Strümpfe für ungeliebte DSL-Masten

Strick-Guerilla Giflitz greift ein

Edertal-Giflitz - Allerorten im Waldeck-Frankenberger Land empören sich Menschen mit Sensibilität fürs Erscheinungsbild ihres Dorfes über die hässlichen Masten der Telekom-DSL-Luftleitungen.

Da wollte die Landesregierung mit ihrem Förderprogramm vor der Wahl im nächsten Jahr schnell noch einen Coup setzen und dann das: Statt purer Dankbarkeit der lange von der modernen Medienwelt Ausgeschlossenen schlägt ihr für das Projekt die Kritik der Ästheten entgegen.

Da hilft auch der Hinweis nicht, dass derartige Versorgungsleitungen in den USA gang und gäbe sind. Rund um den Buchenwald-Nationalpark und den Edersee wollen die Bewohner bei den Touristen nicht als Hinterwäldler aussehen, weil die Straßen plötzlich wieder anmuten wie weiland in den 1950er-Jahren.

Giflitzer Bürgerinnen und Bürger, die nicht genannt werden wollen - „man weiß ja nie, ob so was strafbar ist“ - haben nun in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Not eine Tugend gemacht. Mögen die Masten bei Dämmerung und Dunkelheit noch wie alle Katzen grau erscheinen. Sobald die Wintersonne aufgeht, strahlen mehrere der Kabelbäume in farbigstem Kleid.

Die Giflitzer Strick-Guerilla hat den Masten ebenso wärmende wie schmückende Strümpfe gefertigt und angepasst. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass die langen Rundhölzer teilweise „auf gut Waldeckisch schepp gesetzt sind“, wie einer der Kunsthandwerks-Aktivisten betont. Schaue der Betrachter die Gif­litzer „Allee“ entlang, ragten die Masten praktisch kreuz und quer gen Himmel auf.

Wenn die DSL-Kabel schon oberirdisch verlegt werden, hätte die Telekom sie wenigstens an vorhandenen Einrichtungen befestigen können, etwa an Straßenschildern, meinen die Strickwütigen.

Sie fragen sich obendrein, ob durch die Schlaufen, in denen die Kabel immer wieder gelegt sind, nicht „Biegeverluste“ bei der Übertragung des Lichtsignals auftreten.

Möglicherweise bleibt die friedfertige, farbige Attacke der Strick-Guerilla nicht die einzige Antwort auf das „Rasch und günstig“-Konzept von Landesregierung und Telekom. „Es gab noch zahlreiche andere Ideen, die Masten zu gestalten“, verrät eine Stimme aus der Maschen-und-Nadel-Fraktion.

Mit angeheftetem Tannengrün beispielsweise hätten die künstlichen Stämmchen passable Weihnachtsbäume abgegeben, erst recht, wenn die Kabel mit passenden Lichterketten versehen worden wären. Eine weitere Alternative: Über angehängte Lautsprecher könnten täglich aktuelle Durchsagen an die Dorfbevölkerung übermittelt werden.

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