DLRG-Drei-Seen-Konferenz · Trotz ruhiger Saison vier Tote am Edersee

Wo Wasser ist, da ist auch Gefahr

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Nach der Drei-Seen-Konferenz stärkten sich die Teilnehmer in der neuen Küche der Schulungsstätte mit einem kleinen Imbiss. Dabei boten DLRG-Mitarbeiter einen Joghurt-Trunk an.

Edersee. - Der Winter hat Stadt und Land noch fest im Griff. Es gibt aber den einen oder anderen Frühlingsvorboten, zum Beispiel die 17. Drei-Seen-Konferenz der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Wal-deck-Frankenberg (DLRG) am vergangenen Samstag in der Rettungsstation am Waldecker Seeufer.

Klaus Schultze, seit langem Leiter von Station und Schulungsstätte des Rettungsdienstes am Edersee, zog Bilanz über 2012: „Unsere Seen litten unter dem Wetter, der Betrieb war nur mäßig.“ Trotz einer unter dem Strich „ruhigen Saison“ waren am Edersee vier Todesopfer zu beklagen, zwei im Wasser und zwei an Land. Ein alkoholisierter Besucher ertrank beim Baden bei Scheid, ein anderer erlitt einen Herzinfarkt beim Schwimmen.

Kreis ein Schwerpunkt in Hessen

Nicht wenige Schwimmer überschätzten ihre Kräfte, meinte Schultze: „Sie wollen von einer Seeseite auf die andere, und in der Mitte fangen die Probleme an.“ Dazu ein Trend: Jedes zweite Todesopfer durch Ertrinken ist über 50 Jahre alt.

Im Gegensatz zu anderen Rettungsorganisationen (zum Beispiel Feuerwehr) hat die DLRG keine Personalsorgen, genügend Nachwuchs steht zur Verfügung. Der Mitgliederstand in Waldeck-Frankenberg beträgt aktuell 1159.

Hessens DLRG-Präsident Thorsten Reus (Haiger) und Vizepräsidentin Sandra Geschwandtner (Borken), beide seit Mai 2012 in Amt und Würden, stellten sich vor. Reus dankte den Waldeck-Frankenbergern für ihr Engagement, die Region mit drei Seen sei ein DLRG-Schwerpunkt. Von insgesamt etwa 170 000 ehrenamtlichen Wachstunden in Hessen entfällt jede vierte auf die drei nordhessischen Seen.

Nach den Worten des DLRG-Präsidenten hat sich die eins-tige Freizeittruppe zu einer professionellen Hilfsorganisa-tion entwickelt.

2013 kann die hessische DLRG ihr 100-jähriges Jubiläum feiern. Präsident Reus kündigte eine Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit an. In einem Flyer will die DLRG über Risiken des Wassersports informieren: „Wo Wasser ist, ist auch Gefahr.“

Waldeck fördert Serviceplaketten

Hier einige weitere Notizen der DLRG-Konferenz:

Eröffnung der „Wachsaison 2013“ ist am 29. Juni.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf würdigte den „wichtigen Beitrag“ der DLRG für die Sicherheit an den heimischen Seen, dies trage nicht zuletzt zum guten Ruf der Tourismusregion bei.

Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick informierte über die seit Jahren im Raum stehende Einführung des Digital-funks bei allen Rettungsdiensten. Mit der Ausbildung an den Geräten könne Mitte des Jahres 2013 begonnen werden, die Umstellung von analog auf digital werde „irgendwann in 2015“ er-folgen, kündigte Biederbick an.

Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann war in Spendier-laune: Den bisher eher schleppend verlaufenen Verkauf von sogenannten Serviceplaketten, die für 15 Euro kostenlose technische Hilfeleistung für Segelboote beinhalten, will er mit klingender Münze unterstützen. 2012 wurden bei rund 2000 Segelbooten am Edersee nur 319 DLRG-Serviceplaketten verkauft. Feldmann will bei jeder der in 2013 veräußerten Plaketten fünf Euro draufzahlen. Die Lebensretter bedankten sich mit Applaus für diese Ankündigung.

Diemelsees Bürgermeister Volker Becker ist unzufrieden mit der DLRG-Situation am Diemelsee. Die von der örtlichen Gruppe betreute Station leiste gute Arbeit, jedoch gebe es „Handlungsbedarf“ für die von Nordrhein-Westfalen geleitete Station.

Präsident Reus will sich um die Angelegenheit kümmern: „Schließlich ist es ein See.“

Neuer Steg in 2013 im Fürstental

Investitionsschwerpunkt im laufenden Jahr ist der Bau einer neuen Steganlage für die Station Fürstental für veranschlagte 50000 Euro. Der Kreis hat Gelder bewilligt, die Zusage der Anrainer-Kommunen steht aber noch aus.

Die Drei-Seen-Konferenz der DLRG in Waldeck-West am winterlichen Edersee endete gemütlich mit einem Imbiss in der neuen Küche der Schulungsstätte.

Hintergrund

Zahlen und Fakten zum Jahr 2012 aus Sicht der heimischen DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft), bekanntgegeben bei der Drei-Seen-Konferenz. DLRG-Wachstunden an den drei Seen in Waldeck-Frankenberg: Edersee: 38 588, Diemelsee: 5021, Twistesee: 3073. Insgesamt wurden 46 682 Wachstunden geleistet. Das sind etwa 8000 mehr als im Vorjahr, trotz einer wetterbedingt eher mäßigen Saison mit einem weitgehend verregneten Sommer.

Bilanz des Wasserrettungsdienstes

Todesfälle: vier - alle am Edersee.

Erste Hilfe: 161 Einsätze am Edersee, 10 am Diemelsee und 8 am Twistesee.

Rettung aus Lebensgefahr: Sieben Mal rückten die Retter zu Einsätzen an den Edersee aus.

Technische Hilfeleistung: 132 Einsätze leisteten die DLRG-Retter am Edersee und jeweils sechs Einsätze wurden 2012 an den beiden anderen Seen registriert. (jm)

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