Die Schattenseiten der langen Schönwetterperiode

Sommerkrach in der Wildunger Innenstadt

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Abends und nachts schert sich niemand mehr darum, dass der Spielplatz im Bürgerpark „Alter Friedhof“ nur von Jugendlichen und Erwachsenen betreten werden darf, wenn sie Begleitpersonen von Kindern bis 12 Jahren sind. Der Pavillon ist innen übersät mit Zigarettenkippen. Durch Graffitis haben die nächtlichen Nutzer sich an Betonsockeln und auf Treppenstufen verewigt.

Bad Wildungen. CDU-Stadtverordnete Andrea Spangenberg brachte im Parlament Beschwerden über den Bürgerpark „Alter Friedhof“ zur Sprache. Ausgerechnet im Umfeld des Spielplatzes lösten weggeworfene, gebrauchte Spritzen oder Scherben zerbrochener Flaschen Sorgen bei den Eltern aus.

Bis tief in die Nacht hinein dient der Spielplatz offenbar ungebetenen, erwachsenen Gästen als Treffpunkt. „Das ist ein etwas schwieriger Fall“, räumte der scheidende Bürgermeister Volker Zimmermann in seiner Antwort ein. „Die Anwohner melden sich deswegen bei uns“, fuhr er fort. Die Polizei nehme das Geschehen unter die Lupe. Das Ordnungsamt werde sich darum kümmern, sagte Zimmermann zu.

Schlägerei im Park "Alter Friedhof"

In der Wildunger Altstadt verbreitete sich derweil das Gerücht, am Mittwoch vor einer Woche habe es erneut eine Messerstecherei gegeben – just auf dem Alten Friedhof. Polizeipressesprecher Volker König erläutert auf WLZ-Anfrage den realen Kern, der hinter dieser Mundpropaganda steckt.

„Es handelte sich um eine nächtliche Schlägerei auf dem Alten Friedhof. Die Polizei nahm Beteiligte zum Ausnüchtern für die Nacht mit zur Station“, berichtet König.

Lärm, Sachbeschädigung

In der seit dem Frühjahr anhaltenden Schönwetter-Periode mit vielen lau(t)en Abenden wurden wiederholt unterschiedliche Stellen in der Kernstadt zum Schauplatz von Lärmbelästigungen und Gelagen bis hin zu Randale. Die Ereignisse gipfelten, so weit bislang bekannt, in der beschriebenen Schlägerei und der schweren Demolierung des „Unterirdischen Gartens“, eines Kunstobjektes der Landesgartenschau 2006.

Autos mit Klappenauspuff

Parallel erregt in den Abend- und Nachtstunden eine zwar überschaubare, aber gewachsene Zahl von meist jungen Fahrern Ärger bei Anwohnern von der Altstadt und den Verkehrskreiseln bis hin zur Odershäuser Straße. Die Autos der jungen Männer sind mit legalen Klappenauspuff-Anlagen versehen. Gas geben im Leerlauf und bewusst hintereinander gesetzte, kurze Beschleunigungsphasen mit dem so entstehenden Motorenlärm – den der Bundesgesetzgeber exakt so erlaubt – vermitteln den Eindruck, als seien Rennen im Gange. Unter den Kennzeichen befinden sich neben heimischen vor allem Nummernschilder mit „HR-...“ oder „FZ-...“ aus dem Nachbarkreis.

Unklar ist, ob überhaupt und falls ja, wie all diese Erscheinungen mit einer Entwicklung zusammenhängen, die vor einigen Wochen im Prozess um die Messerattacke in der Wildunger Altstadt offenbar wurde: Dass es in der Stadt Kreise von jungen Männern unterschiedlichster Herkunft und Familienverhältnisse gibt, die sich nach eigenen Regeln organisieren und sich nach „außen“, außerhalb ihrer Gruppen, zunehmend abzuschotten scheinen.

Auch der am Donnerstag beendete Prozess um die Wildunger Hammerattacken stand in Verbindung zu solch einem Umfeld. Dort spielen nicht zuletzt Drogengeschäfte nach Ansicht des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und nach Aussage von Zeugen eine Rolle.

Freiwillige Polizei, Kameras

Der neue Bürgermeister Ralf Gutheil kündigte bereits im Wahlkampf an, sich des Themas Sicherheit anzunehmen.

Es stellt sich die Frage, ob die „Freiwillige Polizei“ dazu beiträgt, die nächtlichen Probleme der Stadt zu bekämpfen. Bad Wildungen installiert die ehrenamtlichen Streifen in einer Gemeinschaftsaktion mit Fritzlar und Gudensberg wieder. Ralf Gutheil hatte zudem den Vorschlag ins Spiel gebracht, an neuralgischen Punkten Überwachungskameras zu installieren. 

Die Stadt aus der Sicht der Jugendlichen

Junge Menschen, die nachts den Lärmpegel in Wildunger Straßen und Parkanlagen nach oben (oder schlimmeres Unwesen) treiben und so gerade die älteren Generationen verunsichern und verärgern, sind nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite bietet sich das Bild einer Stadt, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen so gut wie keine freien Treffpunkte mehr bietet. Zu Jugendzeiten der Babyboomer übernahmen überwiegend Discotheken diese Funktion, vor allem an Wochenenden. Das ist vorbei. Die Vereine mit ihrem großen Angebot können diese Lücke nicht schließen.

(höh/su)

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