Trotz Wehmut „ja“ zu Abriss

Keine Rettung für das Bad Wildunger Kurhaus

Der Kurhaus-Komplex: Badehaus und Therapeutikum werden abgerissen, auch ein Komplettabriss ist nicht mehr abwegig, wenn Investoren Pläne ohne Bestandsgebäude umsetzen wollen.
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Der Kurhaus-Komplex: Badehaus und Therapeutikum werden abgerissen, auch ein Komplettabriss ist nicht mehr abwegig, wenn Investoren Pläne ohne Bestandsgebäude umsetzen wollen.

Nach jahrelanger Diskussion scheint die Zukunft des neuen Kurhauses endgültig besiegelt.

  • Das Bad Wildunger Stadtparlament beschloss am Montagabend in der Wandelhalle einmütig den Abriss von Badehaus und Therapeutikum auf dem Kurhausgelände.
  • Künftig steht auch einem Komplettabriss nichts mehr im Wege. Der Magistrat wird ermächtigt, potentiellen Investoren den Abriss des Kurhausgebäudes sowie des Lesesaals oder Teilen davon anheim zu stellen .
  • Einen Hoffnungsschimmer gibt es zur Wiederinbetriebnahme der Tiefgarage im Kurhaus, die in 2012 aus Brandschutzgründen geschlossen wurde

Bad Wildungen - Das Stadtparlament beschloss am Montagabend einmütig den Abriss von Badehaus und Therapeutikum.

Künftig steht aber auch einem Komplettabriss der Immobilie nichts mehr im Wege. Nach heftigem Schlagabtausch wurde mehrheitlich besiegelt: Potentielle Interessenten haben freie Hand.

Keine Sanierung ohne Nutzungskonzept

Abgeordnete nutzten vor einigen Tagen noch einmal die Gelegenheit zu einem Rundgang mit einem Architekten, bevor die Entscheidung anstand. Die ist vielen am Montag in der Wandelhalle offensichtlich nicht leicht gefallen.

Vom Charme der einstigen Prachtimmobilie mit Marmor und edler Architektur schwärmt Marc Vaupel (CDU). Eine Sanierung indes sei ohne Nutzungskonzept nicht zu stemmen. Einen Hoffnungsschimmer sieht er für die Wiederinbetriebnahme der Tiefgarage. Eine Hiobsbotschaft habe jedoch überrascht: Durch eine Dehnungsfuge drang Wasser ein.

„Wir werden das Kurhaus nicht retten“

Caroline Tönges (Bündnis 90/Die Grünen) macht ihren Standpunkt klar: „Wir sehen einen Abriss als sinnvoll an, wenn ein Investor da ist, der etwas entwickeln möchte.“ Ihr Fraktionskollege Thomas Buch merkt an, ein Abriss spare rund 10 000 Euro an Sicherungskosten pro Jahr.

Emotionen rufe die Kurhaus-Geschichte vor allem bei den Ältern hervor, beobachtet Stefan Schraps (FDP). „Jüngere gehen damit ganz anders um.“ Es gebe kein nachhaltiges Nutzungskonzept. Auch zu Blütezeiten während der 80-er Jahre sei es nicht rund gelaufen. „Die Gastronomie hat permanent gewechselt und keine Pacht bezahlt.“ Schraps ruft den Abgeordneten zu: „Wir werden das Kurhaus nicht retten – lasst es uns abreißen.“

Badekur wieder im Kommen - neue Chance für das Heilbad

Walter Mombrei (SPD) drängt mit Blick auf die seit Jahren andauernde Diskussion zu zügigen Entschlüssen: „Wir müssen irgendwann Farbe bekennen. Wir wollen eine Entscheidung nicht weiter vor uns her schieben.“

In einer impulsiven Rede drängt Dr. Hans Schultheis (Freie Wähler) auf behutsame Sanierung. Die Badekur als ambulante Vorsorgeleistung sei als Pflichtleistung der Krankenkassen neu geschaffen. Um diese Chance zu nutzen, dürfe der Status als Heilbad nicht geopfert werden, Einrichtungen wie Kurhaus und Kurmittelhaus seien nötig. „Beides erfüllen wir nicht mehr.“

