WLZ-Viertelfinal-Fan-Arena an der Wildunger Königsquelle

Die Steine einfach weggehauen

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- Sie werden doch nicht wie 2004, die Griechen...? Nein, Optimismus pur herrscht bei den Wildunger Fans, die am Freitag-Viertelfinal-Abend zum zweiten Mal den Festplatz Königsquelle füllen.

Bad Wildungen. Von der angespannten, leisen Unsicherheit, wie noch beim Match gegen die Dänen, ist nichts zu spüren. Keine(r), der oder die nicht auf einen Sieg der deutschen Nationalelf setzte, auch nicht die heimischen Griechen, die gemeinsam mit den zahlreichen schwarz-rot-goldenen Nachbarn ein Fußballfest feiern und zumindest auf eine gute Leistung ihrer Hellenen hoffen. 20.45 Uhr.„Das nächste Ziel ist Warschau – Halbfinale“, gibt Reporter Bela Réty die Parole von der LED-Wand aus und der Paukenschlag von Jogi Löw bei der Aufstellung nährte die Siegesgewissheit der deutschen Fans obendrein. Erste Riesenchance in der zweiten Minute, ein erstes AAAH geht durch die Wildunger Reihen. Der Riesenjubel folgt eine Minute später – gefolgt von Ernüchterung. Abseitstor von Klose. Die Zuversicht wächst mit jeder Sekunde. Und sie dürfen, sollen heute schießen, auch aus der zweiten Reihe. Warten, warten, warten. 11. Minute, Chance für Marco Reus, daneben. Die Anspannung kehrt zurück – zu den Fans in der Arena. 20 Minuten vorbei, die ernsten Gesichter bei den Fans häufen sich, obwohl ihr Team immer wieder Lücken im griechischen Abwehrbollwerk findet. Die anderen lassen den Hurra-Fußball von 2010 nicht mehr so einfach zu. Es ist das erwartete Geduldsspiel, „wie Steine hauen“, wirft Réty den Zuschauern zu. Kollektives Entsetzen – Özil lässt die Riesen-Einschusschance aus, kurz danach die nächste Möglichkeit. Die Wildunger Reihen werden wieder munterer und langsam müssen sich die Griechen fragen lassen, wie lange das noch gut gehen soll. Von wegen, 32. Minute, die erste richtige Chance der Griechen. Wenn du sie vorne nicht reinmachst... Das Phrasenschwein lässt grüßen, aber es hat oft eben Recht, ist bangen Mienen der Wildunger Fans abzulesen. 38. Minute: Jaaaaaaaa! Wilde- und Bornebachtal beben unter dem Jubel der Erleichterung. „Da isser wieder“, Philipp Lahm, nach innen gezogen und abgezogen, Vollspann getroffen, am Rücken des Schalkers Papadopoulos vorbei. Der Torwart wackelt einmal mehr, lässt den Ball von der linken Handfläche ins linke Toreck durchschlüpfen. Durchpusten. Mit dem 1:0 jetzt in die Pause bitte, noch gut fünf Minuten. Sie waren schneller als die Portugiesen gestern. 47. Schürrle!!! Jaaaa!? Nein! Außennetz, gibt’s nicht, die ganze Fan-Arena hat die Kugel im Tor zappeln sehen. Halbzeit. 10 Minuten nach Wiederanpfiff passiert fast nichts – bis zur 55. Minute. Eis‑kalte Dusche. Ein Konter, ein Pass nach innen, Samaras ist da. Ausgleich. Schockstarre in der Arena. Steine hauen. Die griechischen Fans sehen das erhoffte, von Kampf und Einsatzwillen geprägte Spiel ihres Teams, das sich selbst dafür mit dem Ausgleich belohnt. Bis zur 62. Minute, Khedira im Strafraum, volley in die Maschen. Ein einziger Schrei der Erleichterung in der Arena. Nicht nachlassen, flehen die Wildunger mit Bela Réty. Gekas, Gekas, drüber, Warnschuss. Ein klasse Viertelfinale, weit weg vom müden Kick zwischen Portugal und Tschechien. Die Stimmung in der Arena steigt. Das junge deutsche Team bemüht sich nachzulegen. Kloseeeeeee, 68. Minute, 3:1, die Steine bröseln, jetzt geht die Post ab. Das bringt vielleicht Ruhe ins deutsche Spiel, wie der Reporter meint, aber mächtig freudige Unruhe in die Fan-Arena. Die Zweifel wie weggeblasen, jetzt packen wir´s. Und wie! 74. Minute. Reus bucht Halbfinale, Weltrekord und Autokorso, hämmert den Ball aus rund 18 Metern aus halblinker Position von der Strafraumecke ins griechische Tor. 4:1. Ooooooh wie das schöööön, singt das Danziger Stadion und die Wildunger schwenken ihre Fahnen dazu. Die Sensation bleibt aus, ein Fußballfest für beide Seiten war´s trotzdem. Die Griechen verabschieden sich erhobenen Hauptes aus dem Turnier mit Salpingidis´ verwandeltem Handelfmeter zum 2:4. Tschüs Hellas.Auf Wiedersehen zum Halbfinale in der Korbacher WLZ-Arena am Donnerstag heißt es für die begeisterten Waldecker Fans.

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