Kirche wird für knapp 1 Million Euro saniert · Bauende voraussichtlich in 2015

Schüsse, Schädel, Schutt

+
Die Einschusslöcher der Kugel wurden repariert, inzwischen ist die Turmzier wieder auf dem Turm der Waldecker Stadtkirche installiert. Eingelötet in eine Schatulle sind Zeitzeugnisse wie eine aktuelle Ausgabe der WLZ, Gemeindebrief und Münzgeld.

Waldeck - Der Hahn dreht sich wieder auf dem Waldecker Kirchturm, die Einschusslöcher in der Kugel sind repariert, Dach und Mauerwerk weitgehend dicht. Bis auf einige Restarbeiten ist die Kirchturm-Sanierung so gut wie abgeschlossen. Danach sind Kirchenschiff und Chorraum an der Reihe.

Eine knappe Million Euro kostet die aufwändige Sanierung, die in drei Bauabschnitte gegliedert ist, erläutert Eckhard Frank als Kirchenältester und Vorsitzender des Bauausschusses.

Schallluken schützen vor Schlagregen

Der erste Abschnitt - die Kirchturmsanierung - begann im Mai. Nach dem Einrüsten des Kirchturms wurde der alte Schiefer entfernt und die darunter liegende Verschalung abgerissen.

„Die Mauerkrone des oberen gemauerten Geschosses wurde ausgebessert und für die unterste Fachwerk-Balkenlage wieder plan gemacht“, skizziert Frank die weiteren Arbeiten.

Zimmerleute wechselten marode Balken aus. In den obersten Turmgeschossen wurden die Holzverschalung erneuert, Bodendielen ausgewechselt, Treppen repariert. Schieferdecker verkleideten das Geschoss um den hölzernen Glockenstuhl.

Acht neue Schallluken wurden eingebaut. Sie sollen den Glockenklang nach außen leiten und mit ihren Lamellen gleichzeitig die Glockenstube vor Schlagregen oder Flugschnee schützen.

Die vier Läutemaschinen wurden ausgebaut und erneuert. Die Antriebe werden erst wieder eingebaut, wenn der Turm wieder vollständig dicht ist, kündigt der Bauausschuss-Vorsitzende an. Neu am Turm: Blitzschutz und Dachrinnen. Die Turmzier, bestehend aus einer Kugel aus Kupferblech, einem geschmiedeten Turmkreuz mit Verzierungen aus Eisen und einem drehbaren Wetterhahn aus Kupfer, wurde zur Restaurierung abgenommen. Offenbar hatten unbekannte Schützen die Kirchturmspitze im Visier. „Die Kugel hatte einige Einschusslöcher“, berichtete Frank. Sie wurde wieder abgedichtet, der Hahn neu gelagert und ausgetrimmt, das Kreuz wieder nach Osten ausgerichtet zur aufgehenden Sonne.

Die zuständige Architektin der Landeskirche empfahl, auf den Wetterhahn zu verzichten, da er erst nachträglich auf die Kirchturmspitze gesetzt wurde. Das sieht Kirchenältester Eckhard Frank anders: „Er dreht sich mindestens seit 1876 auf dem Turm und stellt für die Waldecker Gemeinde einen historischen Wert da.“ Inzwischen wurde die Turmzier wieder installiert. Einige Zeitzeugnisse wie der letzte Gemeindebrief, eine aktuelle Ausgabe der Waldeckischen Landeszeitung, etwas Münzgeld und eine Restaurationsbeschreibung der damit betrauten Schmiede wurden einer Schatulle eingelötet. Sie wird erst wieder geöffnet, wenn der Turm erneut saniert wird.

Hoffen auf Abschluss in 2015

Kurz vor Abschluss der Turmsanierung sind die Bauarbeiten ins Stocken geraten. „Terminschwierigkeiten der Handwerkerfirmen“ nennt Frank die Gründe. Er rechnet damit, dass die Arbeiten im Januar abgeschlossen werden. Im Frühjahr geht es dann am Kirchenschiff und Chorraum weiter. Die komplette Kirchensanierung soll in 2015 fertig sein, hoffe der Kirchenvorstand.

Bauherr ist die Kirchengemeinde Waldeck, die 30 000 Euro an Spenden dafür gesammelt hat. Finanziert wird die Sanierung von der Landeskirche, betreut werden die Bauarbeiten vom Kirchenkreisamt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare