Helmut Kann hört nach 41 Jahren auf - Nachfolger wird Horst Reis

Wechsel am Bad Wildunger Ortsgericht

Mit Sicherheitsabstand: Der scheidende Ortsgerichtsvorsteher Helmut Kann und Nachfolger Horst Reis mit ihren Ehefrauen, Bürgermeister Gutheil, Hauptamtsleiter Heiser, Amtsgerichtsdirektor Rhiel (von rechts). Foto: Stadt Bad Wildungen/pr

Auch ein Wechsel im Amt des Ortsgerichtsvorstehers gestaltet sich in diesen besonderen Zeiten anders als gewohnt.

Bad Wildungen – Statt einer feierlichen Verabschiedung ist Distanz angesagt. Dennoch ließen Stadt Bad Wildungen und Amtsgericht Fritzlar das Ausscheiden von Helmut Kann (Wega) nicht ohne Würdigung vorübergehen lassen. Nach 41 Jahren beim Ortsgericht Bad Wildungen wurde Kann im Rathaus verabschiedet.

"Vorarbeiter für die nachfolgenden Gerichte"

Bernhard Rhiel, Direktor des Amtsgerichts Fritzlar, bedankte sich bei Helmut Kann für die in Hessen wohl einmalig lange Amtszeit und überreichte eine Entlassungsurkunde. Als „Vorarbeiter für die nachfolgenden Gerichte“ habe er wesentlich zur Vereinfachung von juristischen Abläufen beitragen.

Ortskenntnisse und persönliche Bekanntschaften seien gute Voraussetzungen, um Konflikte zu vermeiden und Probleme schon im Vorfeld zu lösen.

Unterstützt von der Ehefrau

Dies hob auch der scheidende Ortsgerichtsvorsteher in einer kurzen Rede hervor. Er habe sich stets bemüht, widersprüchliche Interessen auszugleichen. Dies sei durch eine standortnahe Einrichtung, wie sie Ortsgerichte darstellen, eher möglich als durch eine ferne Instanz. Der scheidende Ortsgerichtsvorsteher bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht und der Stadt Bad Wildungen. Vor allem aber hob er hervor, dass seine Frau Rosemarie, die als Justizangestellte sozusagen vom Fach war, über all die Jahre durch ihre Mitarbeit einen reibungslosen Ablauf der Sprechstunden ermöglicht habe. Immerhin galt es rund 700 Dienstgeschäfte pro Jahr zu bewältigen.

Da Helmut Kann im Jahr 1956 seine berufliche Laufbahn bei der Bundesbahn begonnen hat, kann er auf insgesamt 64 Jahre im öffentlichen Dienst zurückblicken. Auch dies ist sicherlich ein Rekord, hieß es in der Feierstunde.

Horst Reis spricht den Diensteid

Bürgermeister Ralf Gutheil und Hauptamtsleiter Christoph Heiser bedankten sich bei dem „starken Team Kann“.

Das Dienstzimmer des Ortsgerichts befindet sich im Bad Wildunger Rathaus, und über all die Jahre habe es ein reibungsloses Miteinander gegeben. Kann habe das Amt des Ortsgerichtsvorstehers geprägt und gelte bei vielen Bad Wildungern als Institution.

Als Nachfolger wurde gleichzeitig Horst Reis (Hundsdorf) in das Amt eingeführt. Genau wie sein Vorgänger wurde er durch die Bad Wildunger Stadtverordnetenversammlung gewählt und vom Amtsgericht Fritzlar ernannt. Amtsgerichtsdirektor Rhiel nahm Reis den Diensteid ab.

Der Hundsdorfer würdigte in einer kurzen Ansprache das langjährige Wirken seines Vorgängers und dankte für die Bereitschaft, ihn in seine neue Aufgabe einzuarbeiten.

Aktuell keine Sprechstunden

Normalerweise gibt es feste Sprechstunden des Ortsgerichts im Rathaus in Bad Wildungen. Wegen der besonderen Corona-Situation fallen diese zurzeit aber bis auf weiteres aus.

Telefonische Rücksprachen mit dem neuen Bad Wildunger Ortsgerichtsvorsteher Horst Reis sind aber ab 1. April möglich. Kontakt: Tel. 05621/72880.

Ortsgerichte gibt es nur in Hessen

Ortsgerichte sind eine hessische Besonderheit, es gibt sie in keinem anderen Bundesland. Sie agieren als eine Hilfsbehörde der Justiz. Ein Ortsgerichtsvorsteher ist ein vereidigter Ehrenbeamter, ihm zur Seite stehen Ortsgerichtsschöffen. 

Zu den Aufgaben des Ortsgerichts gehören unter anderem Beglaubigungen von Unterschriften und Abschriften, zum Beispiel für Vereinsangelegenheiten. Auch bei Nachlassangelegenheiten und Schätzungen wird das Ortsgericht tätig, ebenso bei Festsetzungen von Grundstücksgrenzen.

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