Der Geschäftsführer des Pflegeheimes „Edelweiß“ schildert seine Sicht der Schließung

„Es sind die Kleinen, die zugemacht werden“

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Das Haus „Edelweiß“ in Reinhardshausen muss auf behördliche Anordnung zum 30. November schließen. Es soll künftig für betreutes Wohnen genutzt werden.Foto: Höhne

Bad Wildungen-Reinhardshausen - Mit Unverständnis reagiert der Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheims Edelweiß auf die behördliche Anordnung zur Schließung der Einrichtung zum 30. September.

Das für die Heimaufsicht zuständige Regierungspräsidium Gießen hatte bereits vor Monaten auf Mängel reagiert (WLZ berichtete am 18. Oktober). Mit Bescheid vom 11. Februar hatte das Hessische Amt für Versorgung und Soziales in Kassel den Betrieb der Einrichtung ab dem 15. Mai untersagt. Nach Widerspruch und Rechtsstreit ist inzwischen klar: Das Haus muss zum 30. November endgültig geschlossen werden. Uwe Kraußmann, Geschäftsführer des Hauses Edelweiß, verweist kopfschüttelnd auf zwei unabhängige Kontrollen nahezu unmittelbar hintereinander. „Die letzte Prüfung der Heimaufsicht war im März, nahezu zeitgleich mit einer Prüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen“, erläutert Kraußmann. Beide Ergebnisse klaffen deutlich auseinander.

Staub auf Schränken, Nägel einen Millimeter zu lang

Der MdK habe die Gesamtnote 1,8 vergeben. „Für die Hygiene gab es die 1,0“, bescheinigt der Geschäftsführer. Die Heimaufsicht dagegen monierte nach Auskunft aus dem RP Gießen bei ihrer Prüfung die „fachgerechte und hygienische Pflege von schwer pflegebedürftigen Bewohnern“.

Kraußmann: „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Angekreidet wurde der Einrichtung nach seinen Worten unter anderem Staub auf Kleiderschränken, Fingernägel, die einen Millimeter zu lang waren oder ein notwendiges Fußbad, das nicht vorgenommen wurde. „Die Seniorin hatte sich dazu geweigert“, begründet Kraußmann.

Haus soll umgestellt werden auf betreutes Wohnen

In dem Heim sind derzeit 30 von 34 Betten belegt. „Es gibt ständig Anfragen“, bescheinigt der Geschäftsführer. Im Hinblick auf die angeordnete Schließung würden jedoch keine Senioren mehr aufgenommen.

Den 29 Mitarbeitern im Haus Edelweiß droht die Kündigung. „Für examinierte Pflegekräfte dürfte es kein Problem sein, eine Arbeitsstelle zu finden“, sagt Kraußmann, „aber einige sind schon Ende 50/Anfang 60 - da wird es schwierig.“

Nach 28 Jahren als Alten- und Pflegeheim soll das Haus Edelweiß künftig komplett auf betreutes Wohnen ausgerichtet werden. 13 Wohneinheiten gibt es bereits.

Sie sollen nach dem 30. November um weitere 28 Einheiten erweitert werden. Senioren haben dabei ihre eigenen Schlafräume und Nasszellen, teilen sich aber Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume mit anderen Bewohnern.

Der Geschäftsführer des Hauses Edelweiß sorgt sich mit Blick auf neu gebaute Seniorenzentren in der Region um die Zukunft von kleineren Heimen. „Es sind immer die Kleinen, die zugemacht werden, und gleichzeitig sieht man, dass große Einrichtungen neu geschaffen werden“.

Von Conny Höhne

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