Große Wäsche im Lebendigen Museum mit historischem Gerät

Waschen war Schwerstarbeit

Odershausen - „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh’ und sehet den fleißigen Waschfrauen zu ...“ Ebenso wie das alte Kinderlied erzählte das Lebendige Museum in Odershausen beim Waschtag der besonderen Art von der schweren Arbeit der Wäscherinnen in früherer Zeit.

Die jüngeren Generationen können sich das Waschen von Hand heute kaum noch vorstellen, dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass diese Art der Textilpflege gang und gäbe und bis vor etwa 50 Jahren richtige Schwerstarbeit war. Bis ins 18. Jahrhundert war das Wäschewaschen ausschließlich Aufgabe der Männer. Sie benutzten menschlichen oder tierischen Urin als Waschmittel – eine unangenehme, aber gut bezahlte Arbeit. Aus dieser Zeit stammt die Redewendung „Geld stinkt nicht“. Später übernahmen dann die Frauen das Waschen. Vor allem Witwen waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gezwungen, für sich und ihre Familien als Waschfrauen den Lebensunterhalt zu verdienen. In großen Haushalten nahm das Waschen der Wäsche einen oder zwei Tage in Anspruch, wozu meist alle weiblichen Arbeitskräfte herangezogen wurden. Eimer, Zuber, Wannen und Waschkörbe wurden bereitgestellt, Heizmaterial für den Waschkessel sowie Einweich- und Waschmittel in die Waschküche gebracht. Das Wasser trug man in Eimern heran. Das wichtigste Utensil war das Waschbrett, das ungefähr ab 1850 in Gebrauch war. Meist wurde am Samstagabend die Wäsche gewechselt und tags darauf mit Soda eingeweicht. Stark verschmutzte Wäsche behandelte man mit Schmierseife. Gewaschen wurde mit einer Lauge aus Asche (Pottasche, später Soda). Asche eignete sich zum einen, weil die nicht wasserlöslichen Substanzen mechanisch beim Scheuern halfen. Zum anderen entstand durch die Verbindung von Wasser und Asche eine alkalische Lösung, die die Fasern quellen lässt und Fette zersetzt. Nach dem Einweichen und Brühen in der Lauge wurde die Wäsche geschlagen, geknetet und gerieben. Fleckige Stellen wurden auf dem Waschbrett mithilfe von Kernseife gründlich durchgewaschen. In späteren Jahren erleichterte der Wäschestampfer die Arbeit erheblich. Nach der Waschprozedur wurde das Wasser nochmals erhitzt und man begann mit dem Spülen. Es folgten mehrere Spülgänge, bis das Wasser klar war und nicht mehr von Waschmittelresten getrübt wurde. Zum Abschluss wurde weiße Wäsche in der Sonne gebleicht, Unterröcke,Tisch- und Bettwäsche wurden gestärkt, und nach dem Auswringen kam die Wäsche schließlich zum Trocknen auf die Leine. Ein wahrer Kraftakt und heute kaum noch vorstellbar. Sehr anschaulich demonstrierten die „Waschfrauen“ des Museums die aufwendige Prozedur und erinnerten damit an längst vergangene Zeiten. Die Kleidung, die damals zur Arbeit, an Sonntagen und zu Festen getragen wurde, zeigte eine Sonderausstellung. Führungen informierten über bäuerliche Lebens- und Arbeitsweise in früherer Zeit. Vom Flachsanbau wurde erzählt und dessen Verarbeitung an originalen Gerätschaften demonstriert, während in der Spinnstube die Besucher den Spinnerinnen und Weberinnen über die Schulter schauten.Wie an jedem dritten Sonntag im Monat, wenn das Lebendige Museum seine Pforten öffnet, war reichlich fürs leibliche Wohl gesorgt, diesmal mit einer Spezialität, „Gefülltem Krautkopf“, in alten Formen zubereitet, zu Salzkartoffeln und goldgelber Rosmarinsoße. Wer es weniger deftig mochte, wurde am reichhaltigen Kuchenbuffet fündig oder genoss den im Museum hergestellten Apfelwein sowie Holunderblütensaft – wie vielleicht auch die fleißigen Waschfrauen des Museums am Ende des arbeitsreichen Tages. Von Carola Ulrich

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