Nach 22 Stunden das Ziel in Mandern erreicht

100-Kilometer-Spendenmarsch: Feuerwehrsportler in Uniform von Wega bis Kassel und zurück

Vor dem Start: Die Feuerwehrsportler mit Crew und den Kameraden der Wegaer Feuerwehr.
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Vor dem Start: Die Feuerwehrsportler kurz vor dem Aufbruch auf die 100-Kilometer-Strecke mit Crew und den Kameraden der Wegaer Feuerwehr.

100 Kilometer in 24 Stunden in Feuerwehruniform und mit Atemschutzflaschen auf den Rücken – dieses ehrgeizige Ziel haben sich die Edertaler Yannik und Jochen Drüen für einen außergewöhnlichen Spendenmarsch gesetzt.

Aber sie sind schneller als die Feuerwehr. Um zwei Stunden unterbieten sie ihr Limit und legen kurz vor dem Ziel eine längere Pause ein, um das Empfangskomitee nicht allzu zeitig am Morgen aus dem Schlaf zu reißen.

Am Samstag um 9 Uhr startet das Vater-Sohn-Duo aus Kleinern. Jochen (49) und Yannik (24) gehen den Gewaltmarsch gemeinsam mit Freunden der Feuerwehr Schönebeck bei Magdeburg an – Steven Dreher und Sebastian Buschke. Weitere vier Kameraden von der Feuerwehr Berkum (Peine) geben unterwegs auf.

Unterstützung von 200 Feuerwehrleuten entlang der Strecke

„Der Marsch beginnt in Wega, wo die Feuerwehr die Sportler auf die Strecke schickt. Wir wurden von Anfang an megatoll unterstützt“, freut sich Jochen Drüen. Nächstes „Highlight“ ist ein Empfang in Wabern, wo die Bambini-Feuerwehr mit einem Transparent grüßt.

In Edermünde, Grifte, Wolfershausen und anderen Orten werden die Spendenläufer erwartet. Einige Kameraden marschieren ein Stück des Weges mit. Yannik Drüen ist überwältigt von der Unterstützung der rund 200 Feuerwehrleute entlang der Strecke: „Es lebt die Kameradschaft – das gibt es nur bei der Feuerwehr.“

Getragen von einer Welle der Sympathie erreichen die Spendenläufer am frühen Abend Kassel und werden von den Brandschützern in der nordhessischen Metropole begrüßt. Gegen 19.30 Uhr ist die halbe Wegstrecke geschafft. „Wir drehen jetzt um“, kündigt Jochen Drüen per Sms an die WLZ an.

Kleidung durchnässt und schwer

In der Nacht zieht sich der Weg bei ungemütlichem Herbstwetter wie Kaugummi. Es hat sich schnell heraus gestellt: Einsatzuniformen sind für Langstreckenmärsche nicht geeignet. „Die Sachen waren triefend nass, saugten sich voll mit Feuchtigkeit“, berichtet Jochen Drüen.

Die Kleidung scheuert und wird schwer, dazu kommt das 12 bis 13 Kilogramm schwere Atemschutzgerät. Die schweren Wanderschuhe werden schon nach den ersten Kilometern gegen leichte Turnschuhe getauscht.

Versorgungs-Crew stets in Kontakt mit den Feuerwehrsportlern

Stets dabei ist ein Versorgungsfahrzeug. Andrea Drüen steuert Zielpunkte via Google-Maps an und ist in stetem Kontakt zu Ehemann und Sohn. Hilfe leisten die Schwiegereltern Karl und Brigitte Drüen. Die Nachtschicht übernehmen Antonia Jakob und Michael Thannheimer.

Aufgeben wollen die Edertaler nicht. „Es ist eine Kopfsache“, sagt Yannik. „Man muss einfach in Bewegung bleiben, wenn man an seine Grenzen geht und darüber hinaus.“

Zwangspause am Fritzlarer Wehr

Die Spendenläufer meistern alle Herausforderungen und sind am Ende so schnell unterwegs, dass sie am Fritzlarer Wehr eine Zwangspause einlegen. Da haben sie 96 Kilometer in 18,5 Stunden geschafft. „Die Fritzlarer wollten uns eigentlich auch in Empfang nehmen“, aber wir waren zu früh dort“, freut sich Yannik, der seit 2020 Mitglied der Bad Wildunger Stützpunktfeuerwehr ist.

Die härteste Etappe ist das letzte, kurze Stück vom Wehr nach Mandern, wo Feuerwehrleute, Angehörige und Freunde warten. Das deftige Frühstück, das Wirt Christoph Wickert in der Erlebnisschmiede spendiert, hat sich das Quartett redlich verdient. „Jetzt will ich nur noch duschen, die Füße pflegen und mich nicht mehr bewegen“, sagt Yannik Drüen erschöpft aber glücklich.

Bürgermeister Ralf Gutheil gratuliert zur „phänomenalen Leistung“ bei diesem Benefizmarsch und füttert die Spendenbox. Darin landen während des Marschs 696,24 Euro, und der Betrag wächst bei der Ankunft weiter an. Spenden sind noch willkommen auf das Konto des Magdeburger Förderkreises krebskranker Kinder IBAN DE 23 8109 3274 0001 4060 00.

Drüen: „Das hat Riesenspaß gemacht“

Eine sportliche Herausforderung und Gutes dabei tun, das war Ansporn für den Marsch der Feuerwehrsportler. „Ich hab’ manchmal ausgefallene Ideen“, gibt Jochen Drüen, zu. In kurzer Zeit haben Vater und Sohn die Aktion geplant, schnell sind Freunde für dieses ehrgeizige Projekt begeistert.

Nach 100 Kilometern ist zwar die Luft raus, aber die Euphorie ist groß. „Das hat Riesenspaß gemacht, es ist eine Mega-Truppe“, freut sich der Arbeitspädagoge aus Kleinern, der seit drei Jahren Mitglied der Feuerwehr in Wetterburg ist. Die Feuerwehrsportler aus Schönebeck, Steven Dreher und Sebastian Buschke sind müde, aber stolz über ihre herausragende Leistung. „Ich brauche erstmal ein paar Tage Ruhe, aber dann würde wieder mit laufen“ bescheinigt Steven Dreher. Den Kontakt zur Kinderkrebshilfe haben Dreher und Buschke aus Magdeburg mitgebracht.

Kein Spezialtraining nötig für den Gewaltmarsch

Ein besonderes Training für den Gewaltmarsch absolvierten die Männer nicht. „Wir trainieren ständig, an sieben Tagen pro Woche“, sagt Drüen, der über vielfältige Wettkampferfahrung verfügt. Er hat unter anderem beim Kölner Treppenlauf mitgemacht und bei Wettkämpfen in Berlin und Hamburg. Jochen Drüen und sein Sohn Yannik – er ist staatlich geprüfter Erzieher – bilden das Team Grisu. „Das ist der kleine Drache, der einmal Feuerwehrmann werden wollte,“ verweist Drüen auf die Hauptfigur einer Zeichentrickserie aus Kindertagen.

Die nächsten Pläne stehen bereits fest. „Nächstes Jahr geht es auf Vier-Länder-Tour – mit 400 bis 500 Kilometern in der Woche durch deutsche Bundesländer.“

Empfang mit Transparent: Die Bambini-Feuerwehr in Wabern grüßt an der Strecke.
Erschöpft, aber glücklich: Steven Dreher, Yannik Drüen, Sebastian Buschke und Jochen Drüen bei der Ankunft in Mandern.

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