Idee des FW-Chefs: Wildunger Wasser im Kurhaus für die Therapie bei Nieren- und Blasenleiden, Harnwegsinfektionen und Potenzschwäche anbieten. „Ein Kurhaus in dieser einmaligen, besonderen Architektur können wir uns nie wieder leisten, eine Entscheidung über den Abriss hat stadthistorische Bedeutung.“ Claudia Bergmann (FW) fordert auf, mit einer Reaktivierung ein Signal zu setzen, alten Gebäuden neues Leben einzuhauchen.

Vorschlag: Kurhaus als Ort der Kultur neu beleben

Regina Preysing (Die Linke) vermisst den politischen Willen zur Sanierung. „Die Vernachlässigung ist hier beschlossen worden,“ betont sie im Parlament. Bad Wildungen sollte die Chance nutzen, das Kurhaus als Ort der Kultur neu zu beleben und zwar mit Sälen und Lesesaal.

Deren Erhalt hat bei Investoren aus Sicht von Bürgermeister Ralf Gutheil kaum Aussicht auf Erfolg. Das zeigten Gespräche mit drei Projektentwicklern: „Es war keiner dabei, der „Hurra“ geschrien hat und gesagt hat, er könnte sich eine Entwicklung mit bestandsgebundenen Gebäudeteilen vorstellen.“

Änderungsantrag mit mehreren Punkten beschlossen

Zur Beschlussfassung stand am Montag ursprünglich der Abriss von Badehaus und Kurhaus ohne Tiefgarage sowie der Nebengebäude (Therapeutikum und Lesesaal) im Raum. Dazu sollten in 2021 300 000 Euro und im nächsten Jahr 825 000 Euro in den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Staatsbad/Bad Reinhardsquelle aufgenommen werden.

Das wurde nicht so umgesetzt, wie vom Magistrat vorgeschlagen. Das Stadtparlament folgte mehrheitlich einem Änderungsantrag der CDU. Er wurde wie folgt beschlossen:

Der Magistrat wird beauftragt, den Abriss des Badehauses und des Therapeutikums auf dem Kurhausgelände durchzuführen. Dafür stimmten 26 Abgeordnete, vier enthielten sich.

188 200 Euro werden dafür im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Staatsbad/Bad Reinhardsquelle bereitgestellt. Dazu gab es 24 Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und zwei Nein-Stimmen.

Der Magistrat wird beauftragt, Gespräche mit potenziellen Interessenten zu führen mit dem Ziel einer touristischen oder kurbezogenen Nutzung auf dem Kurhausgelände. Der Magistrat wird dabei ermächtigt, den Interessenten auch den Abriss des Kurhausgebäudes sowie des Lesesaals oder Teilen davon anheim zu stellen. Dafür stimmten SPD und CDU, dagegen votierten Linke und Freie Wähler. Das Abstimmungsergebnis: 19 Ja-Stimmen, neun Gegenstimmen, zwei Enthaltungen.

Neue Hoffnung auf Wiederinbetriebnahme der Tiefgarage

Neue Hoffnung keimt auf für die Wiederinbetriebnahme der Tiefgarage. Am 1. Februar 2012 wurde die Garage mit 220 Parkplätzen aus Brandschutzgründen geschlossen. Eine Kostenschätzung für eine Reaktivierung ergab Ende 2015 einen Investitionsbedarf von rund 1 Million Euro.

Der Magistrat soll für die nächste Stadtverordnetenversammlung Details zu den erforderlichen Maßnahmen für eine Inbetriebnahme vorlegen sowie zu möglichen Gesprächen mit den Betreibern benachbarter Kliniken und Hotels hinsichtlich einer Nutzung der Stellplätze. Dafür stimmten 25 Abgeordnete, bei einer Gegenstimme und vier Enthaltungen.

Auf Antrag von Dr. Hans Schultheis erfolgte in allen Punkten eine namentliche Abstimmung. (Cornelia Höhne)

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