Rückblick mit Dr. Berthold auf 300 Jahre Forstgeschichte der Wildunger Walddörfer

Der Wald bestand aus Büschen

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Das ehemalige Forsthaus von Hundsdorf soll in Teilen zu einem Museum der Regional- und Forstgeschichte werden.

Bad Wildungen - Vor 300 Jahren gab der Kellerwald größtenteils ein sehr trauriges Bild ab. Er glich mit Sträuchern zwischen drei und zehn Metern Höhe eher einer lichten Buschlandschaft denn einem dichten Wald, wie ihn etwa die Brüder Grimm in ihren Märchen beschreiben.

Dr. Heinz Berthold blickte auf Einladung des Waldeckischen Geschichtsvereins im Hotel „Quellenhof“ zurück auf „300 Jahre Waldeckische Forstgeschichte“ und schilderte dem Publikum, wie die Region rund um Hundsdorf und die übrigen „Walddörfer“ Anfang des 18. Jahrhunderts aussah. Keine Ausnahme in deutschen Landen, was Hans Carl von Carlowitz 1713 veranlasste, Prinzipien der „Nachhaltigkeit“ für die Forstwirtschaft aufzustellen. Er war seines Zeichens Oberberghauptmann des Erzgebirges und fragte sich, wie der damals für den Bergbau unerlässliche Rohstoff Holz dauerhaft zur Verfügung gestellt werden könne.

Die Menschen hatten bis dahin den Wald rücksichtslos ausgebeutet: Die Fürsten unterhielten für ihre Jagd hohe Wildbestände, die den Bäumen zusetzten. Mangels Futter vom Feld trieben die Dorfbewohner ihre Tiere zur Weide in den Wald. Die Herstellung von Holzkohle in unzähligen Meilern als Energielieferanten für das Verhütten von Erzen machte den großen Bäumen ebenso den Garaus wie der tägliche Heizbedarf der Bevölkerung. Bis die Ratschläge des Herrn von Carlowitz in den Walddörfern anlangten, sollten allerdings fast weitere 150 Jahre vergehen, erzählte Heinz Berthold seinen Zuhörern.

Die ersten Forstbereisungen in der Oberförsterei Hundsdorf im Jahre 1840 ergaben, dass die Wälder dieses Bezirks nahezu ausschließlich aus „Stangenholz“ bestanden. Mit dieser ersten Bestandsaufnahme begann im Bezirk der Oberförsterei Hundsdorf die „nachhaltige“ Forstwirtschaft.

In einem Jahr höchstens so viel Holz einschlagen, wie an Jungbäumen nachwächst: So lautet eine zentrale Vorgabe der Carlowitz’schen Nachhaltigkeit und ab 1850 boten drei Entwicklungen den Förstern die Chance, danach zu handeln:

Die Steinkohle half dem Wald

Klee als Futterpflanze fürs Vieh wurde vermehrt angebaut. Die beginnende Industrialisierung setzte die fossile Steinkohle als Energieträger an die Stelle der Holzkohle. Und das Jagdrecht wurde geändert.

Den Wald nachhaltig wiedererstehen zu lassen, verlangte von den Förstern Planung und umsichtiges Wirtschaften über Generationen hinweg, weil Buche, Eiche & Co Zeit zum Wachsen brauchen, erläuterte Berthold. Langsam erhielt der Wald eine Struktur mit vielen verschiedenen Altersklassen zurück. Anhand von Bildern aus den Jahren 1940 bis 1960 aus dem Bezirk Hundsdorf belegte Berthold die beeindruckenden Ergebnisse der ein Jahrhundert zuvor eingeführten Wirtschaftsweise.

Die 300 Jahre Forstgeschichte der Walddörfer fand ihren Dreh- und Angelpunkt im Hundsdorfer Forsthaus, das heute leer steht. Neben ihm wurde das Landesgartenschauprojekt „Kohlenmeiler“ des Ortsteiles 2006 errichtet.

Das Forsthaus ist erstmals 1660 als herrschaftlich erbautes Jägerhaus in Urkunden erwähnt, zu Zeiten von Josias II., der in Wildungen residierte. Es handelt sich um eines der ältesten waldeckischen Forsthäuser. Im Barock hatte die Jagd eine überragende Bedeutung, weshalb in dem Gebäude die gräflichen und später fürstlichen Jäger untergebracht waren.

20 Pferde im Reisestall des Waldecker Fürsten

Gegenüber dem Haus stand der frühere Reisestall der Fürsten von Waldeck, der Platz für 20 Pferde bot. Dort hatten die Landesherren Gelegenheit, ihre Rösser zu wechseln, wenn sie den südlichen Zipfel ihres Herrschaftsbereiches aufsuchten. Nach Abriss des Reitstalles 1923 wurden die Gebäudeteile genutzt, um Scheune und Stallungen an das Forsthaus anzubauen und auf dem Gelände des Reitstalles das „Landjägerhaus“, die spätere Polizeistation Hundsdorf, einzurichten. Auf dem Areal des ehemaligen Forstdienstgehöfts findet sich ein weiteres Zeugnis örtlicher Forstgeschichte: der Schuppen der ehemaligen Köhlerei, die ab 1939 bis in die Nachkriegszeit der Herstellung von Holzkohle diente. Sie hielt Fahrzeuge am Laufen, die von Holz- statt Benzinvergasern angetrieben wurden.

Da der Zustand des Forsthauses als ein öffentliches Gebäude regelmäßig dokumentiert wurde, weiß man heute, dass es im Lauf der Jahrhunderte kaum Änderungen an der Aufteilung der Räume gab. In nächster Zeit soll das Alter einiger Balken noch genauer bestimmt werden.

Größter Wunsch von Dr. Heinz Berthold und eines eigens gegründeten Vereins ist es, das leere Forsthaus wiederzubeleben und in Teilen als Museum der Forst- und Regionalgeschichte der Walddörfer zu nutzen. Der Verein gleichen Namens sei sich der großen Herausforderung bewusst, die mit dieser Zielsetzung verbunden ist, und hoffe auf ideelle und finanzielle Unterstützung.

Von Werner Senzel

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