Firma Krausz im früheren Metzeler-Werk braucht neue Löschanlage

Seltener, raffinierter Gegner für Flammen

Die gelben Warnhinweise auf die alte CO2-Löschanlage in den ehemaligen Metzeler-Hallen Wega, heute Krausz Logistik, werden demnächst abmontiert. Das kleine Foto zeigt den wahrscheinlichen Nachfolger der Anlage bei der Arbeit: Weißer, wabernder Trockenschaum kriecht auf das zu Testzwecken entzündete Feuer in einer Halle zu, wie ein Lehrfilm zeigt.Fotos: Schuldt

Bad Wildungen-Wega - Die Firma Krausz hat das frühere Metzeler-Werk in Wega zu einem Logistik-Standort umgestaltet. Das Unternehmen braucht für seine Lagerhallen eine neue automatische Löschanlage und setzt auf eine in Deutschland seltene Methode, über die sich der Wildunger Stadtbrandinspektor Ralf Blümer und sein Stellvertreter und Wehrführer Frank Volke bei einem Besuch informierten.

Das „Heißschaumlöschverfahren“ war Thema bei der Fachmesse „Braunschweiger Brandschutztage“ und geriet auf dem Umweg über ein beauftragtes Sachverständigenbüro ins Blickfeld von Geschäftsführer Oliver Krausz und dessen Vater Werner. Hellhörig wurden sie aus vielerlei Gründen: Das Mittel ist in mehrfacher Hinsicht kostengünstig Das verwendete Mittel bildet mit sehr wenig Wasser sogenannten Trockenschaum. Statt 800 Kubikmeter Wasser, wie bei einer Sprinkleranlage, müssen nur 80 Kubikmeter für den Ernstfall gespeichert sein. Ein kleinerer Behälter verursacht geringere Kosten. Weil praktisch kein belastetes Löschwasser anfällt, das durch spezielle Abdichtungen zwecks Entsorgung in der Halle zurückgehalten werden müsste, erspart sich die Firma ein weiteres Mal Ausgaben. Außerdem kostet das Mittel selbst deutlich weniger als andere auf dem Markt befindliche.Den größten Vorteil von der Warte des Betriebswirts aus sehen Oliver und Werner Krausz allerdings in der Tatsache, dass dieses Verfahren keine Löschwasserschäden hervorruft, wie es eine Sprinkleranlage tut. „Die Ware unserer Kunden wird nicht in Mitleidenschaft gezogen“, freut sich Werner Krausz.

„Es ist der geeignete Weg für die Hallen hier in Wega“, meint Thomas Schild vom beauftragten Büro. Das Ganze sei mit den zuständigen Baubehörden beim Landkreis abgesprochen.

Bislang erfüllte eine Kohlenstoff-Dioxid-Anlage die Aufgabe des automatischen Brandschutzes. Sie stammt noch aus Metzeler-Zeiten und die Altersschwäche hat sie ereilt. Weil die Hallen heute anderen Zwecken als früher dienen, kann sie weder saniert noch durch eine gleichartige, neue Anlage ersetzt werden, haben die zuständigen Behörden der Firma mitgeteilt. Eine CO2-Anlage hat überdies die Nachteile, dass Menschen wegen Erstickungsgefahr sofort aus der Halle fliehen müssen, wenn ein Feuer ausbricht, und dass hohe Kosten bei Fehlalarmen entstehen. So muss das tödliche Gas zeitaufwendig aus dem Gebäude entlassen oder gedrückt werden.

Bislang erst 14 Anlagen in ganz Deutschland im Einsatz

Ungleich harmloser kommt das „Heißschaumlöschverfahren“ daher, das Günter Knopf als Fachplaner für Sonderlöschverfahren in Wega erläuterte (siehe „Hintergrund“-Kasten rechts). 350 Anlagen sind weltweit im Einsatz, davon 14 in Deutschland.

Warum nicht mehr, wo die Methode schon in den 1990er- Jahren entwickelt wurde und das Patent längst ausgelaufen ist? Knopfs Erklärung: „Die Löschmittelbranche hat es blockiert, weil es die Kunden weitaus weniger kostet als herkömmliche Verfahren und den Anbietern deshalb weniger einbringt. Wegen des wachsenden Bekanntheitsgrades der Methode weiche diese Sperrhaltung aber mittlerweile spürbar auf“, setzt er hinzu.

Hintergrund: Wabernde Masse

„Heißschaumlöschverfahren“ heißt die Methode nicht, weil das Mittel besonders heiß wird, sondern weil der Schaum auch bei sehr hohen Lufttemperaturen stabil bleibt. „Das ist sogar eine Prüfungsfrage für Feuerwehrleute, was passiert, wenn ich mit dem Schaumlöscher zu dicht an den Brandherd gehe“, erklärt der Wildunger Wehrführer Frank Volke. Schaum wird produziert durch eine Mischung aus Mittel, Wasser und angesaugter Luft. Die meisten Zusätze versagen, wenn etwa in Gebäuden Temperaturen von 800 Grad Celsius und mehr erreicht sind. Eine Ausnahme bildet das viel zitierte, neue „F 500“, das jedoch im Vergleich zum „Heißschaumlöschverfahren“ erheblich teurer ist und Löschwasserschäden nicht vermeidet. Volke und Stadtbrandinspektor Ralf Blümer interessierten sich deshalb sehr für die Wirkweise des Mittels, das der Experte Günter Knopf in Wega mittels Demo-Filmen vorstellte. Es fällt dickflockig weiß in einer breiten Kaskade aus den Düsen der Brandschutzanlage in der Decke zu Boden, breitet sich als wabernde Masse aus und kriecht auf das in Brand gesetzte Öl in einer großen Schale zu. „Von unten her, an der kältesten Stelle der Flammen, legt es sich über das Feuer und erstickt es, als würde man eine Decke darüber legen“, erläutert Knopf. Der Trockenschaum zerfällt nach getaner Arbeit später von selbst, hat Ruß und andere Schwebeteilchen gebunden. Weil er wenig Wasser enthält, kühlt der Schaum allerdings nicht, und die betreffende Halle muss geraume Zeit geschlossen bleiben, damit beispielsweise gelagerte Gummireifen in Ruhe abkühlen, ohne dass Luftzug den Schaum davon trägt und Sauerstoff für ein erneutes Aufflackern des Feuers zuführt. Aus demselben Grund funktioniert das Mittel allein in geschlossenen Gebäuden und nicht im Freien. Eine solche Anlage hätte möglicherweise den Sauna?brand kürzlich in der Reinhardshäuser Quellentherme im Entstehen bekämpft und die Schäden weit geringer gehalten, meinen Blümer und Volke. Auch in Kellergeschossen beispielsweise von Kliniken könnte eine solche Anlage das Risiko für die Feuerwehrleute bei deren Einsätzen senken.

Von Matthias Schuldt

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