Edertaler Gewerbeschau und Michaelismarkt ließen zu keiner Zeit Langeweile aufkommen

Schlümpfe machen viel Spaß beim Michaelis-Festzug

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Edertal - Bunt, abwechslungsreich, interessant und originell wie aktuell: Langeweile kam bei der Kombination Gewerbeschau/Michaelismarkt am Wochenende zu keiner Zeit auf.

Höhepunkt war am Sonntag der große Festzug. Hunderte Schaulustige standen dicht an dicht Spalier für den bunten Lindwurm mit zwölf Motiven (Wagen, Fußgruppen) und mehreren Kapellen. „ZZF-Partei: Ziegen wählen“, mit diesem zündenden Slogan reihten sich die Ziegenzuchtfreunde Bergheim ein in den Reigen der aktuellen heißen Wahlkampfphase: „Die Maut wird hier nicht siegen, wir reiten auf den Ziegen.“ Königshagen präsentierte eine lustige Schar Schlümpfe, die Dorfgemeinschaft warb für den Weihnachtsmarkt am 1. Advent. Mit „kessen Bienen“ war der Mehlener Körnchenclub mit von der Partie. Auf die „Church Night“ am 2. November machte die evangelische Kirchengemeinde aufmerksam. Mädchen und Jungen der Kinderkirche waren mit lustigen Kochmützen ausstaffiert. Pfarrerin Palisaar: „Sie sind das Salz in der Suppe unserer Kirchengemeinde.“ Erstmals beteiligte sich Bringhausen an einem Michaelismarkt-Festzug. Die Bringhäuser gaben einen Vorgeschmack auf das 100-jährige Dorfjubiläum am 19. Juli 2014 am Edersee mit Bringhäuser Mäusespeck und Feuerspektakel.Mit in Feuerwehrautos umgewandelte Umzugkartons setzte sich die Edertaler Jugendfeuerwehr in Szene. Mehrere Vereine aus Hemfurth-Edersee erinnerten an ihren Veranstaltungshit „Badewannenrennen“ mit Blick auf das große Jubiläumsjahr 2014 am Edersee.„Auf geht`s zum Sport ihr Leut! Früher und heute“, dies war beim Bergheimer Sportverein das Motto. Die von Telefonproblemen geplagte Wellener Straße in Bergheim witzelte über Altbewährtes bei neuen Telefontechniken mit Trommeln und Büchsen. Sogar das „Frühstückstreffen für Frauen“ war mit dabei, die Frauen luden zu ihrem nächsten Treffen am 5. Oktober, 9 Uhr, in die Bad Wildunger Wandelhalle ein. Bei dem Prämierungswettbewerb zum Umzug ging der Publikumssieg an die Königshagener Schlümpfe, der Lohn war Bargeld in Höhe von 120 Euro. Auf den weiteren Plätzen die Bergheimer Ziegenzuchtfreunde, die Jugendfeuerwehr und mit dem Sonderpreis für die jüngsten Teilnehmer die „Church Night“ der Kirchengemeinde.

Rund 60 Aussteller aus Edertal, Bad Wildungen, Fritzlar und weiteren Orten der Region präsentierten die Vielfalt des heimischen Gewerbes bei der großen Leistungsschau. „Die wirtschaftliche Lage ist gut“, stellte Thorsten Zimmer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edertaler Gewerbetreibender (IEG) zur Eröffnung fest. Die Wirtschaft der Region sei gut aus der Finanzkrise herausgekommen, die Baubranche beispielsweise brumme. Von den Problemen dürfe man sich trotzdem nicht ablenken lassen: Fehlende Infrastruktur – speziell der noch immer mangelnde Ausbau schneller, leistungsfähiger Datenleitung in der Fläche – sei ein wichtiges Thema. Das andere besteht in der Suche nach qualifizierten Fachkräften. „So dient die Gewerbeschau nicht nur dazu, Kontakt zum Endkunden aufzunehmen, sondern sich als Unternehmen auch für mögliche Arbeitskräfte als attraktiv zu präsentieren“, brachte es der IEG-Vorsitzende auf den Punkt. Die Vorzüge der Region herausstreichen, die Vorteile des Lebens auf dem Land vermarkten. Wie wichtig das ist, betonten unter anderen Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke bei einer Gesprächsrunde und einem anschließenden Rundgang über das Gelände und durchs Zelt. Dass an engerer Zusammenarbeit kein Weg vorbeiführt, sagte Bad Wildungens Erster Stadtrat Bart van der Meer. Dem stimmte Edertals Bürgermeister Klaus Gier zwar zu, betonte zugleich aber auch, „dass ich als Bürgermeister natürlich die Interessen der Gemeinde Edertal im Auge behalten muss.“ Außerdem strich er heraus, dass der Tourismus für die Gemeinde zwar wichtig, aber nicht der einzige Wirtschaftsfaktor sei, der zähle. Die vielen gewerblichen, mittelständischen Unternehmen zu fördern, sei von großem Wert, „denn wie schnell große Gewerbesteuerzahler einem plötzlich wegbrechen können, haben wir gerade erlebt“, fügte er mit Blick auf E.ON hinzu. Wie um diese Worte zu bestätigen, glänzte die Gewerbeschau durch Vielfalt und Regionalität. Spannende Informationen gab es für die Besucher, etwa bei Schädlingsbekämpfer Björn Nöchel. Wer das Gefühl hat, die Wespen nerven in diesem Jahr besonders, der liegt richtig. „Im vorigen Jahr hatte ich keine zehn Einsätze, dieses Jahr sind es bereits zwischen 70 und 100. Ich habe nicht mitgezählt“, berichtet er. Die Nachfrage nach seinem Gewerbe steige, weil verbraucherübliche Gifte gegen Insekten oder Nager nicht mehr wirken. Sie sind vielfach resistent. Selbst mit dem Spaten auf die Jagd nach einer Ratte zu gehen, wie es früher üblich war, wagten die meisten Leute heutzutage nicht mehr. Gesellschaftliche Änderungen spiegelten sich wenige Meter weiter in einer ganz anderen Branche ebenfalls nieder. Eva-Maria Köhler aus Fritzlar stellte zum dritten Mal Nähmaschinen und weiteres Zubehör aus. „Das Interesse gerade bei jungen Leuten steigt rapide“, erklärt sie. Hobby Nähen im Kommen Früher wurde genäht, weil es nötig war, um zu stopfen, zu flicken, die Kleidung zu erhalten. Heute dient die Nähmaschine dazu, sich selbst zu verwirklichen und Stücke zu schaffen, die einzigartig und nicht von der Stange sind. Solche Details und vieles mehr waren der Inhalt der ungezählten Gespräche an den Ständen der Aussteller. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm komplettierte das Angebot. Beim Torwandschießen um ein neues Auto gab es bis Redaktionsschluss zwar keinen, der alle sechs Versuche im Ziel unterbrachte, aber am Samstag lag die Bestmarke immerhin bei vier Treffern. Klaus Fischer trat am Sonntag außer Konkurrenz an und bewies Ballgefühl wie eh und je. Heiß begehrt waren die Hubschrauber-Rundflüge von acht bis zehn Minuten und auch die Feuerwehr bei ihrer Vorführung oder die Schlepperfreunde von der „Schwarzen Wolke“ freuten sich über das Interesse der Gäste.Währenddessen herrschte auf dem Festplatz beim zweitägigen Bunten Markt, Fahrgeschäften und bei jeder Menge kulinarischen Genüssen ebenfalls beste Stimmung.

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(su)/(jm)

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