Autos und Schaufenster beschädigt, Mülltonnen in Brand gesetzt

Schwere nächtliche Randale in der Wildunger Kernstadt: 45-jähriger Deutscher festgenommen

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Die eingeworfene Scheibe des Wildunger "Buchlands", das im Fall der schweren Randale in der Nacht von Montag auf Dienstag eine ganz besondere Rolle spielt.

Bad Wildungen. Die Polizei hat am Dienstagmorgen gegen 4 Uhr in der Innenstadt einen 45 Jahre alten Mann fest genommen. Der wohl psychisch erkrankte Deutsche aus Wildungen soll von 1 Uhr an über mehr als zwei Stunden hinweg in schwerster Weise in der Kernstadt randaliert haben.

Wie viele Vorfälle es exakt in der Zeit gab, steht noch gar nicht fest. Die Polizei ermittelt weiterhin.

Die Mülltonnenbrände

Um 1 Uhr rückte die Feuerwehr zu zwei in Brand gesteckten blauen Mülltonnen in der Itzelstraße aus. Noch während die Freiwilligen löschten, meldete ein Nachbar ebenfalls Feuer in seiner Mülltonne, brachte es aber selbst unter Kontrolle. Gegen 3.15 Uhr loderten Flammen in zwei stählernen Abfallcontainern in der Bahnhofstraße. Die Brandschützer verhinderten ein Ausbreiten des Feuers. Keine halbe Stunde später brannte eine schwarze Mülltonne nahe der Fürstengalerie. Ein weiteres Mal griff die Feuerwehr ein.

Die Sachbeschädigungen

All das markierte für die Polizei aber nur den Beginn. Vom Dienstagmorgen an gingen in Reihe Anzeigen wegen Sachbeschädigung auf der Station ein. Pkw waren demoliert worden. So erwischte es etwa den Rathausbriefkasten und zwei Autos in der Tiefgarage, bei denen Antenne und Scheibenwischer abgeknickt wurden.

Zwei Schaufensterscheiben wurden beschädigt. Eine davon, die vom „Buchland“ Richtung Manhenke weist, zertrümmerte der Randalierer mit einem Pflasterstein. Buchhändler Bernhard Schäfer war es offenbar, der die Ermittlungen der Polizei mit seiner Aussage einen Schritt weiter brachte.

Der Auftritt im "Buchland" am Tag zuvor

Denn der Verdächtige hatte am Montag das „Buchland“ aufgesucht. „Er fragte, ob seine Computer angekommen seien“, berichtet Bernhard Schäfer. Die Mitarbeiterin, die mit dem Mann sprach, habe sich sehr unwohl gefühlt, denn der 45-Jährige machte auf sie einen psychisch verwirrten Eindruck.

Aufräumarbeiten gestern morgen im „Buchland“: Vorne unten im Bild auf der Heizung liegt der Stein, mit dem der Verdächtige das Glas in der Nacht eingeworfen haben soll. Foto: Rainer Rüsch

Zunächst gab aber niemand etwas auf den seltsamen Vorfall. „Bis mir im Laufe des Dienstags einfiel, was im März dieses Jahres Sonderbares geschehen war. Und das berichtete ich der Polizei“, erzählt Schäfer.

Der Vorfall im "Buchland" aus dem März

Jemand hatte im Namen des „Buchlands“ im Frühjahr sechs Tablets bei einem Händler bestellt – und bei einem anderen Händler 2000 chinesische Glückskekse für eine „Susi Fröhlich“ an die Adresse des Buchladens. „Zum Glück waren die Händler wegen dieser Bestellungen und weil wir als Kunde nicht bei ihnen bekannt waren, misstrauisch geworden“, erinnert sich Bernhard Schäfer. So kam es gar nicht erst zur Auslieferung.

Weitere Zeugen gesucht

Die Ermittlungen der Polizei zurRandale, den Sachbeschädigungen und dem Tatverdächtigen laufen. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizeistation unter 05621/70900 zu melden.

Der Mann wurde nicht wieder auf freien Fuß gesetzt. Statt dessen wurde er nach Angaben der Polizei in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.  

Dass psychisch erkrankte Menschen wegen Aufsehen und Besorgnis erregender Straftaten in den Schlagzeilen landeten, war in den vergangenen Jahren in Bad Wildungen wiederholt der Fall. Den folgenschwersten Vorfall stellt der willkürliche, lebensgefährliche Messerangriff auf einen Radfahrer vom Januar 2014 dar. Im Oktober 2013 hatte ein psychisch kranker Mann in einem Mietshaus in der Hufelandstraße ein Feuer gelegt, um sich umzubringen. Im November 2014 verunsicherte ein damals 54-jähriger  die Stadt, weil er Brände legte, unter anderem am Mutter-Kind-Kurheim Haus Thalita. (su/rü)

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