Frischquak

An Weißheit gewonnen

Bad Wildungen - „Ah, das ist der Mensch, der Regen lieber mag als Schnee“, sprach mich die Dame im Laden vor einer Woche in einem Unterton zwischen Missbilligung und Verständnislosigkeit an.

Sie habe zuvor mein Gespräch mit dem Schafskäse-Oliven-Markthändler mitbekommen. Wir zwei hatten uns als mediterrane Naturen unser Leid an der „weißen Pracht“ geklagt, die wir als bleiche Plage empfinden: Schaufeln, rutschen, Scheiben kratzen. Nee, dann lieber Regen. Es sei denn, mein Handy taucht ab.

Öffentlich leiste ich den weißen Flocken Abbitte für meine Schmähung, denn auf dem Heimweg vom Einkauf bemerkte ich, dass sich das Mobile nicht in der Jackentasche befand, in der ich es wähnte. Alles suchte ich zu Hause ab, rief es vom Festnetz aus an, doch nirgendwo rührte sich ein Klingeln, trotz Freitons in der Leitung.

Da schoss mir eine Erinnerung durch den Kopf: Gestern Morgen vor der Tennishalle! Beim Herausheben der Sporttasche aus dem Kofferraum war aus einem offenen Seitenfach allerhand auf dem Parkplatz in den Schnee gepurzelt. Ich dachte, ich hätte alles wieder eingesammelt, aber das Handy? Das von meinem Hausengel geliehene Telefon dabei, eilte ich zur Halle. Dort, wo mein Auto gestern stand, parkten zwei andere Wagen.

Ich wählte mein Handy an. …..drrrring....drrrring..... Leise, wie geknebelt, gab es Laut; ich warf mich flach in den Schnee unter das eine Auto und grub. Nichts zu sehen, nur weiter zu hören, eindeutig irgendwo von hier ...drrring......drrring. Also rein in die Halle, wo Jugendtraining lief. „Entschuldigung, gehört jemandem draußen der silberne Seat?“ Entsetzter Blick eines Trainers unter der Kappe hervor: „Sie sind mir reingefahren, stimmt’s?“ Nein, nein, beruhigte ich, er werde mir sicher nicht glauben, was ich zu erzählen habe...

Er kam trotzdem mit hinaus und fuhr sein Auto an die Seite. Schon blinkte mir mein schockgefrostetes Mobiltelefon entgegen. Unter dem linken Hinterreifen hatte es gelegen, nach unten weich gepolstert vom Schnee. „Da hatten Sie aber Glück, spielen Sie Lotto!“, kommentierte der Trainer. Mein Handy hat keinen Schaden davongetragen, versieht weiter seinen Dienst. Nur ein paar helle Lichtflecke, die nicht dort hingehören, leuchten seitdem beständig an einer Stelle des Displays.

Das müssen die Seelen der inzwischen weggetauten Flöckchen sein, die mein verlassenes Gerät 24 Stunden schützend umhüllten und die mich mahnen: „Verachte uns Weißröckchen nicht. Regen hätte deinem Handy spätestens nach einer halben Stunde den Kurzschluss-Garaus gemacht.“

Stimmt, gesteht reuig

Euer Ederlurch

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