Sonderbriefmarke erschienen:

Vor 150 Jahren wiederentdeckt: die Wildunger Königsquelle als Heilwasser

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Sie realisierten das Projekt Sonderbriefmarke Königsquelle: Pauline Kohout (links) und Jasmin Grünhäuser vom Stadtmarketing.

Bad Wildungen – Vor 150 Jahren entdeckte Sanitätsrat Dr. Carl Rörig die älteste Wildunger Heilquelle wieder und verschaffte ihr den Namen „Königsquelle“.

Die Stadt feierte das Jubiläum in einer großen Runde interessierter Bürgerinnen und Bürger unter freiem Himmel. Am Quellhäuschen am östlichen Ende des Landesgartenschaugeländes wurde dabei auch die neue Sonderbriefmarke zu diesem Anlass präsentiert.

„Carl Rörig war nicht nur ein innovativer Mediziner als Begründer der Wildunger urologischen Schule, sondern auch ein geschäftstüchtiger Mann.“ Das berichtete Bernhard Weller in seinem Vortrag zur Historie der Königsquelle, nachdem Leo Eberhard von der Musikschule die Gäste stilecht mit Akkordeonmusik empfangen hatte.

Die Wiese, auf der das Häuschen heute steht, hatte eine Patentante an Rörigs Kinder vererbt. Noch im Februar 1869 habe Rörig dort Äpfel- und Birnbäume gepflanzt, „die von ruchloser Hand abgehauen“ wurden, wie er laut Weller entrüstet damals schrieb. Zwei Monate später war der Arzt mit seiner Frau Friederike auf der Wiese unterwegs, als er eine nasse Stelle bemerkte. Bei genauerer Betrachtung entdeckte er einige kleine Luftbläschen in der Pfütze: austretende natürliche Kohlensäure.

Rasch ließ er die Quelle frei legen. In knapp vier Metern Tiefe quoll das Wasser aus einem ausgehöhlten Baumstumpf, einer uralten Fassung. Rörig schätzte, sie stamme aus der Zeit, als die ersten Siedler sich nahe der Gegend niederließen, wo später die Stadt Nieder-Wildungen entstand. Damit war die wiederentdeckte Quelle weit älter als der Stadtbrunnen, die Georg-Viktor-Quelle von 1378, die man bis dato für die älteste gehalten hatte.

Das bildete ein erstes starkes Werbeargument, machte Weller in seinem Vortrag deutlich. Ein zusätzlicher Kniff: Rörig bat den Bürgermeister mit Erfolg darum, das wiederentdeckte Wasser „Königsquelle“ zu taufen – während Georg-Viktor- und Helenenquelle, bescheidener im Rang, Bezug nahmen auf das Waldecker Fürstenhaus.

Rörig zog einen eigenen Kurbetrieb auf. 1870 errichtete er eine einfache Kolonnade, dann ein Kaffeehäuschen als Fachwerk und 1872 ein Badehaus mit Dampfbad. Als weitere Quelle wurde die Schlossquelle erbohrt. Versandhaus, Park und 1899 ein Kurhaus folgten, das später Sanatorium genannt wurde. „Ein Kurviertel für die Altstadt entstand“, fasste Weller zusammen.

1906 verkaufte Rörig alles an die „Wildunger Heilquellen Actiengesellschaft Königsquelle“ für 575 000 Mark. Die Familie hielt Anteile daran. Vermutlich im Zuge dieses Handels sei das heutige Quellhäuschen gebaut worden. Das verfallene „Sanatorium“ wurde im Vorfeld der Landesgartenschau 2006 abgerissen.

BKW-Geschäftsführer Stephan Tent bezeichnete die Königsquelle als eines der Top-drei-Heilwässer in der Stadt. Grund ist der hohe Mineraliengehalt, der sie als Magnesiumlieferanten auszeichnet und hilft, Nierensteinen vorzubeugen.

Bürgermeister Ralf Gutheil verwies auf die vielen Kindheitserinnerungen, die Wildunger mit der Königsquelle und dem Park verbinden: als Wasser im Quellhäuschen noch von einer Dame ausgeschenkt wurde und das heutige, östliche Landesgartenschaugelände ein Abenteuerspielplatz für Kinder darstellte.

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