Malermeister Heinrich Schmidt fühlt sich seit 51 Jahren fühlt pudelwohl am Edersee

Zum 85. schnallt er sich die Inliner an - Video

Edersee - Der Edersee hat ihn jung und fit gehalten: An seinem 85. Geburtstag schnallt sich Heinrich Schmidt noch einmal seine Inliner an und kurvt am Ufer entlang. Aber nicht nur das: Mit dem Schalk im Nacken probiert er waghalsige Techniken aus und freut sich spitzbübisch, wenn sie gelingen.

„Wenn man sein ganzes Leben Sport treibt, verlernt man das nicht“, ruft der 85-Jährige Schaulustigen über die Straßenseite zu und stoppt elegant. „Diese Bremstechniken hat mir mein Eishockeytrainer beigebracht.“

In Kassel ausgewachsen hat Schmidt eine Malerlehre absolviert, seinen Meistertitel erworben und drei Semester Kunst studiert. Die Malerei ist sein Steckenpferd. „Davon habe noch schöne Aktzeichnungen.“ Das Studium beendet er nicht, weil er das Malergeschäft seines Großvaters übernimmt.

Und dabei wollte er eigentlich Förster werden. Aber dann entdeckt er als Angler den Edersee und verliert sein Herz an die Region. „Ich habe die wunderbare Landschaft gesehen und gedacht - hier kann ich wie ein Förster in der Natur leben.“ 1963 zieht er mit seiner Familie an den Rehbach. Am Edersee fühlt sich Schmidt seit 51 Jahren pudelwohl. Hier lebt er seine Leidenschaft für Natur und Sport aus. Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen See an kalten Wintertagen, im Sommer Aktivitäten am Wasser und zwischendurch Volleyball und Tennis.

Auf der Ederseerandstraße trainiert der passionierte Inline-­Fahrer jahrelang für Wettbewerbe. An etlichen Marathons hat er teilgenommen, bei den meisten war er im Rentenalter. 125 Urkunden nennt er sein Eigen. „In meiner Altersklasse habe ich meist gewonnen“, blickt er stolz zurück. „Meine Bestzeit war eine Stunde, 34 Minuten bei den deutschen Meisterschaften.“ Sogar bei Europa- und Weltmeisterschaften ist er am Start.

Seinen letzten Wettkampf bestreitet er in Berlin, damals über 80 Jahre jung. „Da hatte ich eine Superzeit hingelegt“, wirft er ein. Der Edertaler schwört auf beste Materialien. „Wenn Vettel mit dem Red Bull rast, hat auch kein einfaches Auto eine Chance.“

Rund um den Edersee fällt der Mann mit dem weißen Waschbärbart auf, wenn er plötzlich in einer Kurve auftaucht und ausholt zum Schwung für die nächste Gerade. Dabei hat er nicht nur Bestzeiten, sondern auch die Tierwelt im Blick. „Ich habe so vielen Amphibien schon das Leben gerettet.“ Frösche, Molche und gelegentlich auch Feuersalamander sammelt er von der Straße auf und setzt sie in den Wald. Neben gezielter Bewegung legt der Rehbacher Wert auf die Ernährung. „Ich kann gern Tipps geben, wie man sich gesund ernährt und über 80 wird“, sagt er augenzwinkernd. Bis vor einem Jahr hat er regelmäßig Inliner gefahren. „Das ist gesund und schont die Gelenke.“ Inzwischen ist er aufs Fahrrad umgestiegen.

Zum 85. Geburtstag erfüllt sich der vitale Ruheständler einen Wunsch und schnallt sich die Inliner an zu einer Tour am Windschnittig gleitet er über den Radweg und führt Kunststückchen vor - Sprints, bremsen, fahren mit einem Bein. „Das ist schwer“, lacht das betagte Geburtstagskind. Seine Lieblingsfigur ist der „Bückling“ - abtauchen in die Hocke und dann mit ausgebreiteten Armen aus sich herauswachsen. Da lacht auch Sohn Martin, der seinen Vater zum Geburtstag an den See begleitet.

Spaß hat der 85-Jährige auf den neongelben Rollen, die Techniken haben geklappt. Zufrieden kehrt er heim in den Familienkreis, denn seine Gäste warten. Ehefrau Ingrid, zwei Söhne und eine Tochter mit Familien gratulieren dem Geburtstagskind, und Bürgermeister Klaus Gier, der mit einem Sohn die Schulbank drückte, überbringt Wünsche zum Wiegenfest.

Nach dem Kaffeetrinken wird es auch ohne Sport nicht langweilig. „Wir spielen Mensch ärger dich nicht“, freut sich der Senior. Seine Inliner will der Rehbacher aber noch lange nicht an den Nagel hängen. Von Conny Höhne

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