Altwildungen

Schloss, Spanndienste und Schnadezüge

- Bad Wildungen-Altwildungen (jm). Mit Rückblick, nostalgischen Fotos, Anekdoten und Schnurren sowie vielen Gästen feierte der Bürgerverein Altwildungen (über 200 Mitglieder) im Bürgerhaus seinen 50. Geburtstag.

Der Saal war geschmückt mit den historischen Fahnen von Ahlenstädter Schützen, Sportlern, Sängern und Kirmesburschen, draußen brieten Bratwürste und Schepperlinge. Im blauen Waldecker Kittel und mit der Altwildunger Ortsschelle eröffnete Vorsitzender Karl-August Mangel (seit 1986) den Jubiläumsabend. Mangel begrüßte älteste und verdiente Vereinsmitglieder wie Luise Lorenz und Karl Gust, den langjährigen „Schellenmann“ Gerd Karges sowie Vertreter der befreundeten Bürgervereine Reitzenhagen und Reinhardshausen. Und gleich drei Wildunger Bürgermeister, die ehemaligen Stadtoberhäupter Dr. Albrecht Lückhoff und Reinhard Grieneisen sowie den amtierenden Rathauschef Volker Zimmermann. Große Wünsche Dekoration war ein Aktenschrank aus dem letzten Altwildunger Rathaus in der Schlossstraße, wo später lange der Kindergarten untergebracht war. Trotz energischer Proteste war die über Jahrhunderte selbstständige Stadt Altwildungen (Stadtrechte seit 1350) im Kriegsjahr 1940 mit dem großen Bruder Wildungen zwangsvereinigt worden und hieß zum Verdruss der selbstbewussten Ahlenstädter „Bad Wildungen-Nord“. Der Groll saß tief und lange, heute ist das in den letzten Jahrzehnten stark gewachsene Altwildungen der größte Bad Wildunger Stadtteil. Der Bürgerverein fungiert wie ein Ortsbeirat. Zweite Vorsitzende Elke Nicoleit ließ die ersten 25 Vereinsjahre Revue passieren. Damals standen im Blickpunkt Initiativen wie „Rettet Schloss Friedrichstein“ oder die Erfüllung von, so Nicoleit, „zwei großen Wünschen“. Es waren die Erhaltung des Kumps (Friedrich-Ebert-Straße) und der Schwedenschanze an Busemanns Köppel als Aussichtspunkt. Die Schnadezüge lebten wieder auf, der erste in 1974 marschierte los anlässlich der zweihundertsten Wiederkehr der Grenzziehung in Altwildungen. 1979 begingen die Altwildunger im Rahmen einer Festwoche das 200-jährige Bestehen ihrer Philip-Nicolai-Kirche. Bürgervereinsvorsitzender Mangel untermalte das zweite Vierteljahrhundert mit einer Fotoschau: „Ein Verein ist nichts wert, wenn nicht alle an einem Strang ziehen.“ In den 80er-Jahren sorgte die „einfache Stadterneuerung“ insbesondere im historischen Kern in der Schlossstraße für aufpoliertes Fachwerk. Ein unerwarteter Erfolg bei der Wildunger 750-Jahr-Feier in 1992 war das Theaterstück des Altwildunger Bürgervereins: „Das Wasser läuft und andere Geschichten von Schloss Friedrichstein“. Der aufwendig gestaltete Festzugwagen mit dem Motiv des großen Altwildunger Brandes von 1763 rollte später sogar im Hessentagsfestzug von 1992 mit. Ständchen der Chöre 1991 wurde das Altwildunger Bürgerhaus eingeweiht, zu diesem Projekt steuerte der Verein viel Eigenleistungen bei, damals genannt „Hand- und Spanndienste“. 1993 führte der nach den Worten Mangels „wohl größte und schönste Schnadezug“ in die Gemarkung von Albertshausen, wo der Ursprung der Altwildunger Wasserversorgung von 1902 bis 1965 zu finden war. Eine Mammutaufgabe war 2004 der Umbau des etwas heruntergekommenen Friedhofs in einen parkähnlichen Zustand. Im Landesgartenschaujahr 2006 war insbesondere die sogenannte Wasserkunst Thema des mit viel Liebe und Sorgfalt in Szene gesetzten Altwildunger Beitrags. Aktuell läuft die Sanierung des Backhauses. Bilder von zahlreichen „Festen unter den Linden“ oder von zumeist lustigen Vereinsbeiträgen in Kirmesfestzügen riefen Erinnerungen wach, nicht zuletzt an unvergessene, inzwischen verstorbene Mitbürger. Die Feierstunde untermalten der Frauensingkreis sowie die Liedertafel Altwildungen. Beide Chöre dirigierte Sabine Draude. Die Sänger stimmten das bekannte Kirchenlied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ an, das von Philip Nicolai stammt, dem Namensgeber der Altwildunger Kirche.

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