Wasser abgelassen für späteres Ausbaggern

Stadt entschlammt Wildunger Waldhausteich - nicht alle Fische ließen sich vorher retten

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Knochenjob: Tonnenweise Schlamm liegt am Teichgrund. Bevor der Morast zum Trocknen zwecks späteren Ausbaggerns liegen bleibt, muss Müll daraus entsorgt werden; von Plastikeimern bis zu Feuerlöschern. 

Bad Wildungen – „Schweinerei!“, „Unfassbar“. So oder ähnlich lesen sich Kommentare in den so genannten sozialen Netzwerken zum Ablassen des Waldhausteiches.

Sterbende und tote Fische brächten Kinder zum Weinen, heißt es unter anderem. Anwohner sind aufgebracht und haben Fischlein aus den verbliebenen Tümpelpfützen herausgeholt, um sie vor dem Verenden zu bewahren. Sie schalteten sogar die Polizei ein wegen Tierquälerei.

Stellvertretender Bürgermeister Hartmut Otto erläutert auf Nachfrage den Hintergrund der Arbeiten: Wegen Verschlammung wurde der Teich abgelassen. Zuvor fingen Beschäftigte der Stadt möglichst viele Fische mit Keschern heraus und siedelten sie in den Sonderteich um.

Die Männer haben zwar Verständnis für die Kinder, fühlen sich von Anwohnern aber zu Unrecht an den Pranger gestellt. Denn niemand spreche von der vorgeschalteten Rettungsaktion.

Tiere, die sich in Schilf und Schlamm verstecken oder die so klein sind, dass sie durch die Maschen der Kescher schlüpfen, haben keine Chance zu überleben. Allerdings dienen sie ihrerseits, wie es während der Dürre voriges Jahr auch an Flüssen zu beobachten war, Vögeln, Waschbären und anderen hungrigen Mäulern als Nahrung zum Überleben.

Ein heimischer Fischer mit Jahrzehnte langer Berufserfahrung bestätigt auf Nachfrage: Niemals ließen sich alle Fische in so einem Fall einfangen und retten. Würde die Verwaltung den Teich nicht entschlammen und sanieren, wären die Folgen für Pflanzen und Tierwelt auf Sicht weit verheerender. Das Gewässer würde ökologisch umkippen und der Tierbestand an Sauerstoffmangel eingehen. 

Die Anwohner kritisieren aber nicht nur das Ablassen selbst, sondern auch das Timing. Denn nicht nur Fische litten darunter, sondern auch die Enten mit ihrem Brutgeschäft oder Amphibien zur Laichzeit.

Die Stadt hat den Zeitpunkt jedoch aus einem sachlichen Grund heraus gewählt. Denn der Schlamm soll über die Sommermonate austrocknen, so dass er zum Spätsommer/Herbst ausgebaggert werden kann. Dann lässt das Bauamt auch die Uferzonen prüfen und bei Bedarf sanieren. Während der gesamten Zeit sind die Wege direkt am Teich zur Sicherheit fürs Publikum gesperrt.  rü/su

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