Prozess gegen 51-Jährigen vor dem Kasseler Landgericht 

Versuchter Mord in Bad Wildungen: Psychiater hält Angeklagten für voll schuldfähig

Mordversuch in Bad Wildungen: Ein 51-Jähriger steht in Kassel vor Gericht. Er muss sich wegen eines Messerangriffs auf seine Ehefrau verantworten. Foto: Matthias Schuld

Kassel/Bad Wildungen – Der Angeklagte war beim Messerangriff auf seine Ehefrau in seiner Steuerungsfähigkeit nicht eingeschränkt und ist daher voll schuldfähig.

Zu diesem Fazit kam der forensische Psychiater Dr. Georg Stolpmann in seinem Gutachten über einen 51-jährigen Mann, der am 21. April 2018 seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Bad Wildungen mit zahlreichen Messerstichen schwer verletzt hatte.

Vor der 10. Strafkammer des Kasseler Landgerichts muss er sich derzeit wegen versuchten Mordes verantworten. Der Angeklagte leide zwar unter depressiven Verstimmungen und sei auch zur Tatzeit teilstationär in der Psychiatrie in Behandlung gewesen. Er sei aber weder psychisch krank noch habe er eine Persönlichkeitsstörung, erklärte der Psychiater.

Stolpmann beschrieb den Angeklagten als ängstlich, abhängig und narzistisch, was sich in einem schwachen Selbstwertgefühl niederschlage. Übermäßiger Konsum von Bier und Schnaps über viele Jahre habe ihn alkoholabhängig gemacht. Dies habe wohl auch dazu beigetragen, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte. Als sie ihm die beabsichtige Scheidung eröffnete, habe dies bei ihm einen Schock ausgelöst, gab der Angeklagte an.

Gegen die Mittagsstunde des Tattages habe er seine Frau aufgesucht, um sich mit ihr auszusprechen. So weit reicht seine Erinnerung noch: Dass er hingegen mit drei verschiedenen Küchenmessern auf sie einstach und ihr im Oberkörper zahlreiche Verletzungen zufügte, habe er vollständig vergessen.

Stolpmann nahm dem Angeklagten diesen „Filmriss“ nicht ab. Eine Tat im Affekt dauere nur Sekunden und könne durchaus mit Erinnerungslücken einhergehen. In diesem Fall aber sei der Angeklagte in die Küche gegangen, habe das erste Messer mit knapp zwölf Zentimeter langer Klinge geholt und habe zugestochen.

Als die Klinge abbrach, kam ein zweites Messer zum Einsatz. Und als der durch die Hilferufe der Frau alarmierte Nachbar herbeieilte, habe er den abgeschüttelt und mit einem dritten Messer auf die Frau eingestochen, die sich schließlich in die Waschküche retten konnte. Eine solche Tat über mehrere Etappen könne nicht im Affekt geschehen. Viel wahrscheinlicher als der Gedächtnisverlust sei, dass der Mann das Geschehen zur Selbstentlastung verdrängt habe.

Bei der Festnahme wenige Minuten später sei ihm durchaus bewusst gewesen, was er getan hatte. Das hatten mehrere Zeugen bestätigt. Auch den behaupteten Schock über die Trennungsabsichten bezeichnete Stolpmann als nicht glaubhaft. Darüber habe die Frau schon zuvor öfter mit dem Angeklagten gesprochen.

Bei der Festnahme hatte der 51-Jährige selbst mehrere Schnittwunden an den Händen. Die DNA-Untersuchung der drei Messer ergab jedoch Blutanhaftungen, die ausschließlich der Frau zugeordnet werden konnten. Der Mann hatte zur Tatzeit zwar eine erhöhte Dosis Psychopharmaka intus, jedoch keinen Alkohol.

Die Verhandlung vor der Strafkammer des Vorsitzenden Richters Robert Winter wird am Freitag, 30. August, fortgesetzt. Dann sollen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage gehalten werden. Am letzten Verhandlungstag, Montag, 23. September, sollen dann die Schlussvorträge der Verteidiger und das Urteil kommen.

VON THOMAS STIER

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