Diskussion im Finanzausschuss über Friedhofskosten, -gebühren, -kapellen und einen Ruheforst

Sonst wandern noch die Toten ab

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Bad Wildungen - Demografischer Wandel mal aus völlig anderer Perspektive. Der Wildunger Finanzausschuss sorgt sich nicht allein um den Bevölkerungsverlust im Diesseits, sondern auch um den im Jenseits.

Ein Abwandern der Toten könnte den ohnehin gebeutelten Friedhofshaushalt weiter aus den Fugen geraten lassen. Die Einnahmen sänken bei steigenden Unterhaltskosten für die Gottesäcker. Hintergrund: der Trend zum Ruheforst.

„Wir sollten endlich eine solche Möglichkeit schaffen, weil sie längst zu unserer Bestattungskultur gehört“, forderte Klaus Stützle (Grüne) im Ausschuss, ohne daraus allerdings einen Antrag zu formulieren.

Die Toten könnten wegziehen Richtung Kassel oder Arolsen, fürchtet er. Seines Wissens nach ließen sich mit einem Ruheforst sogar Gewinne erzielen, die dazu dienen könnten, die Ausgaben für die herkömmlichen Friedhöfe abzufedern.

Alter Hauptfriedhof teils leer

Oliver Syring (CDU) verwies auf den teils leer wirkenden alten Teil des Wildunger Hauptfriedhofes. Die Pflege kostet, ohne dass Einnahmen durch Gebühren daraus hervorgehen. „Manchmal ist das auf Ruhezeiten zurückzuführen, die auf diesen Flächen liegen, aber es stimmt: Erweiterungsprobleme haben wir nicht“, erläuterte Hans-Jürgen Kramer, Leiter des Immobilienamtes. Anders formuliert: Der Friedhof ist bei weitem nicht ausgelastet und deshalb ein Schrecken für jeden Betriebswirtschaftler.

Trend geht zur Urne

Asche zu Asche, Staub zu Staub, treten vermehrt gleich in dieser Form Verstorbene ihren letzten Gang an, ergänzte Kramer: „Der Anteil der Urnenbestattungen ist auf 65 Prozent angewachsen.“ Tendenz steigend. Urnengräber verlangen weniger Pflegeaufwand von der Familie. Dafür hat der Friedhofsgärtner mehr Fläche zu mähen.

Hundertausende Verlust

Zwischen 300 000 und 400 000 Euro Verlust notiert die Kämmerei alljährlich unter dem Haushaltsposten „Bestattungswesen“. Angesichts der diskutierten Entwicklungen dürfte das Minus zunehmend dicker ausfallen. Die CDU schlug deshalb vor, die Stadtverwaltung solle Vorschläge für höhere Friedhofsgebühren ausarbeiten. Davon hielt Walter Mombrei (SPD) nichts: „Wenn die Helo-Preise steigen, bleib ich weg. Wenn die Miete fürs DGH steigt, feiere ich zu Hause. Es ist schade, aber selbst ich entgehe meiner Beerdigung nicht.“

Kapellen auf den Prüfstand

Überall stiegen die Kosten, angefangen bei den Lebensmitteln, hielt Oliver Syring dagegen, „das ist nun mal so.“ Wie soll das Sterben da günstig bleiben? Mombrei plädierte dafür, Kosten zu senken. Eine Friedhofskapelle für jeden Ortsteil bedeutet Luxus. Beerdigungen könnten auch von der Dorfkirche aus stattfinden. Patt bei Gebührenerhöhung Der Ausschuss stimmte über den CDU-Vorschlag höherer Gebühren ab. Er wurde in Gestalt eines Stimmenpatts – drei Kreuzchen bei „Ja“, drei Kreuzchen bei „Nein“ und eine Enthaltung – abgelehnt.

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