Stromausfall in Bad Wildungen: Weitere Hintergründe zum Hilferuf aus dem Kaiserhof, Notstromversorgung, Gastronomie und Geschäften

Die Ursachen und die Folgen des Blackouts

Bad Wildungen - Letztlich glimpflich ist die Kurstadt bei den beiden Feuern vom Mittwoch davongekommen, denn niemand wurde verletzt oder in anderer Form an Leib und Leben geschädigt. Gesprächsstoff liefern die Ereignisse aber auch zwei Tage danach noch.

Teilweise waren Haushalte und Gewerbetreibende in der Altstadt laut Informationen von badestadt.de bis in die Abendstunden von der Stromversorgung abgeschnitten. Ärgerlich und unangenehm, aber nicht bedrohlich. Kliniken oder Pflegeheime mit beatmungspflichtigen Patienten stehen unter einem ganz anderen Druck, wie der Hilferuf des Kaiserhofs an die Rettungsleitstelle des Kreises vom Brand-nachmittag zeigt.Binnen 100 Sekunden nach dem Versagen des Netzes sprangen die zwei Notstromaggregate der Asklepios-Gruppe Bad Wildungen an. „Das ist bei uns protokolliert“, sagt Regionalgeschäftsführer Dr. Dirk Fellermann gegenüber der WLZ-FZ.

Die Aggregate stehen für Notfallsituationen in Helenenklinik, Asklepios-Gesundheitszentrum, Stadtklinik und eben dem nicht zu Asklepios gehörenden Kaiserhof zur Verfügung. Doch aus irgendeinem Grund gelangte die Elektrizität aus den Dieselgeneratoren erst mit Verzögerung im Kaiserhof an. „Die Ursache kennen wir noch nicht, lassen sie aber von unserem Elektriker ermitteln“, erklärt Tanja Wicker-Carciola, gemeinsam mit Heinrich Wollmert Gesellschafterin des Betreuungsheimes Kaiserhof, und fügt hinzu: „Unsere Pflegedienstleitung ging aus diesem Grund auf Nummer sicher und alarmierte die Feuerwehr.“ Gefahr für die beatmungspflichtigen Patienten habe zu keiner Zeit bestanden, „weil die Geräte durch Akkus zusätzlich abgesichert sind, die 20 Minuten lang die Versorgung ohne Stromnetz aufrechterhalten.“In der Stadtklinik habe der Stromausfall zu keinen nennenswerten Störungen im medizinischen Bereich geführt, erläutert Fellermann. Der Fürstenhof verfüge über ein eigenes Aggregat, das ebenfalls planmäßig und reibungslos funktioniert habe. Von dort habe niemand Hilfe angefordert, wie im Rahmen des Feuerwehreinsatzes zunächst vermeldet.

„Wir waren die ganze Zeit arbeitsfähig“, betont Fellermann, „Patienten waren zu keiner Zeit gefährdet.“ Von der Asklepios-Klinik seien auch keine Intensiv-Patienten in andere Krankenhäuser verlegt worden, stellt er klar. Lediglich im IT-Bereich habe es technische Probleme gegeben, die gegen 20.15 Uhr gelöst waren. Die Notstromaggregate würden vom TÜV überprüft und bei regelmäßigen Probeläufen auf einwandfreie Funktion getestet. Im Notfall könnten sie mit einer Tankfüllung Diesel für etwa sechs bis acht Stunden einen Stromausfall überbrücken. Besonders sensible Bereiche der Stadtklinik wie Beatmungsgeräte seien durch Akkus zusätzlich abgesichert, unterstreicht Fellermann: „Die halten zwei Stunden.“ Gerade gewerbliche EWF-Kunden in Bad Wildungen standen vor anderen Problemen. Überall dort, wo Lebensmittel in einer ununterbrochenen Kühlkette gelagert oder transportiert werden müssen, kann ein längerer Stromausfall Schaden anrichten, sofern kein Notstromaggregat bereitsteht. Seit 2004 gilt europaweit eine „betriebliche Eigenkontrollverordnung“, die auch in solchen Situationen greift, teilt Dr. Martin Rintelen mit, Chef der Lebensmittelkontrolle des Kreisgesundheitsamtes. Deutsche Vorschriften und Normen regeln überdies die Branchen: „Diese Verordnungen werden unserer Erkenntnis nach auch eingehalten“, fügt er hinzu.Was sich hinter den Vorschriften verbirgt, erklärt der zertifizierte Hygienefachberater Peter Knaack vom „Backring Nord“: In Geschäften, Gastronomie oder Produktionsbetrieben wie Bäckereien müssen die Verantwortlichen die Temperatur der Lebensmittel messen, überwachen, die Ergebnisse dokumentieren – und nötigenfalls die Konsequenzen ziehen.

Was das bedeuten kann, schildert Johann Hamdorf (Jahrgang 1947), Fachautor für Lebensmittel-Hygieneschulungen und freiberuflicher Dozent an der IHK-Wirtschaftsakademie Rendsburg. Über Jahrzehnte war der ausgebildete Koch und Betriebswirt als Manager tätig für Unternehmen wie die Nordsee-Kette oder Produkte wie Iglo: „Tiefkühlprodukte, deren Temperatur von minus 18 auf minus 14 Grad Celsius steigt, müssen noch am selben Tag verarbeitet werden.“ Oder entsorgt, wenn man sie nicht verarbeiten kann. Nur ein Beispiel von vielen. Speiseeis darf nicht über minus 10 Grad Celsius verkauft, angetaute Ware nicht wieder eingefroren werden.Bei gekühlten Lebensmitteln gilt eine Vielzahl von Temperaturgrenzen. Der Verbraucher liest sie nicht selten auf Etiketten: Zu verbrauchen bis ... bei plus 2 bis plus 4 Grad“, heißt es etwa bei Hackfleisch. Steigt die Temperatur darüber hinaus, muss es weggeworfen werden. Mindestens haltbar bis ... bei bis zu plus 7 Grad Celsius, lautet eine andere übliche Aufschrift auf Fleisch- und Wurstwaren. Fisch muss exakt bei 0 bis plus 2 Grad gekühlt werden, nicht darüber, nicht darunter. Und so weiter und so fort.

Der Stromausfall über mehr als eine Stunde auch in weiten Teilen der Kernstadt bescherte allen, die mit Lebensmitteln ihr Geld verdienen, also viel, viel Arbeit. Die Läden in der Fürstengalerie etwa hatten wegen Ausfalls aller Kassenanlagen einige Zeit nach dem Beginn des Ausfalls für den Rest des Tages geschlossen.

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