahre, die sich aber nicht rechnen
  • Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat haben für die Belegschaft der Wildunger SB-Union einen Sozialplan vereinbart

Bad Wildungen – Die Geschäftsführung der Muttergesellschaft Edeka-Hessenring und der SB-Union-Gesamtbetriebsrat haben einen Sozialplan, einen sogenannten Interessenausgleich ausgehandelt. 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten die Kündigung und eine Abfindung, erläutert Hans-Richard Schneeweiß, Geschäftsführer der Edeka-Hessenring.

Eine Kraft habe selbst zugunsten eines neuen Arbeitsplatzes gekündigt. Die befristeten Verträge von vier Mitarbeitenden würden nicht verlängert. Zwei Versetzungen an andere Standorte seien fest verabredet. Der einzige Auszubildende wechsele ebenfalls zu einer anderen Tochtergesellschaft.

Interne Stellenausschreibungen der Edeka-Hessenring werden zuerst in Bad Wildungen ausgehangen

Sowohl Voll- als auch Teilzeitkräfte, sowohl Fachkräfte als auch Quereinsteiger trifft „die Hiobsbotschaft“, wie Betriebsratsvorsitzender Herbert Achenbach die Entscheidung beschreibt. „Abwenden konnten wir sie als Betriebsrat nicht, nur abmildern“, kommentiert er das Verhandlungsergebnis. Die Zahlen zur Wirtschaftlichkeit hätten das gezeigt.

Der Edeka-Hessenring hänge seine internen Stellenausschreibungen zuerst in Bad Wildungen aus, habe man außerdem vereinbart. Die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt präsentiert sich im Handel aktuell schwieriger als in anderen Branchen, schildert Rainer Kesper, Chef des Geschäftsstellenverbundes Schwalm-Eder der Arbeitsagentur auf Nachfrage. Corona stelle die Hauptursache dafür dar. Die Erfolgsaussichten bei der Suche nach einem neuen Job hingen mit ab von Alter, Mobilität und Qualifikation.

Schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt im Segment Handel/Verkauf

Die Zahlen der Behörde bestätigen seine Einschätzung. 224 freie Stellen waren in den zwei Kreisen für September im Handel/Verkauf gemeldet; genau ein Jahr zuvor belief sich dieser Wert auf 271. Dem stehen 689 arbeitslos gemeldete Personen im September 2020 gegenüber; im Vergleich zu 527 aus dem September 2019.

Die Altersstruktur der Belegschaft sei bunt gemischt, hört man aus Kreisen der Beschäftigten im Wildunger SB-Union-Markt. Der dienstälteste Mitarbeiter bringt es auf 23 Jahre Betriebszugehörigkeit. Nach Angaben von Achenbach bestand der Altwildunger SB-Union-Markt seit rund 40 Jahren an dieser Stelle.

Auch SB-Union-Großmärkte in Thüringen schließen

Die Wildunger teilen ihr Schicksal mit Kolleginnen und Kollegen an zwei Standorten der SB-Union in Thüringen: in Leimbach bei Bad Salzungen und in Sondershausen. Dort sind nach Angaben von Herbert Achenbach im einen Fall 26 Personen und im anderen 16 vom Betriebsende betroffen. Im Verhältnis seien vergleichbar viele Kündigungen ausgesprochen worden wie in Bad Wildungen.

Diese Quote habe auch dazu geführt, dass die SB-Union bei der Arbeitsagentur eine Massenentlassung anzeigen musste. Dies zieht die gesetzliche Verpflichtung für das Aufstellen eines Sozialplans, eines Interessenausgleichs, nach sich.

Die Schließung in Bad Wildungen zeitigt auch Folgen für die Gastronomiebetriebe der Region, die den Abholmarkt regelmäßig anfahren. Entweder steigen sie komplett auf Lieferservice um, den etwa die SB-Union von Kassel und Fritzlar aus weiterbetreibt, oder sie wählen Alternativen. „Die SB-Union unterhält die nächst gelegenen Abholmärkte in Kassel und Cölbe bei Marburg“, sagt Hans-Richard Schneeweiß.

Gewerkschaft ver.di kritisiert Schließung des SB-Union-Marktes Bad Wildungen

„Drei Millionen Euro müssten wir ins Wildunger Gebäude investieren, um es für die nächsten 20 Jahre fit zu machen“, sagt Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß von Edeka-Hessenring. Manuel L. Sauer von der Gewerkschaft ver.di kritisiert das als „Anordnung eines Investitionsstaus“. Denn gerade Bad Wildungen sei ein guter Markt für das Abholgeschäft angesichts vieler Gastronomen und Hotelbesitzer im Landkreis.

Schneeweiß weist diesen Vorwurf scharf zurück. Die Investitionen gingen auf neue Vorgaben zurück, etwa zur Kühltechnik. Bei der kleinsten baulichen Veränderung griffen weitere, in den letzten Jahren erlassene neue Vorschriften. Angesichts der geringen Fläche von 1600 Quadratmetern des SB-Union-Marktes Bad Wildungen ließen sich diese Investitionen in der Zukunft nicht mehr hereinholen. „Inzwischen liegen solche Märkte üblicherweise bei 4000 Quadratmetern“, ergänzt der Geschäftsführer.

Aufstieg der Systemgastronomie setzte SB-Union-Markt Bad Wildungen verschärfter Konkurrenz aus

Der Markt habe sich in den letzten Jahrzehnten verändert, etwa durch das Anwachsen von „Systemgastronomie“, wie den Burger-Ketten, die ihr eigenes Liefernetz unterhalten. Betriebsratsvorsitzender Herbert Achenbach bestätigt: „Die Konkurrenz ist größer geworden.“ Einen Instandhaltungsrückstau erkennt auch er nicht, denn es sei immer wieder Geld in den Betrieb geflossen.

Der Markt steht in Zukunft leer. „Wir sichern den Bau. Pläne für Gebäude oder Grundstück haben wir noch nicht“, sagt Schneeweiß.(Matthias Schuldt)

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