„Wellunger Mundartplatz“ Donnerstagabend offiziell mit einer kleinen Feier eröffnet

Schnuddeln und Schnurren erzählen

Bad Wildungen - Es hat nicht mehr „gereint“ am Donnerstagabend. Deshalb musste keiner „schuren“ bei der offiziellen Eröffnung des „Wellunger Mundartplatzes“ in der Altstadt.

„Wir haben lange auf diesen Moment gewartet“, sagte Frank Volke im Namen des Altstadttreffens, des -vereins, der gesamten Bewohner, und er übersetzte für diejenigen im Publikum, die im Wildunger Platt nicht so firm sind. „Gereint“ bedeutet „geregnet“ und „schuren“ sagten die Altvorderen, wenn sie Schutz vorm Wolkenbruch suchten.

Heinz Rieder und eine treue Gemeinde von „Platte-Schwatzern“ hatten über viele Jahre auf beliebten, gut besuchten Veranstaltungen Anekdoten im Wildunger Zungenschlag zum Besten gegeben. Die Erzählungen, die der 2009 verstorbene Altstadtjunge - als der er sich immer gesehen hat - in der WLZ unter der Überschrift „D’r Henner ux d’r Hingergasse“ veröffentlichte, sind unvergessen. So passt es, dass der Mundartplatz dort eingerichtet wurde, wo das Rieder’sche Wohnhaus bis 2010 stand.

„Es war zu Wohnzwecken gemäß modernen Ansprüchen nicht umzubauen“, sagte Bürgermeister Volker Zimmermann am Donnerstagabend bei der Feier.

Was nach dem Abriss folgte, sei ein weiteres Beispiel für die Einsatzfreude und den Zusammenhalt der Altstadt-Bewohnerschaft. Sie wünschte sich einen Platz als Treffpunkt für Einheimische wie „Fremmede“, also Gäste.

Frank Volke erinnerte daran, wie die entscheidenden Gestaltungselemente des Platzes unter Moderation des damaligen Altstadtkoordinators Sascha Gläser herausgearbeitet wurden: Sitzgelegenheiten, ein Spielgerät für Kinder, ein Baum, Beleuchtung, Erinnerungstafeln und Erläuterungen zur Wildunger Mundart, das passende Altstadtpflaster und Poller, die Parken auf dem Platz verhindern. In Zusammenarbeit mit dem Bauamt wurde alles umgesetzt. Das sei ein weiterer, wichtiger Schritt in der Entwicklung des Fachwerkviertels.

„Erzählen Sie Ihren Freunden, Bekannten, Verwandten und Gästen: Hier in der Altstadt zählt man auf die Bewohnerschaft und ihre Meinung“, unterstrich Volke.

Vollkommen zu Recht, bestätigte der Bürgermeister, „denn hier schlägt das Herz der ganzen Stadt.“ Es sei gut, dass sich die Bewohner eingemischt hätten, als das Parlament zunächst beschloss, den neuen Treffpunkt „Heinrich-Rieder-Platz“ zu nennen.

Nein, das wäre nicht im Sinne des verstorbenen Mundart-Freundes gewesen, wandten die Altstädter ein, denn wer kannte ihn schon unter seinem eingetragenen Namen „Karl Heinrich Wilhelm“ Rieder? Heinz, Karl-Heinz, Henner, so wurde er gerufen, und es hätte ihm auch nicht gefallen, in den Mittelpunkt gerückt zu werden.

So erinnert eine der Info-Tafeln am Platz nicht allein an ihn, sondern auch an seine Vorgänger und Mitstreiter im Geiste Christian Fleischhauer, Fritz Kesting und Moritz Maus.

„...un schnuddelt noch ne Weile hi uff insen schenen nurren Platze“, empfahl Volke den Festgästen, bevor der Musik- und Spielmannszug der Feuerwehr, der die Feier mit seinen Klängen begleitete, das „Waldecker Lied“ anstimmte.

Und wer die Aufforderung nicht verstanden hat, dem riet Volke die Teilnahme an einer Altstadtführung, denn das Stadtführerteam pflege sie weiterhin: die Wellunger Mundart.

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