Zufall führt Wildunger mit Ex-Austauschschüler zusammen

Taxifahrt mit Überraschung

Bad Wildungen - Die Welt ist klein. Das wird einem Ehepaar aus Bad Wildungen klar, das zum Ausklang einer erlebnisreichen Kreuzfahrt im Mittelmeer das französische Städtchen Bordeaux erkunden will.

Schmuckdesignerin Silke Schmutzler ist wieder einmal mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs und verkauft an Bord selbst kreierten Schmuck. Diesmal schippert sie auf der „Azamara Quest“ um die iberische Halbinsel. Mit dabei ist ihr Ehemann Christian Nagel. Bezaubernde Städtchen werden bei Landausflügen erkundet. Tarragona im Süden von Katalonien und Malaga an der malerischen Costa del Sol haben ihre ganz besonderen Reize. Auch in Gibraltar, Porto und Lissabon geht das Schiff vor Anker. „Das Beste war A Coruña“, schwärmt die Bad Wildungerin. Das ist die letzte Station für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Und da will Schmutzler unbedingt hin. „Die Atmosphäre war einfach toll“, ist die Kreuzfahrerin noch immer überwältigt von der alten Pilgerstätte mit der beeindruckenden Kathedrale, wo gerade ein Gottesdienst stattfindet. „Nachdem ich weiß, dass es am Jakobsweg so viele Hotels gibt, würde ich sogar auch pilgern gehen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Aber zunächst genießt sie die Kreuzfahrt mit allen Annehmlichkeiten einer schwimmenden Stadt und hat auch beruflich in ihrem schwimmenden Schmuckladen allerhand zu tun. An Bord sind 690 Passagiere aus Australien. „Da haben wir Schmuck verkauft, von dem ich niemals dachte, dass der bei den australischen Gästen ankommt – nämlich Opale.“ Australien hat bekanntlich eines der größten Opalvorkommen in der Welt. Zum Ausklang der Kreuzfahrt will Schmutzler zusammen mit ihrem Ehemann das französische Städtchen Bordeaux erkunden. Auf der Fahrt ins Hotel kommen die Eheleute mit dem Taxifahrer ins Gespräch. Wo das Paar herkomme, will er wissen. „Aus Nordhessen“. – „Ach ja, wo denn da?“ – „In der Nähe von Kassel.“ – „Wie heißt denn die Stadt?“ Die Badestädter outen sich: „Bad Wildungen“. Da verschlägt es Fahrer und Fahrgästen beinahe die Sprache. „Ich war als Austauschschüler dort“, berichtet der Franzose. Seit zehn Jahren chauffiere er als Taxifahrer Gäste durch Bordeaux, aber Wildunger waren bislang noch nie dabei. Bei einer Familie am Langen Rod habe er damals gelebt. „Tatsächlich?“, ist Silke Schmutzler verblüfft, „da habe ich früher auch gewohnt.“ Schnell werden Adressen ausgetauscht. Zurück in Bad Wildungen ist die Zufallsbegegnung in Frankreich eine Riesenüberraschung für Familie Vogt, damalige Gastgeber des jungen Mannes. Sohn Karsten, der heute in Wiesbaden lebt, hatte 1983/84 an der Schule Breiter Hagen einen Brieffreund aus der Partnerstadt Isigny Sur Mer. Der junge Franzose Lionel Loyer war zweimal in Wildungen und sein Freund Karsten zu Gegenbesuchen in der Normandie. Irgendwann schliefen die Kontakte ein. Die Taxifahrt eines Wildunger Paars hat einer alten Freundschaft wieder neuen Schwung gegeben. „Ein toller Zufall – 30 Jahre später“, sagt Karsten Vogt (46) überrascht. „Wir haben uns schon gemailt und alte Fotos ausgetauscht“, freut sich der Ex-Wildunger über ein Lebenszeichen seines Jugendfreunds.Vogt ist heute verheiratet und Vater einer vier Jahre alten Tochter. Die Kinder von Lionel sind schon älter. Deswegen hofft Vogt auf ein baldiges Wiedersehen in der Badestadt. „Ich habe ihn eingeladen nach Bad Wildungen und freue mich riesig, wenn das bald klappen würde.“ Von Conny Höhne

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