NABU-Kreisverband verlangt Verlegung der Trasse Rücksichtnahme auf Naturschutz

Stromtrasse im Westen würde Abertausende von Zugvögeln gefährden

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Bad Wildungen/Edertal - Die Vertreter aller Ortsgruppen im NABU-Kreisverband haben eine Resolution verabschiedet gegen den Verlauf der SüdLink-Stromtrasse auf der westlichsten aller möglichen Varianten und damit über Wildunger und Edertaler Gebiet.

„Der NABU hat sich immer für die Nutzung der Windkraft ausgesprochen“, betont Kreisverbandsvorsitzender Heinz-Günther Schneider. Der Naturschutzbund unterstütze auch das Ziel der Landesregierung, 2 Prozent der Fläche in Hessen für Windkraft zur Verfügung zu stellen. „Aber Schutzgebiete sollten dadurch weitestgehend nicht beeinträchtigt werden“, fügt Schneider hinzu.

Gegen dieses Prinzip verstößt die westliche SüdLink-Variante aus Sicht des NABU in eklatanter Weise. Die Sorge heimischer Politiker und Vogelschützer gilt auch dem massiv öffentlich geäußerten Protest im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis. Gehen die Genehmigungsbehörden den Weg des geringsten Widerstandes, statt kompromisslos auf Sachebene zu entscheiden, könnte der „Tourismusregion Nummer eins in Hessen mit Hessens einzigem Nationalpark“ die Rolle des Ausputzers zufallen, weil sie sich nicht drastisch genug wehrt, lauten Befürchtungen langjährig in der Politik Tätiger.

Der Naturschutzbund seinerseits führt Zahlen und Fakten gegen die westlichste Variante ins Feld. Der mögliche Trassenverlauf längs durch den „Langen Wald“ durchschneide eines der größten geschlossenen Waldgebiete im Kreis. Dort müsste Wald auf einer Breite von rund 100 Metern gerodet werden.

Im Bereich Edertal-Böhne bis Edertal-Bergheim kreuzt der Trassenverlauf mit seinen 70 bis 80 Meter hohen Masten, die im Abstand von 300 bis 400 Metern stehen, einen der bedeutendsten Vogelzug-Korridore inWaldeck-Frankenberg. Der in Süd-West-Richtung verlaufende Korridor führt zu den EU-Vogelschutzgebieten „Kellerwald“ und „Altes Feld bei Dainrode“. Die westliche Trassenvariante würde deren Bedeutung als überregional wichtige Rastplätze beeinträchtigen, unterstreicht Heinz-Günther Schneider: „Wir haben es besonders beim Kranichzug in diesem Jahr erlebt, dass die Vögel bei Nebel-Wetterlage tiefer fliegen oder niedergehen.“

Von der Schwedenschanze aus hätten NABU-Mitglieder als Spitzenwerte beispielsweise 13465 Kraniche am 19. Oktober 2013 oder 292 Rotmilane am 26. Oktober 2012 oder 577 Wespenbussarde am 29. August 2010 gesichtet.

Zwischen Bergheim und Anraff würde die Trasse das streng geschützte FFH-Gebiet „Untere Eder“ und das EU-Vogelschutzgebiet Ederauen überspannen. Außerdem sei das Naturschutzgebiet „Ederauen zwischen Bergheim und Wega“ betroffen. Die Erfahrungen mit vielen verendeten und verletzten Großvögeln an einer 380 Kilovolt-Leitung im Bereich des EU-Vogelschutzgebietes „Stausee von Affoldern“ zeigten, dass die SüdLink-Stromtrasse einen erheblichen Eingriff in die Schutzgebiete der Ederauen darstellen würde, ergänzt der Edertaler NABU-Vorsitzende Wolfgang Lübcke. Betroffen wären die Erhaltungsziele der Brutvogelarten wie Weißstorch oder von Zug- und Rastvogelarten, darunter Fischadler, Singschwan und Zwergsäger.

Die West-Trasse durchschneide den Naturpark Kellerwald-Edersee und führe in unmittelbarer Nähe am Nationalpark Kellerwald-Edersee vorbei. Besucherbefragungen, wie zuletzt das Besuchermonitoring im Nationalpark ,bewiesen demgegenüber, dass Naturerlebnis für die Gäste der Region von herausragender Bedeutung sei. Der Anblick der Trasse könne daher den Tourismus deutlich beeinträchtigen, fürchtet der NABU.

Von Matthias Schuldt

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