Wie eine abwegige Forderung der Raiffeisen Beverungen die Tourismus-Region Edersee in Unruhe versetz

Die Welle im Wasserglas

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Der Zank ums Eder-Wasser beginnt noch vor der Saison am See.

Edersee/Diemelsee - Die Saison an Eder- und Diemelsee hat nicht mal begonnen, da rollt eine Riesenwelle: nicht von den beiden heimischen Seen zur Weser, sondern in umgekehrter Richtung.

Öffentlich in einer Zeitung forderte die Volks- und Raiffeisenbank in Beverungen mehr Wasser für Getreidetransporte auf dem Fluss; viel mehr Wasser für Transporte mit insgesamt 30000 Tonnen Fracht pro Jahr. Damit löste die VR eine Woge der Aufregung aus.

Politiker der Edersee-Region fordern erneut die Gründung einer eigenen Interessengemeinschaft für den Tourismus an den Talsperren. Die Mitgliedschaft der Region in der Interessengemeinschaft Oberweser bringe nichts, weil die Industrie entlang der Wasserstraße die IG beherrsche. Das belege nicht erst das Auftreten der Beverunger Raiffeisen.

Dr. Edgar Schmal von der Wildunger CDU sprach in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung den Bürgermeister auf das Thema an. Vor einigen Jahren war die Wildunger Union bei den Edersee-Anrainerkommunen mit ihrem Vorstoß gescheitert. Doch inzwischen regieren neue Bürgermeister in Edertal und Vöhl. Gemeinsam mit ihrem Waldecker Kollegen besuchten sie im Februar erstmals eine Sitzung der IG Oberweser

„Ich habe die Kollegen Gier, Stappert und Feldmann angeschrieben, wie sie zur Gründung einer Interessengemeinschaft für Edersee und Diemelsee stehen“, antwortete Volker Zimmermann auf Schmals Anfrage.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus, zeigen aber, dass sich in dieser Sache etwas bewegen könnte.

„Waldeck ist erst 2014 der IG Oberweser beigetreten. Warten wir mal ab, wie effektiv wir die Anliegen unseres Tourismus bei der Wasserbewirtschaftung zur Geltung bringen können“, wirbt Jörg Feldmann für Gelassenheit. Eine eigene Gemeinschaft müsse sich erst einen Namen verschaffen bei entscheidenden Ansprechpartnern wie dem Bundesverkehrsministerium.

Edertals Klaus Gier setzt einen anderen Akzent: „Wir beobachten das Vorgehen des Wasser- und Schifffahrtsamtes und ziehen unsere Schlüsse.“

Matthias Stappert, Bürgermeister von Vöhl, bezeichnet dagegen eine eigene Gemeinschaft an Eder- und Diemelsee als richtigen Weg: „Das sieht auch unser Gemeindevorstand so. Herzhausen fällt als erstes trocken.“ Die vielen namhaften Firmen aus dem produzierenden Gewerbe auf der Mitgliederliste der IG Oberweser zeigten deutlich, wo deren Arbeitsschwerpunkte lägen.

Auffällig: Der Vorstand der Interessengemeinschaft Oberweser reagierte nicht auf die maßlos wie abwegig erscheinende Forderung aus Beverungen. Den Grund erklärt Schriftführer Harald Plünnecke, Vöhls Ex-Bürgermeister: „Wir nehmen das nicht ernst: So eine Forderung zu erfüllen, ist unmöglich.“ Er verweist auf das Protokoll der IG-Februarsitzung (siehe „Hintergrund“): „Das Wasser- und Schifffahrtsamt betont, dass es weiterhin – auch bei einer steigenden Zahl von Transporten – deren Durchführbarkeit zum jeweiligen Zeitpunkt kritisch prüft und für den notwendigen Interessenausgleich Sorge trägt.“

CDU-Bundestagsmitglied Viesehon und Plünneke liegen auf einer Kiellinie

Die IG Oberweser hat einen „Lenkungsausschuss“ zur Wasserbewirtschaftung gegründet. In ihm sitzen der IG-Vorstand, das WSA, Interessenvertreter – und der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Viesehon. „Die drei Edersee-Bürgermeister haben mich beauftragt, die Belange des Edersees zu vertreten“, sagt er. In ihrer Einschätzung der Situation liegen Viesehon und SPD-Urgestein Plünnecke auf derselben Kiellinie.

Hintergrund

„Ganz ohne Wellen aus dem Edersee geht es nicht“, meint Thomas Lippel, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden (WSA). Forderungen wie aus Beverungen, seien aber nicht realisierbar – es sei denn, die Natur spendet verschwenderisch Regen. „Bei drei Metern Wassertiefe in der Weser können selbst Massenguttransporte mit großem Tiefgang fahren.“ Ansonsten müssten die Schiffe auf Regen warten. „Wir vernetzen uns immer besser mit den Kunden. Frühzeitige Absprache ermöglicht exakteres Steuern“, fügt er hinzu. Das Pilotverfahren, das in trockenen Jahren bei wenig Wasser in den Seen einen Weser-Pegel von nur 1,15 Meter statt der sonst minimalen 1,20 Meter fährt, musste das WSA 2014 nicht einsetzen. Auch Lippel betont, dass jedes moderne Schiff mit geringem Tiefgang den Druck auf die Seen mindert. Das Gesetz aus Kaisers Zeiten ändern, um sie ganz davon zu befreien? Dafür finde sich im Bundestag nie eine Mehrheit, meint CDU-Abgeordneter Viesehon.

Von Matthias Schuldt

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