Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung legt ihren Abschlussbericht vor

Ursache des Absturzes bleibt ein Rätsel

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Das Segelflugzeug (baugleiches Modell im kleinen Bild) wurde am 12. Juli oberhalb von Nieder-Werbe zu stark zerstört, als das die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung letzte, gesicherte Kenntnisse über die Absturzursache hätte gewinnen können.Fotos: Archiv

Waldeck-Niederwerbe - Gut drei Monate nach dem tragischen Absturz eines Segelflugzeuges in Nieder-Werbe, bei dem der junge Pilot den Tod fand, hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung soeben ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Die Experten konnten die Ursache für den Absturz nicht klären und betonen das in ihrem Bericht: Alleiniges Ziel der Untersuchung sei „die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen.“ Sie diene nicht der Feststellung des Verschuldens.

Die Arbeit an dem völlig zerstörten Modell Rolladen-Schneider/LS 4-a gestaltete sich für die Behörde äußerst schwierig, ist dem Papier zu entnehmen.

Sie listet die gesicherten Fakten auf. Der 22 Jahre alte Pilot startete um 14.35 Uhr im Windenschlepp auf dem Sonderlandeplatz Iserlohn Sümmern zu einem Überlandflug. Nach rund 2 Stunden und 10 Minuten beobachteten Zeugen, wie das Flugzeug oberhalb der Grillhütte Nieder-Werbe „in geringer Flughöhe aus dem Kreisflug in einen sehr steilen Bahnneigungsflug geriet und südlich der Ortschaft auf ein Wiesengelände prallte.“ Der Fachbegriff des Bahnneigungsfluges wird im allgemeinen Sprachgebrauch (Wikipedia) mit „Sturzflug“ übersetzt.

Die Abmessungen und die Tiefe der Spuren an der Unfallstelle hätten gezeigt, dass „das Luftfahrzeug mit großer Längsneigung und Geschwindigkeit aufgeprallt war.“ Den exakten Flugweg des Segelflugzeuges konnten die Fachleute nicht auswerten, weil die sichergestellten Bauteile so stark zerstört waren, dass den Gutachtern das Auslesen der Flugdaten unmöglich war. Sie konnten deshalb auch die Elemente der Steuerung nur eingeschränkt prüfen und ebenso eingeschränkt einen technischen Befund erarbeiten. Die Trümmerteile verteilten sich über einen Streukegel von rund 40 Metern Länge. Fest steht, dass es sich bei dem Flugzeug um ein einsitziges Modell der Firma Rolladen-Schneider des Baujahres 1988 handelte: 525 Kilogramm schwer mit einer Gesamtflugzeit von 2?177 Stunden auf dem Buckel. Es gehörte einem Segelsportverein und wurde zuletzt am 29. März 2014 auf seine Lufttüchtigkeit geprüft.

Anhaltspunkte für ein technisches Versagen erwähnen die Autoren des Berichtes nicht. Zur Unfallzeit herrschte nach ihrer Feststellung gute Sicht von mehr als 10 Kilometern am Boden. Nur wenig Wolken in großer Höhe befanden sich am Himmel, und es war trocken bei 22 Grad Celsius. Der Wind wehte mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten. Bei den Windstärken wird das unter „2“ als „leichte Brise“ eingestuft. So liefert das Wetter ebenso wenig eine Erklärung für den Absturz.

Die Untersuchung des Toten ergab im Gießener Institut für Rechtsmedizin weder Hinweise auf ein Fremdverschulden noch auf ein Gesundheitsproblem als mögliche Ursache für den Absturz. Der junge Mann starb an den Folgen des Aufpralls, hält der Bericht fest. Seit 2010 befand er sich im Besitz einer unbefristet gültigen „Luftfahrerlizenz für Segelflugzeugführer“. Er besaß sowohl die Berechtigung, sich von einem Motorflieger in die Luft schleppen als auch sein Segelflugzeug per Schleppwinde in die Höhe ziehen zu lassen. Sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis galt bis zum 2. August 2016. Auf Segelflugzeugen erwarb der junge Mann eine Erfahrung von rund 200 Flugstunden.

Auf dem Modell, mit dem er abstürzte, absolvierte er 25 Stunden und brachte es in den letzten 90 Tagen vor seinem tödlichen Unfall auf 24 Starts mit dem Flieger. Die Untersuchung des Absturzes ist aus Sicht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung abgeschlossen.

Von Matthias Schuldt

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