Nach mehr als fünf Stunden im kalten Wasser:

Schwimmer Hauptmannl bezwingt Edersee

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Bad Wildungen - Völlig entkräftet, aber siegreich: Der Edersee-Schwimmer Björn Hauptmannl erreichte am Sonntagnachmittag kurz vor 16.30 Uhr die Sperrmauer und durchquerte damit als offiziell erster Mensch schwimmend der Länge nach die Talsperre.

Als er am Ziel fix und fertig die Fluten verließ, hatte er rund 18 Kilometer im etwa 15 Grad kalten Wasser zürückgelegt. So, als wolle er sich im letzten Moment noch mit aller Kraft gegen seinen Bezwinger auflehnen, schickte der Edersee dem Schwimmer von der Sperrmauer aus einen kräftigen Wind entgegen, als etwa auf Höhe der Hammerbergspitze zum ersten Mal das Ziel in Hauptmannls Sichtfeld geriet. Begleitet vom Applaus seiner Familie und weiterer Zuschauer, die ihm Hochachtung für seine Leistung zollten, stieg er aber nach 5 Stunden und 26 Minuten an Land. Er war damit schneller unterwegs als kalkuliert. Auf den unteren Stufen einer Treppe zum Ufer der Sperrmauer-Ostseite blieb der Extremsportler Minuten lang sitzen, die Augen weit offen, am ganzen Körper zitternd, sogar zu erschöpft, um seine Erleichterung herauszulassen. Die Mutter, Freundin Alexandra Oehm und Betreuer Johannes Tump wickelten ihn in wärmende Decken und einen Mantel, reichten ihm heißen Tee und halfen ihm schließlich aufzustehen und die endlos scheinenden Meter zum Auto zu gehen, um von dort aus zur Erholung ins Quartier gebracht zu werden. "Wir haben dir extra nichts gesagt, aber es waren sogar Sturmböen bis Stärke 7 vorhergesagt", verriet einer aus der Betreuer-Runde dem neuen Edersee-Helden. Ob er diese Information registrierte, ist unklar. Für eine erste Stellungnahme war Björn Hauptmannl schlicht zu ausgelaugt. Eine Tante schilderte , wie die Familie mit dem jungen Mann aus Bad Nauheim mitgefiebert hatte und wie erleichtert alle Verwandten und Freunde waren, als das Husarenstück gelungen war. "Bedenken hatten wir nicht wegen der Länge der Strecke, sondern wegen der Gefahr, dass er auskühlen könnte", verriet die Tante. Deshalb bedeutete die Betreuung durch den erfahrenen Trainer Johannes Tump für alle eine große Beruhigung. Tump kümmert sich seit Langem um Langstreckenschwimmer und Triathleten. Ihm übertrug Hauptmannl das Kommando darüber, ob er das Rennen gegen den See bis zum Ende bestreitet oder abbricht, weil der Körper zu streiken droht. Zu diesem Zweck kontrollierte Tump beispielsweise regelmäßig die Körpertemperatur im Innenohr des Schwimmers mittels eines Infrarot-Thermometers. "Selbst ist man in so einer extremen Situation nicht mehr dazu in der Lage, sich richtig einzuschätzen", liefert die Tante als Begründung für dieses Vorgehen ihres Neffen. Fünf Liter an speziellen Proteindrinks habe er unterwegs zu sich genommen, um die geschätzten 16000 Kalorien Energieverbrauch auszugleichen.

Björn Hauptmannl ist nicht der einzige, der für 2015 den Vorsatz fasste, den See der Länge nach zu bewältigen. Für den Tag der Sommersondenwende am 21. Juni hat sich eine Frau für das gleiche Unternehmen bei der DLRG angemeldet, berichtete Klaus Schultze von der Waldecker Wachstation. Er und sein Team begleiteten den Nauheimer Extrem-Schwimmer auf dem zweiten Teilstück. In der Bringhäuser Bucht hatten sie die Verantwortung von den Fürstentaler Kolleginnen und Kollegen übernommen. (su)

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