Im Kampf gegen die Osmanen für Venedig:

Das Sterben des Waldecker Grafen Josias II. auf Kreta

+
Auf der Jahreshauptversammlung der „Gemeinschaft der Freunde von Schloss Friedrichstein“ (von links): Vorsitzender Peter Schultheis, Referent Dr. Peter Witzel (Korbach) und Museumsleiter Bernhard Weller mit der Ausgabe des Josias-Tagebuch s aus der Lorenz-Stiftung.

Bad Wildungen – Dr. Peter Witzel aus Korbach war bei den „Freunden von Schloss Friedrichstein“ mit einer Bildpräsentation über das Leben und Sterben von Josias II zu Waldeck „88 Tage auf Kreta“ zu Gast.

Der Referent zeichnete auf der Jahreshauptversammlung der Gemeinschaft ein ausführliches Bild des Waldecker Grafen und ging auf dessen Teilnahme am venezianischen Krieg im Kampf gegen die Osmanen auf der Insel Kreta ein.

Über diese ist viel bekannt, weil Josias einen seiner Bediensteten beauftragt hatte, ein Tagebuch zu schreiben, das bald nach Ende „von ganz fürchterlichem Kämpfen und einem entsetzlichem Gemetzel“ als Buch gedruckt wurde. Ein Exemplar ist in der Rudolf-Lorenz-Stiftung erhalten.

Nach einem Hilferuf der freien Reichshauptstadt Venedig, ihr bei der Verteidigung ihrer Insel Kreta zur Seite zu stehen, machten sich eine Reihe von Regimentern aus Europa auf. Im Jahre 1669 rückte Josias II von Waldeck als Generalmajor mit drei Regimentern aus. Deren Soldaten – auch aus Wildungen und Züschen – kämpften zu Fuß und zu Pferd auf Kreta. Die Überfahrt dauerte wegen stürmischer See 56 Tage und viele Zwischenstopps waren notwendig. Bei einem Stopp auf einer Insel, die Kreta vorgelagert ist, wurde auf einem Marktplatz ein protestantischer Gottesdienst gehalten. Die Liturgie übernahm ein Wildunger Pfarrer, und „das war wohl der erste protestantische Gottesdienst, der in Griechenland abgehalten wurde“, heißt es im Tagebuch. Während der Kämpfe wurde Josias II mehrmals verschüttet und erlitt einige Schussverletzungen. Mitte Juli schließlich traf den Grafen ein Granatsplitter und verletzte ihn so schwer, dass Josias am 8. August 1669 verstarb. Seine letzten Worte waren „post nubila phoebus“ und entsprechen dem geflügelten Wort „Auf Regen folgt Sonne“. Einem Sekretär diktierte Josias II auf dem Todesbett: „Wenn es Gott haben wollte, möchte ich noch gern etwas länger leben, meiner Gemahlin zum Trost und meinen Untertanen zu Nutz, auch zum Besten und zur Befreiung der von mir hereingeführten armen Landsknechte.“ Die Todesnachricht von Josias II erhielt das Waldecker Fürstenhaus aus der Veröffentlichung in einer venezianischen Zeitung. Der Bote mit der Todesnachricht war unterwegs erkrankt und kam erst nach vier Wochen in Arolsen an. -szl-

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare