Eine Entscheidung für lange Zeit

Warum die Frage nach dem Wildunger Heloponte-Ersatz so schwer ist

+
Bahnenschwimmen im Heloponte: Unabhängig davon, wofür die Stadtverordneten am Ende stimmen, bleibt Sport in einem neuen Schwimmbad laut Vorschlägen möglich.

30 Jahre: Für diese Zeitdauer schlagen die Stadtverordneten teure Pflöcke ein, wenn sie über die Frage entscheiden, was an die Stelle des Heloponte tritt.

  • Niemand weiß, welchen Stellenwert Schwimmen und Baden für die Freizeitgestaltung im Jahr 2050 haben
  • Das macht die Entscheidung der Wildunger Stadtverordneten über den Heloponte-Ersatz so schwer
  • Die vorgelegten Konzepte erlauben theoretisch eine Umsetzung Schritt für Schritt

 

Bad Wildungen – 30 Jahre beträgt die mittlere Lebenserwartung eines Bades, sagen Expertinnen.

Vor 30 Jahren hatte kein Otto Normalbürger je etwas von „Internet“ gehört. Wenn Lieschen Müller außer Haus telefonieren wollte, suchte sie eine Telefonzelle, und ein soziales Netzwerk trug die Abkürzung e.V..

Allein diese drei Beispiele zeigen, wie schwierig die Aufgabe des Wildunger Parlamentes ist. Denn niemand weiß heute, wie sich Trends und Vorlieben der Gesellschaft entwickeln, für die man 2020 ein neues Bad planen soll. Denn der Wandel im Zusammenleben der Menschen beschleunigt und beschleunigt sich. Die virtuelle, die künstlich-digitale Welt läuft dem echten Leben den Rang ab.

Wie wichtig ist Schwimmen für Freizeit in Zukunft?

„Welche Rolle spielt das Schwimmen für die Freizeitgestaltung in Zukunft überhaupt noch?“, nennt Bürgermeister Ralf Gutheil als eine Kernfrage. „Die Zahl der Menschen, die gar nicht schwimmen können, steigt“, fügt Bauamtsleiter Klaus Weidner hinzu.

Geben die Stadtverordneten also für ein schlankes Schul- und Sportbad so wenig Geld wie möglich aus, um die Stadtkasse für die Zukunft zu schonen?

Oder setzen sie darauf, dass manche Dinge über Jahrzehnte nicht an Attraktivität verlieren für Familien und erst recht die Seniorengeneration einer alternden Gesellschaft? Saunieren, Baden, auch in Salzwasser, Entspannen: Tragen solche Komponenten dauerhaft dazu bei, die Stadt attraktiv für neue Einwohner zu halten und dienen sie auf lange Sicht als gefragtes Mosaiksteinchen im Angebot einer Gästestadt? Lohnt es sich, dafür einige Millionen Euro mehr zu investieren und über 30 Jahre hinweg die Stadtkasse mit etlichen 100 000 Euro mehr per anno zu belasten als bei der einfachen Lösung?

Kaum Fördergeld für Heloponte-Ersatz

Die Entscheidung fällt umso schwerer, als nach derzeitigem Kenntnisstand der Verwaltung keine Fördergelder in nennenswerter Höhe zu erwarten sind. „Der Landestopf für Schwimmbad-Neubau ist ausgeschöpft“, erklärt Bürgermeister Ralf Gutheil.

Zuschüsse in begrenztem Rahmen seien über die Sportförderung für das Schwimmerbecken zu erwarten, „aber nur für das Becken“, fügt er hinzu. Vielleicht ließe sich auch aus der Tourismusförderung etwas loseisen für den Bau eines Sole-Beckens in einer der kostspieligeren Neubau-Varianten. Ein Vorteil in den vorgelegten Konzepten liegt grundsätzlich in ihrem Baukastenprinzip. So ließe sich die neue Anlage im Lauf der Jahre erweitern. Eine wichtige Rolle spielt mutmaßlich die Ausstattung mit moderner Daten-Unterhaltungstechnik, schätzen Gutheil und Weidner auf Nachfrage. Durch Vermischen von virtueller Welt und Realität lassen sich neue Erlebnisse schaffen. Mit der VR-Brille auf der Nase eine Wasserrutsche hinab und dabei die Illusion vor Augen, man stürze sich einen Wildbach hinunter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare