Sie wollen das traditionsreiche Spiel retten

Sieben Buben und eine Dame gründen Wildunger Skat-Club "Pik 7"

Spielt mit, wir reizen zwar, aber beißen nicht: Der Skatclub „Pik 7“ mit Ercan Agirgöl, Paulo Rebelo, Sabine Appel, Alexander Heck Wilfried Haag, Nesar Ahmad Rasa, Kemal Agirgöl und Christian Jorasch sucht weitere Interessierte.

Bad Wildungen. „18, 20, zwo...“ Früher war klar, worum es hier geht, und die Augen jugendlicher „Kiebitze“ am Tisch leuchteten – diesen geheimnisvollen Code der Väter und Großväter wollten sie auch bald beherrschen. Teenager von heute lässt die Zahlenfolge kalt; sie verbinden mit ihr allenfalls das Verlesen der Lottozahlen.

„Das möchten wir ändern. Wir wollen das Skatspiel in Bad Wildungen wieder populärer machen und auch Jugendliche dafür interessieren“, sagt Wilfried Haag, eines der Gründungsmitglieder des neuen Clubs „Pik 7“, der donnerstags im Vereinslokal „Rosenschlößchen“ trainiert.

Ein echter Sport

Ja, trainiert, nicht „Skat kloppt“, wie der Volksmund despektierlich sagt. Denn die „Pik 7“ ist ein eingetragener Verein, hält sich an die offizielle deutsche Skatordnung und will auf Sicht in den Ligabetrieb einsteigen, wie die WLZ ausführlich in ihrer Donnerstagsausgabe berichtet.

Statt sich nach einer der starken Karten des Spiels zu benennen – den Buben oder den Assen – wählten sie bewusst eine „Lusche“ (Karte ohne Punktwert) als Namenspatin, erklärt Christian Jorasch: „Der Grund ist, dass wir zum Gründungsdatum am 1. Juli zunächst zu siebt waren.“ Inzwischen bestehe die Runde aus acht Köpfen: sieben Buben und einer Dame in Gestalt von Sabine Appel.

Zwei gegen einen (oder eine) ist nicht etwa unfair, sondern liegt im Wesen des Skat. Der Spieler verfügt in der Regel über die besseren Karten. Die beiden Gegenspieler müssen ihre Kräfte bündeln, um ihn zu schlagen – ohne dabei zu reden. Die Kommunikation, das eigentliche Geheimnis dieses Spiels, läuft ohne Worte ab, rein durch das Ausspielen einer bestimmten Karte in einer bestimmten Situation. 

Psychologie beim Einschätzen des Gegners gesellt sich hinzu. Riskiert er gerne oder eher nicht? In diesem Punkt ähnelt Skat dem Pokern, das sich bei Jugendlichen heute großer Beliebtheit erfreut. „Aber beim Pokern geht es im Kern ums Zocken, um den Bluff. Skat ist Strategie“, sagt Nesar Ahmad Rasa. In seinem Lieblingsspiel findet er Parallelen zu seinem Beruf als Mediziner: „Man plant, um ein Problem zu lösen.“

Wer in die Welt dieses Sports eintauchen, die Tricks, Kniffe und Raffinessen ausloten will, benötigt Zeit und Übung, bis er sich wie ein Fisch im Wasser fühlt – selbst wenn er oder sie reichlich Erfahrung aus Kneipen und Privatrunden mitbringt. „Je nach Talent braucht ein Hobbyspieler sicher um die zwei Jahre, bevor er Skat als Sport beherrscht“, schätzt Christian Jorasch.

Doch niemand solle bitte Hemmungen haben, zur „Pik 7“ donnerstags, ab 19 Uhr, im „Rosenschlößchen“ dazu zu stoßen. „Wir ziehen keinen über den Tisch, sondern führen Interessierte nach und nach an den Sport heran. Alles wird erklärt und wir bauen sie behutsam auf “, unterstreicht Wilfried Haag.

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