Ausstellung in der Wildunger Wandelhalle eröffnet

Wehmut schwingt mit: Die Geschichte der drei Wildunger Kinos

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Die Autoren des Begleitheftes zur Kino-Ausstellung: (von links) Gerhard Kessler, Bernhard Weller, Andreas Pockrandt und Bernd Gehring.

Viele vermissen sie schmerzlich, die Wildunger Kinos. Drei Stück gab es einmal in der Stadt.

„Wenn ich Bürgern davon erzähle, die nach 2000 hierher gezogen sind, schauen sie mich ungläubig an“, berichtete Gerhard Kessler zur Eröffnung einer neuen Doppelausstellung im Wildunger Quellenmuseum.

Sie stellt im Nordflügel die Geschichte der Wildunger Kinos dar und präsentiert im Südflügel Filmplakate des Künstlers Will Williams. Bei den Werken handelt es sich um Leihgaben des Wildunger Sammlers Manfred Schuster.

„Bad Wildungen gehörte bei der Einrichtung von Lichtspieltheatern einst zu den Vorreitern in Deutschland“, erläuterte Kessler. Er hat einer Arbeitsgruppe mit Bernd Gehring, Andreas Pockrandt und Museumsleiter Bernhard Weller die Historie der Wildunger Kinos aufgearbeitet.

Das „Central-Theater“

Im November 1912 eröffnete der Hotelier Wiesemann in seinem Hotel Zimmermann in der Brunnenallee 7 das erste Wildunger „Lichtspieltheater“. In den Kriegsjahren 1916/17 wurde das Hotel zum Lazarett. Die Leinwand blieb dunkel, bis Ende 1918 der Großkinobetreiber Krips aus Bochum die Räume mietete, um dort ein „durchaus erstklassiges Kino“ einzurichten. Es firmierte ab Juni 1920 unter dem Namen „Central-Theater“.

Zu den Stummfilmen gab es Musikbegleitung, etwa von dem Wildunger Pianisten Emil Waldow. Von ihm ist überliefert, dass er – immer wenn ein Schuss fiel – den Klavierdeckel lautstark zuknallte und das Publikum erschreckt zusammenzuckte. Im Februar 1931 flimmerte der erste Tonfilm über die Leinwand des Central-Theaters, ein Film mit viel Gesang und dem Titel „Eine Freundin, so goldig wie Du“.

Nach 1945 beschlagnahmten die Amerikaner das Central-Theater. Nach der Freigabe übernahm 1948 der Besitzer des Hauses Karl-Willy Griesche den Kinobetrieb, der sich 1977 aus dem Filmgeschäft zurückzog und das Kino verpachtete- „Nach 88 Jahren kam im Januar 2000 Aus für das letzte und traditionsreichste Filmtheater der Stadt“.

Die „Capitol-Lichtspiele“

Zwei Holländer hatten im Oktober 1947 die „Capitol-Lichtspiele“ im ehemaligen Hotel Königsquelle in der Bahnhofstraße als zweites Kino der Stadt begründet. „Madame Curie“ wurde gezeigt und die Filmstars Paul Dahlke, Bruni Löber und Margot Hielscher wohnten der Premiere persönlich bei, denn sie waren in Bad Wildungen zur US-Truppenbetreuung.

Im Jahre 1967 verschwand das Capitol mangels einer Nachfolge für den Betreiber von der Bildfläche.

Das „Astoria“

Das dritte und jüngste Kino eröffnete 1955 an der Stelle, wo heute C&A steht: das Cinemascope-Filmtheater „Astoria“. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass dieser Betrieb in den ersten Jahren von Helmut Anlauf, einem ehemaligen UFA-Film-Direktor betrieben worden sei, „einem Mann, der sich im Filmgeschäft besonders gut auskannte.“

Das „Astoria“ verfügte über die modernste technische Ausrüstung, wie man sie zu dieser Zeit nur in wenigen deutschen Kinos fand. Kessler: „Da kamen die beiden anderen Wildunger Kinos nicht mehr mit.“

Und doch ist das „Astoria“ selbst seit mehr als 30 Jahren schon wieder Vergangenheit. Es schloss Im November 1985. Der letzte Streifen: ein Bond, ausgerechnet „Im Angesicht des Todes“. Bekannte Filmmelodien wie diese spielte zur Vernissage der Pianist Biffer Genev von der Wildunger Musikschule. Die Ausstellung „Geschichte der Bad Wildunger Kinos ist täglich von 10 bis 18 Uhr bis zum 17. November geöffnet. -szl-

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