Geopark eröffnet am Nationalparkeingang Frebeshausen Geostation mit Lehrpfad

Spuren im Sand:320 Millionen Jahre alt

+
Eine neue Geostation am Nationalparkeingang Frebershausen ist eröffnet.

Bad Wildungen-Frebershausen - Abgestorbene Pflanzenteile wehen vom Ufer ins Meer, wo sie von einer starken Strömung über den watt-ähnlichen Boden gezogen werden, Schleifspuren im Schlick hinterlassend. Unspektakulär - wären die Spuren nicht 320 Millionen Jahre später noch zu sehen.

Mögen Schlager ruhig die Vergänglichkeit von Spuren im Sand besingen. Geologen wissen‘s besser. Wegen der beschriebenen 320 Millionen Jahre alten Schleifmarken hat der Geopark am Nationalparkeingang bei Frebershausen (kurz hinterm Hofcafé, auf der gegenüberliegenden Straßenseite Richtung Gellershausen) einen neuen Lehrpfad und eine Sta-tion mit Info-Tafel eingerich-tet. Beides ermöglicht Gästen den Blick in eine unvorstellbar weit zurück liegende Vergangenheit der Erde.

„Wie in einer Zeitmaschine“, meinte Norbert Panek vom Landkreis, einer der Väter des heimischen Geoparks, bei der offiziellen Eröffnung der Station am Dienstag. In Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung wurde ein früherer Steinbruch vom Bewuchs befreit, so dass der Blick un-gehindert auf den Steilhang mit den Hinterlassenschaften aus der Urzeit fällt. Von rechts unten nach links oben verlaufen über Meter hinweg deut-lich erkennbare Linien, wie mit dem Lineal gezogen.

Die am Meeresgrund treibenden Reste urtümlicher Pflan-zen gruben die Linien einst in den Schlick, neue Sedimente legten sich darauf, Schicht um Schicht, bis sich alles über endlos scheinende Zeiträume hinweg zu Stein verdichtete. Am Ende der Linien wurden bei Erkundungen Fossilien der Pflanzenreste gefunden.

In jener fernen Zeit gab es einen einzigen Riesenkontinent auf der Erde: Gondwana. „Einmalig in der Erdgeschichte. Später drifteten die Kontinentalplatten auseinander, bis die uns heute bekannten Erdteile entstanden waren“, erklärt der Geologe Professor Dr. Ulrich Hain (Göttingen). Diese Vergangenheit lässt sich daran ablesen, dass in Mitteleuropa die gleichen Gesteine und Fossilien gefunden werden, wie etwa in den argentinischen Anden. Heute Tausende Kilometer voneinander entfernte Gegenden lagen vor 320 Millionen Jahren dicht beisammen, erläutert der gebürtige Wildunger, der als Junge schon in dem Frebershäuser Steinbruch umherstreifte.

Urtümliche Vegetation überzog Gondwana mit Grün: Bäume und andere Blütenpflanzen gab es noch nicht. Farne, Schachtelhalme oder Bärlappgewächse beherrschten die Szene, bildeten Wälder mit Höhen bis zu 25 Meter. Ihre Verwandten von heute sind kleiner, wachsen aber im und am Frebershäuser Steinbruch oder in der Nähe. Auch das ein Thema für die Informations-tafel der Geostation.

Irgendwann in der Erdgeschichte fiel der Meeresboden trocken. Kräfte aus dem Erdinneren hoben ihn nach oben, falteten ihn auf und machten ihn zu einem Teil der heimischen Mittelgebirgslandschaft von heute.

Schade nur, dass die Schleifspuren, nachdem sie Millionen von Jahren überstanden, allmählich von der Wand abplatzen und zerbröseln. Fotos aus den 1960er Jahren beweisen, dass sich die Spu-ren früher über die gesamte Wand erstreckten. Heute sind sie nur noch in größeren Teilbereichen zu erkennen.

„Wasser läuft hinters Gestein, und Frost lässt die Oberflä-che mit der Zeit abplatzen“, erklärt Achim Frede vom Nationalpark.

Es gibt einen Weg, die Zeugnisse aus der fernen Vergan-genheit für die Nachwelt nicht allein auf Fotos zu erhalten, sagt Ulrich Hain: „Einen Ab-guss davon machen und diesen hier ausstellen“, - eine Aufgabe für die Kooperations-partner Geopark und Nationalpark

Hintergrund

Zum ersten Mal arbeiten der Nationalpark und der Geopark bei dem Projekt in Frebershausen zusammen. Der eine schützt, was auf der Erde wächst, kreucht und fleucht, der andere, was unter der ?Erdoberfläche liegt. Beide haben die Absicht, diese Kooperation auszubauen. „Der neue Pfad passt hervorragend in ?unser Wegekonzept“, sagt Nationalparkleiter Manfred Bauer.

Der Nationalpark ist verpflichtet, seine Wege verschiedenen Themen zu widmen, um seinem Bildungsauftrag nachzukommen. „Die Geologie fehlte bisher im Repertoire“, fügt Bauer hinzu. Zusätzlich könnte der Pfad den Frebershäusern einen lang ?gehegten Wunsch erfüllen: das Hofcafé Richtung Gellershausen direkter an den Nationalparkeingang anzubinden.

Der Pfad soll als Rundweg vom Café aus ins Schutzgebiet hineinführen. Einziges Problem: Der Eingang liegt runde 100 Meter vom Café entfernt Richtung Gellershausen, auf der ?gegenüberliegenden Seite der Straße.

Damit es nicht zu Unfällen kommt, möchten die Straßen- und Verkehrsbehörden aber nicht, dass die Wanderer diesen schlecht zu übersehenden Abschnitt der Straße entlang laufen oder sie in diesem Bereich überqueren. Letzteres soll nur direkt am Café geschehen. Nationalpark und Geopark hoffen nun, dass die Stadt Bad Wildungen einen Pfad auf der anderen Straßenseite vom Café zur neuen Geostation am Nationalparkeingang anlegt. Dazu müsste sie aber vorher Land ankaufen. Von der Stadtverwaltung war am ?Dienstag niemand dabei.(su)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare