Mehrere Angebote für Umzug ins Wildunger Scharnier liegen vor

Spielbank will nicht ins Kurhaus

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Das Kurhaus-Rondell wird von etlichen Seiten in Wildungen als neues Domizil für die Spielbankfiliale vorgeschlagen. Doch die Bank hat kein Interesse (kleines Foto aus vergangenen Zeiten).Fotos: su/Archiv

Bad Wildungen - Als das Wildunger Kurhaus Mitte der 1980er-Jahre gebaut wurde, hätte die Kurverwaltung gern eine Spielbank darin untergebracht. Diese Idee lebt bis heute weiter und bekleidet eine Rolle in der Diskussion um die Zukunft des Gebäudes. Die Spielbank möchte allerdings nicht in den schlummernden Renommierbau ziehen.

Das macht Gerhard Wilhelm deutlich, Geschäftsführer der Kasseler Spielbank, die in Bad Wildungen seit vielen Jahren die Dependance im Hotel „Quellenhof“ betreibt. „Vor zehn Jahren sprach uns der damalige Wirtschaftsförderer Matthias Krell an und wir haben uns das Kurhaus angeschaut“, berichtet Wilhelm. Schon damals habe die Geschäftsleitung der Bank das Kurhaus nicht als interessante Alternative betrachtet. Kürzlich gab es einen erneuten Ortstermin, doch an der Einschätzung von vor zehn Jahren änderte dieser Besuch nichts, erklärt der Geschäftsführer.

Trotz eines gravierenden Unterschieds im Vergleich zur damaligen Lage:

Die Konzession der Spielbank Kassel läuft im August 2016 aus. Diese Konzession ist untrennbar mit der Niederlassung Bad Wildungen verbunden.

Die Verhandlungen zwischen der Stadt Kassel und der Spielbank-Gesellschaft über eine Verlängerung beginnen demnächst, bestätigt Wilhelm. Die Stadt Kassel steht unter dem Druck ihres Schuldenberges und unter dem Rettungsschirm des Landes, der sie verpflichtet, die Einnahmen zu verbessern. Das drastische Anheben der Parkgebühren jüngst ist ein Ausfluss daraus. Der Druck dürfte sich auch in den Gesprächen mit der Spielbank über die Bedingungen für die Konzessionsverlängerung niederschlagen.

Umzug von Wilhelmshöhe ins Kasseler Zentrum stabilisierte die Spielbank

Gerhard Wilhelm macht sich allerdings keine Sorgen, dass ein etwaiger Wettbewerber die Spielbank-Gesellschaft im Rennen um die Konzession schlagen könnte. „Versprechen lässt sich viel. Wir können Fakten vorweisen“, sagt er. Seit 15 Jahren laufe die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel. Die Spielbank hält sich seinen Angaben zufolge in der nordhessischen Metropole besser als die Gesamtbranche mit ihrem bundesweiten Abwärtstrend.

In Bad Wildungen brach der Umsatz der Dependance vorletztes Jahr ein, habe sich im vorigen Jahr aber wieder erholt, erklärt Wilhelm. Die vergleichsweise gute Situation in Kassel erklärt er mit dem Umzug 2006 von der Wilhelmshöhe in die Kurfürstengalerie im Zentrum.

Exakt wegen dieser Erkenntnis lehnt er das Kurhaus als neuen Standort ab. „Schon im Hotel Quellenhof befinden wir uns im äußeren Bereich. Im Kurhaus wären wir noch einige Meter weiter vom Wildunger Zentrum entfernt“, erläutert Wilhelm.

Zeiten der Spielbanken als Magneten sind vorüber

Die Zeiten hätten sich geändert: Früher habe eine Spielbank als Magnet gewirkt. Heute stehe sie in Konkurrenz zu vielen Freizeitbeschäftigungen und versuche, dorthin zu gelangen, wo viele Menschen in einer Stadt unterwegs sind. Auf Bad Wildungen übertragen ist das das Scharnier zwischen Kurschattenbrunnen und Altstadteingang. In dieses Umfeld würde die Spielbank mit ihrer Dependance gern ziehen, „und uns liegen mehrere Angebote vor“, sagt Wilhelm.

Kur- oder Urlaubsgäste spielen für das Geschäft um elektronisches Roulette & Co in der Badestadt kaum eine Rolle mehr. Die meisten Kunden seien Einheimische aus der Region, erklärt der Geschäftsführer.

Der Mietvertrag mit dem Hotel „Quellenhof“ läuft einige Monate länger als die bis August 2016 bestehende Kasseler Konzession. Auf beiden Seiten würde der Auszug der Spielbank-Filiale aus dem Hotel ein lachendes und ein weinendes Auge hinterlassen. Zwar würde die Spielbank näher am Zentrum mit mehr Zulauf rechnen, doch verlöre sie in dem mondänen Gründerzeitbau mit benachbarter Gastronomie einen sehr schönen Rahmen.

Hotelier Gert Göbel müsste zwar einen guten Mieter ziehen lassen, könnte aber die frei werdende Fläche gut für sein Restaurant gebrauchen, erklärt er auf Anfrage.

In Bad Wildungen kursieren – vor diesen Hintergründen allerdings schwach erscheinende – Hoffnungen, die anstehenden Verhandlungen um die Kasseler Spielbank-Konzession ließen sich zum Wohle des Kurhauses nutzen: indem die Stadt Bad Wildungen Kontakt zu Kassel aufnimmt mit dem Ziel, dass Oberbürgermeister Bertram Hilgen den Umzug der Filiale ins Kurhaus zur Mit-Voraussetzung für die Verlängerung der Konzession erhebt.

Aus der Spielbankabgabe verzeichnete Bad Wildungen zuletzt rund 100000 Euro Einnahmen für den gebeutelten Haushalt.

Von Matthias Schuldt

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