Neues Schubschiff „Lavara“ braucht weniger Edersee-Wasser

Wellen für die Weser schrumpfen spürbar

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Edersee - In der Saison 2014 gab’s keinen Streit ums Edersee-Wasser - weil es immer zur rechten Zeit ausreichend regnete. So fiel kaum ins Gewicht, dass im Wasserwirtschaftsjahr (1. November bis 31. Oktober) sage und schreibe 17 Schwertransporte auf der Oberweser abgewickelt wurden. Segelsport und Edersee-Tourismus hatten im Jubiläumsjahr Glück - auf das sie künftig kaum mehr angewiesen sind.

Der Grund nennt sich „Lavara“. So lautet der Name des neuen Schubschiffs, das vor rund einer Woche seine Premierenfahrt auf der Oberweser mit Erfolg absolvierte. Das Frachtfahrzeug für schwere Güter hat einen Tiefgang, der um einige Zentimeter geringer ausfällt als der bei allen bislang eingesetzten Schiffen. Diese wenigen Zentimeter haben große, positive Auswirkungen auf den Wasserpegel im Edersee in trockenen Zeiten.

Zwei Unternehmen haben die Initiative ergriffen

„Pro Schwertransport brauchen wir etwa 5 bis 10 Millionen Kubikmeter weniger aus dem Edersee als bei den herkömmlichen Schiffen“, erklärt Katrin Urbitsch, Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden, auf WLZ-FZ-Anfrage.

17 Transporte auf der Oberweser im Wasserwirtschaftsjahr 2014 seien eine relativ hohe Zahl, fügt sie hinzu: „Im vorigen Jahr war es ungefähr die Hälfte.“

Viele dieser Transporte laufen zu Zeiten, in denen die Weser genug Wasser führt und keine Wellen aus der Edertalsperre braucht. In trockenen Sommermonaten bringt die „Lavara“ eine spürbare Entlastung, denn das Schiff steht für 10 bis 15 Schwertransporte pro Jahr zur Verfügung. Rechnerisch könnte der Edersee demnach um Wasserabgaben zwischen 50 und 150 Millionen Kubikmeter pro Jahr entlastet werden: alles andere als ein Pappenstiel angesichts seines Fassungsvermögens von rund 200 Millionen Kubikmetern.

Sehr zufrieden sind daher Joachim Kraus, Prokurist und Vertriebsleiter des Maschinenbau-Herstellers Richter in Hann. Münden, und der Chef der Firma AHE in Rinteln, Sascha Wagener. AHE verdient sein Geld mit Betonprodukten und nutzt die Weser zwischen Rinteln und Minden für Kiestransporte. Bis Hann. Münden fährt das Unternehmen eigentlich nicht.

Aber als der Maschinenbau-Hersteller Richter vor zwei Jahren Wind davon bekam, dass AHE ein neues Schiff anzuschaffen plante, klingelte Joachim Kraus in Rinteln durch. „Wir erkundigten uns, ob die Chance besteht, das Schiff so zu kons­truieren, dass wir es für den Transport unserer Maschinenbauteile von Hann. Münden aus mitbenutzen können“, schildert der Richter-Prokurist.

Die beiden Unternehmen wurden sich einig. Die „Lavara“ ist nun auch auf die Anforderungen von Schwertransporten eingerichtet. Richter sagte im Gegenzug zu, das Fahrzeug entsprechend zu buchen und so dessen Auslastung zu verbessern. Auch andere Unternehmen an der Oberweser zeigten Interesse, erklärt Sascha Wagener von AHE, „aber weil Richter damals auf uns zukam, haben wir auch mit ihnen den ersten Transport durchgeführt“.

65 Tonnen wog die Last bei der Premierenfahrt

Alles ging glatt vor wenigen Tagen. Mit 65 Tonnen verlud Richter ein relativ leichtes Teil bei der Premiere. Die angemieteten Schubleichter, die als Lastenträger vor die „Lavara“ gekoppelt werden, können bis zu 1000 Tonnen aufnehmen. Je nach Auswahl des Leichters für die jeweilige Fracht hat dieser Träger denselben geringen Tiefgang wie das neue Schubschiff.

„Damit setzen wir bewusst ein Zeichen an die Edersee-­Region, dass wir alle in einem Boot sitzen und Rücksicht auf die Belange des Edersee-Tourismus nehmen“, betont Joachim Kraus.

Oberweser gewinnt als Wasserstraße an Gewicht

Die Oberweser gewinne als Wasserstraße an Bedeutung für eine Reihe von nordhessischen Unternehmen, nicht allein für Richter. Alstom liefert ein weiteres Beispiel.

Der Grund liegt nicht allein in den maroden Autobahnbrücken, die für Frachten ab einer gewissen Tonnage rund um Kassel gesperrt sind. Nein, „die Straßen sind einfach dicht“, fügt Kraus hinzu.

Er rechnet damit, dass künftig vermehrt auch leichtere Schwertransporte deshalb auf dem Wasser landen und die Weser insgesamt häufiger für diesen Zweck genutzt wird.

Die Wirtschaftsminister von Hessen und Niedersachsen, Al-Wazir und Lies, haben kürzlich ihren Amtskollegen auf Bundesebene, Alexander Dobrindt, in einem Brief auf die Bedeutung der Oberweser als Transportweg hingewiesen. Dobrindt sicherte zu, die bestehenden Verhältnisse für die Frachtfahrten am und im Fluss zu erhalten.

Deshalb bleibt abzuwarten, wie groß die Entlastung des Edersees auf lange Sicht ausfällt, wenn die Nachfrage nach Transporten so sprunghaft steigt, dass die 10 bis 15 Fahrten der „Lavara“ nicht mehr ausreichen. (su)

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