Öffentliche Toiletten können zu Aushängeschild oder Peinlichkeit für gästeorientierte Städte werden

Stille Örtchen liefern Gesprächsstoff

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Bad Wildungen - Von Unbehagen über Ekel bis zu Angstgefühlen: Öffentliche Toiletten haben ein schlechtes Image und liefern regelmäßig Gesprächsstoff.

Drei Viertel der Deutschen empfinden es als „sehr unangenehm“, ein öffentliches WC zu benutzen. 60 Prozent der Männer und fast 90 Prozent der Frauen denken so. Fast jede zweite Frau glaubt überdies, sich an dem ungeliebten Örtchen rasch eine Blaseninfektion einzufangen. Das ermittelte ein Marktforschungsinstitut vor eineinhalb Jahren im Auftrag der Apotheken-Umschau. Unabhängig davon, ob die Angst vor Ansteckung berechtigt ist, belegt die repräsentative Untersuchung im Umkehrschluss, dass eine Kur- und Gästestadt wie Bad Wildungen mit sauberen, einladenden Toilettenanlagen bei Touristen punkten kann. Bad Wildungen unterhält sehr viele öffentliche WCs Tut sie das? Und wo liegen die Probleme im Umgang mit dem sperrigen, aber unvermeidlichen Thema? Bad Wildungen weist eine Menge öffentlicher Toiletten auf, „im Verhältnis zur Einwohner- und Gästezahl mehr als die weitaus meisten Städte“, ist Bauamtsleiter Klaus Weidner überzeugt. Die Tradition der Urologie-Historie wirkt nach. Im Bestand finden sich junge WCs, die hohen bis höchsten Ansprüchen genügen, wie die in der Wildunger Wandelhalle oder im Landesgartenschaugelände. Der Gast betritt die Schattenseite der Wildunger Schüssel- und Beckenlandschaft ausgerechnet entlang der Brunnenallee, der Meile, die zum Promenieren einladen soll. Etliche mit dem Charme überalterter Bahnhofsklos Die Anlage am Reisebus-Parkplatz verströmt den Charme einer überalterten Bahnhofstoilette. Sie zählt zu den ersten Eindrücken manches Tagestouristen von der Stadt. Noch trauriger präsentiert sich die Anlage wenige hundert Meter weiter auf der kleinen Allee. Eine der Anlagen auf der Allee scheint überflüssig Gestern hat Klaus Weidner dem Magistrat vorgeschlagen, auf dieses öffentliche WC (gegenüber dem „Alleeschlößchen“) zu verzichten. „Eine dringend notwendige Sanierung wäre viel zu teuer, wir haben uns erkundigt“, erklärt er auf WLZ-FZ-Anfrage. Der Bauamtsleiter sieht gute Gründe, das System der öffentlichen Toiletten in der Stadt generell zu überdenken. Deutlich weniger Anlagen, diese dafür aber in einem Top-Zustand; das wäre aus Weidners Sicht ein richtiger Ansatz. Die Urologie spiele im modernen Wildunger Reha-Wesen schließlich nicht mehr die dominierende Rolle von einst, meint er mit Blick auf das zu große Angebot. Zugleich richten sich sehr hohe Ansprüche an heutige Toilettenanlagen: von der Hygiene über moderne Technik bis hin zur Barrierefreiheit. Der Bauhof säubert die stillen Orte; eine seiner vielen Aufgaben. Die Stadt hat prüfen lassen, was eine Vergabe an ein Privatunternehmen kosten würde. Ergebnis: einen sechsstelligen Euro-Betrag; ebenfalls viel zu teuer. Hersteller versprechen wartungsarme Lösungen Weitere Belastungen verursacht der Vandalismus. In der Anlage, die Weidner schließen möchte, „mussten wir zeitweise im monatlichen Rhythmus eingeschlagene Scheiben ersetzen“, berichtet er. WCs im Landesgartenschaugelände wurden wegen dieses Problems schon vorübergehend abgesperrt. Ein schwacher Trost: Die menschlichen Bedürfnisse bereiten beinah jeder Stadtverwaltung vergleichbares Kopfzerbrechen. Spezialisierte Hersteller offerieren deshalb wartungsarme, selbstreinigende WC-Module, die Vandalen überdies kaum Angriffsflächen bieten. In Lemgo wischt der Marketing-Verein Je nach Beanspruchung sollen zwei bis drei Putz-Einsätze durch Personal pro Jahr reichen. Nicht selten ist das Betreten dieser Klos an einen Eintritt gekoppelt oder sie öffnen gar nach einer ausreichenden Schamfrist automatisch die Tür, so dass ihrem Missbrauch weitestgehend der Riegel vorgeschoben ist. Einen anderen Weg schlägt im kostenbewussten Lipperland die Stadt Lemgo ein, für die Tagestouristen eine wichtige Zielgruppe darstellen. Dort hat der private Verein Lemgo-Marketing nach Beschwerden von Gästen und Einheimischen die Pflege der öffentlichen Toiletten übernommen.Einen Schritt weiter Richtung privates Engagement gehen mehr als 150 Kommunen in Deutschland unter Überschriften wie „Nette Toilette“ oder „Freundliche Toilette“. Gastronomen, die ein solches Siegel führen, stellen ihre WCs zur öffentlichen Benutzung bereit, als Zeichen der Gastfreundschaft und Werbung fürs eigene Haus und die eigene Stadt. (su)

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