Schilder „Verkehrsberuhigter Bereich“ bringen in der Neuen Straße der Altstadt offenbar wenig

Schritttempo halten hier wenige ein

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Eigentlich gilt in der Neuen Straße als verkehrsberuhigtem Bereich Schritttempo. Die wenigsten Autofahrer halten sich nach dem Eindruck der Anwohner aber daran. Der Lindenbaum in der Bildmitte zeigt an, wo der Bürgertreffpunkt mit Spielgerät liegt.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Die „Neue Straße“ in der Wildunger Altstadt ist ein verkehrsberuhigter Bereich - theoretisch. Praktisch fahren trotz Schildern und Pflasterbuckeln sehr viele Autos sehr viel schneller als erlaubt.

Das beobachten sowohl Anwohner als auch Spaziergänger, die regelmäßig durchs Quartier streifen.

„Fast täglich gehe ich hier meist morgens mit meinem kleinen Hund spazieren. Von Schritttempo bei den vielen Autos kann keine Rede sein, insbesondere am Sonntag“, hat Wolfgang Krallmann aus Bad Wildungen beobachtet. Vollgas zwischen den Schikanen, sogar Hupen und Beschimpfungen, wenn man nicht gleich zur Seite springe, zählten zu seinen Erlebnissen. Bewohner etwa der Teichstraße bestätigen das. An der Neuen Straße liegt ein Mini-Park, den Stadt und Altstadtverein vor nicht allzu langer Zeit gestaltet haben. Ein Spielgerät für Kinder gehört zur Ausstattung.

Tempomessung schwierig unterhalb der 20 km/h

Das Schild „verkehrsberuhigter Bereich“ verpflichtet in der Tat zum Schritttempo. Wörtlich genommen dürften Fahrzeuge demnach nicht schneller unterwegs sein als mit 6 Stundenkilometern, was einem strammen Wandertempo entspricht. Wer während einer Fahrprüfung in einer solchen Zone in den zweiten Gang schaltet, fällt deshalb durch, falls er einen strengen Prüfer erwischt. Der zweite Gang zieht das Auto selbst ohne Gasgeben schneller voran als erlaubt.

In der Praxis ist das geringe Tempo im Verkehr schwierig durchzusetzen, erklärt Ordnungsamtsleiter Martin Segeler. Unterhalb von 10 Stundenkilometern zeige ein Tacho keine Geschwindigkeit an. Hinzu kommt, dass die meisten eingesetzten Messgeräte erst ab 20 Stundenkilometern geeicht funktionieren. Abzüglich der bei so geringem Tempo vorgeschriebenen Fehlertoleranz von 3 km/h wird praktisch erst derjenige zur Rechenschaft gezogen, der 17 Stundenkilometer oder schneller fährt.

„Wir haben in der Neuen Straße lange nicht mehr gemessen. Uns liegen auch keine Beschwerden vor“, fügt Segeler hinzu.

Kurz nach Einführung der Tempobegrenzung habe die Stadt damals Radargeräte aufgestellt mit dem Ergebnis, dass - salopp formuliert - halb Wildungen einen Bußgeldbescheid hätte kassieren müssen.

Zusätzlich erschwerten die Hindernisse ein effektives Messen, erläutert Segeler. Ähnlich wie bei Pkw, die im Moment der Messung stark beschleunigen oder abbremsen, sei das Messen beim Passieren von Buckeln der Ungenauigkeit unterworfen.

Allerdings legt der Technikfortschritt vor Radarfallen und Laserpistolen keinen Halt ein. Für Schiffe existieren seit einiger Zeit Geräte, die bei niedrigsten Geschwindigkeiten nur eine Fehlertoleranz von 1 km/h aufweisen, berichtet die Physikalisch Technische Bundesanstalt auf Nachfrage.

Von Matthias Schuldt

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