Zukunft des Naturschutzprojektes Kellerwald-Region

Stiftung für die Folgekosten

+
Dr. Gero Hütte-von Essen (Mitte), Forstamtsleiter Vöhl, führt die Vertreter der Stadt Waldeck und der Stadt Lichtenfels durch den Wald am Schlossberg in Waldeck. Foto: Lutz Benseler

Waldeck - Wer zahlt die Folgekosten, wenn die Förderung ausläuft? Kommunalpolitiker aus der Region blicken kritisch auf das Naturschutzgroßprojekt Kellerwald-Region.

Mit dem 2005 gestarteten Naturschutzgroßprojekt soll das Naturerbe des Kellerwaldes gesichert und entwickelt werden. Konkret geht es um die Kulturlandschaft um Frankenau und das Wesetal, die Steilhänge am Edersee, den Hohen Keller und Flächen im Nationalpark. Insgesamt haben die Naturschützer ein Budget von sechs Millionen Euro für ihre Maßnahmen. Doch was passiert, wenn die Förderphase im Dezember 2015 ausläuft?

„Sehen noch keine Lösung für die Zukunft“

Skeptisch haben Kommunalpolitiker aus der Region die Folgekosten des Projekts im Blick: „Wir sehen noch keine Lösung für die Zukunft“, sagte Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann am Freitag beim Waldbegang von Lichtenfels, Waldeck, Edertal und der Forstbetriebsgemeinschaft Stadt Waldeck, der rund um den Waldecker Schlossberg führte.

Offen sei beispielsweise die Frage, wer die Beweidung der Magerrasenflächen am westlichen Stadtrand von Waldeck in Zukunft übernehme und bezahle. Feldmann schlägt deshalb vor, etwa eine Stiftung zu gründen. Deren Kapital könne aus dem Budget des Großprojektes eingebracht werden. Feldmann: „Man könnte beispielsweise zwei Millionen von den sechs Millionen Euro abzwacken.“

Kritisch bewerteten die Kommunalpolitiker auch eine mögliche Zertifizierung des Domanialwaldes nach den strengen Kriterien der Organisation Forest Stewardship Council (FSC). Der Standard sehe unter anderem vor, generell fünf Prozent der FSC-Flächen (ab 1000 Hektar) als Referenzflächen stillzulegen, erklärte Dr. Gero Hütte-von Essen, Leiter des Forstamtes Vöhl. Wegen der geforderten größeren Abstände zwischen den Rückeerschließungslinien sei der Einsatz von Harvestern nur eingeschränkt möglich, mehr Handarbeit sei notwendig.

Das Domanium sei noch in der Entscheidungsphase, erklärte Rolf Kaufmann, Direktor der Waldeckischen Domanialverwaltung. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen müsse noch überprüft werden. „Die Entscheidung darf nicht übers Knie gebrochen werden. Denn wir brauchen auch den Ertrag aus dem Wald, um unsere Schlösser zu erhalten und zu bewirtschaften und auch die Kommunen wollen eine Ausschüttung“, sagte Kaufmann.

Hütte-von Essen erläuterte an vier Stationen auf dem Waldbegang außerdem die Begriffe Naturpark, Nationalpark und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Letztere definiere typische Landschaftsformen und natürliche Lebensgemeinschaften. Anders als bei einem Naturpark oder Nationalpark stehe nicht Schönheit oder Seltenheit im Vordergrund, sondern die Repräsentativität.

Von Lutz Benseler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare